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Luftfahrt:Condor-Verkauf gescheitert

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In Warteposition: Eine Maschine von Condor steht im Vorfeld des Düsseldorfer Flughafens.

(Foto: imago images/Jochen Tack)

Die polnische Holding PGL macht wegen der Corona-Krise einen Rückzieher. Nun braucht der Ferienflieger staatliche Hilfen.

Der Verkauf der Ferienfluggesellschaft Condor an die polnische Staatsholding PGL ist erwartungsgemäß geplatzt. Die Muttergesellschaft von LOT Polish Airlines teilte am Montag mit, sie wolle von dem Ende Januar vereinbarten Kauf zurücktreten. Condor muss nun unter hohem Zeitdruck andere Geldquellen finden, um einen in dieser Woche fälligen Übergangskredit in Höhe von 380 Millionen Euro zurückzahlen zu können.

Der Rückzieher von PGL hatte sich seit Wochen angedeutet. Die Holding hatte sich bei einem Bieterverfahren gegen zwei Finanzinvestoren durchgesetzt und wollte Condor neben LOT zu einem zweiten, etwa gleichgroßen Standbein aufbauen und mit ihr den europäischen Ferienflugmarkt erschließen. Doch die Corona-Krise machte PGL einen Strich durch die Rechnung - LOT ist seit Wochen am Boden und muss vom polnischen Staat finanziert werden. Airlines werden nach übereinstimmender Einschätzung nun nur sehr langsam wieder aus der Krise herausfliegen.

Das Management von Condor hat einen Plan entwickelt, wie das Unternehmen trotz allem überleben kann. Für diesen braucht es staatliche Hilfen, einen langen Atem und, auf absehbare Zeit, die Rückkehr der Luftfahrt zu relativer Normalität.

Condor hatte nach dem Kollaps ihrer ehemaligen Muttergesellschaft Thomas Cook im Herbst 2019 einen Übergangskredit in Höhe von 380 Millionen Euro bekommen, für den die Bundesregierung und das Land Hessen bürgen. Condor hat das Geld bei Weitem nicht vollständig ausgegeben, allerdings ist er in wenigen Tagen zur Rückzahlung fällig.

Auch Condor fliegt wegen der weltweiten Flugrestriktionen derzeit nur ein minimales Programm und hat nur sehr geringe Einnahmen. Der Großteil der Flotte steht am Boden. Die aktuellen Pläne sehen nun nach Informationen aus Branchenkreisen vor, dass der Übergangskredit durch ein neues, größeres Darlehen abgelöst wird, das die Airline auch für die nächste Zeit absichert, bis das Geschäft sich wieder durch Umsätze von selbst trägt.

Das Unternehmen könnte unter dem Dach des Lufthansa-Konzerns landen

Doch das knappe Geld ist nicht das einzige Problem. Condor durchläuft derzeit ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. Will die Fluggesellschaft es wie geplant im April verlassen, braucht sie zumindest einen Treuhänder, der zeitweise an die Stelle eines Investors tritt. Condor könnte dann Zeit gewinnen, bis sie in stabilerer Lage, vermutlich frühestens im Jahr 2021, sich erneut auf die Suche nach einem neuen Eigentümer macht.

Die Bundesregierung wird in dem Prozess eine entscheidende Rolle spielen, wenn sie eine erneute Brückenfinanzierung gewährt. In Branchenkreisen gilt es schon heute als eine denkbare Variante, dass Condor unter dem Dach des Lufthansa-Konzerns landet. Die Lufthansa will nun auch Staatshilfen beantragen, so dass die Bundesregierung auch bei der größten deutschen Airline womöglich künftig gewisse Mitspracherechte hat. Condor hat über Jahrzehnte zum Konzern gehört, war dann aber als Teil von Thomas Cook verkauft worden. Zuletzt hatte Lufthansa 2019 wieder Interesse an der Fluglinie gehabt, die bei ihr vor allem touristische Langstrecken bedienen könnte.

© SZ vom 14.04.2020/ick
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