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Elektro-Mobilität:In Deutschland herrscht Ladesäulen-Mangel

Fortschritte bei Ladenetz für E-Autos

Noch gibt es freie Lade-Parkplätze. Doch schon Mitte der Zwanzigerjahre könnte es laut Experten eng werden mit den Steckdosen für Elektromobile.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Einer Studie zufolge könnten Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland bald knapp werden.
  • "Im Jahr 2030 fehlen je nach Szenario zwischen 0,6 und 1,1 Millionen potenzielle Stellplätze mit privater Ladeinfrastruktur", so die Studie.
  • Nötig sei eine zielgenaue Förderung.

An schönen Zahlen hat es rund um die Elektromobilität nie gemangelt. Eine Million Fahrzeuge sollten es bis zu diesem Jahr sein, das war der Plan von 2010. Die Zahl ist längst illusorisch, inzwischen gilt ein neues Ziel: sieben bis zehn Millionen bis 2030. Und weil die Autohersteller verstärkt unter Druck geraten, könnte daraus sogar etwas werden: Um die Klimavorgaben der EU zu erreichen, müssen sie vermehrt emissionsarme Autos auf den Markt bringen. Das dürfte die Zahl der Elektroautos weiter steigen lassen. Fehlen jetzt nur die nötigen Ladesäulen.

Das Problem könnte sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen, warnt die Deutsche Energie-Agentur. Sie hat zusammen mit Prognos untersucht, wie sich die Infrastruktur in den nächsten Jahren entwickelt, die Studie liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Ergebnis: Schon Mitte der Zwanzigerjahre könnte es eng werden mit den Steckdosen für Elektromobile. Und das vor allem dort, wo sie besonders wichtig werden: in den Städten und Ballungsräumen.

Bisher ruht die meiste Hoffnung auf jenen privaten Ladestationen, die sich Menschen in den Carport oder die Garage schrauben lassen. Tatsächlich, so ergibt die Dena-Studie, liegt hier ein Potenzial von bis zu zwölf Millionen Ladestationen bis 2030. Theoretisch ließen sich so alle Elektroautos laden. Nur: Die Autos sind nicht unbedingt dort, wo die Garagen und Carports stehen.

Das liegt zum einen daran, dass die derzeit noch recht teuren Batterie-Autos vor allem in Regionen gefahren werden, in denen die Kaufkraft hoch ist, etwa im Süden Deutschlands, weniger hingegen in Ostdeutschland. Zum anderen sind sie besonders beliebt in Städten und Ballungsräumen. Dort aber gibt es nicht so viele Carports. Autos parken in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern oder am Straßenrand. Schon Mitte der Zwanziger könnten die Potenziale in Häusern mit mehr als drei Wohnungen ausgeschöpft sein, warnt die Studie. "Im Jahr 2030 fehlen je nach Szenario zwischen 0,6 und 1,1 Millionen potenzielle Stellplätze mit privater Ladeinfrastruktur", schreiben die Autoren.

Dabei scheint der Markt für Elektroautos gerade in Schwung zu kommen. Erst vorige Woche verkündete der Autoverband VDA einen neuen Zulassungsrekord im März: Trotz Corona waren knapp 20 000 E-Autos neu zugelassen worden, doppelt so viel wie im März 2019. Jedes elfte neue Auto war damit ein Elektroauto, auch dank staatlicher Zuschüsse. Doch mit dem Erfolg könnte das alte Henne-Ei-Problem wieder drängender werden. "Das Fehlen der Möglichkeit des privaten Ladens", so heißt es auch in der Studie, "könnte für einen großen Teil der potenziellen Elektrofahrzeugkäufer zu einem Kaufhemmnis werden und damit den Markthochlauf der Elektromobilität behindern."

Nötig sei künftig eine zielgenauere Förderung, sagt Dena-Chef Andreas Kuhlmann. "Die Gießkanne hilft nur bedingt beim Ausbau der Infrastruktur, ob bei der öffentlich zugänglichen oder der privaten." Sie müsse regional gezielt in jenen dicht besiedelten Regionen ausgebaut werden, wo die Zahl der Elektroautos stark steigt - also im öffentlichen Raum der Städte. "Vor allem aber müssen wir beim Ausbau deutlich schneller werden", sagt Kuhlmann. Und das womöglich als Teil eines Konjunkturpakets, im Kampf gegen die Corona-Folgen.

© SZ vom 15.04.2020/mxh
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