bedeckt München 17°

Logistik:Wie die Post "grün" werden will

DHL baut Luftfrachtdrehkreuz Leipzig aus

Die größte Herausforderung in Bezug auf den Klimaschutz besteht für die Post darin, die vielen Fracht- und Expressflugzeuge umzurüsten.

(Foto: Jan Woitas/picture alliance / dpa)

Der DHL-Konzern will Milliarden investieren, um Briefe, Pakete und Fracht klimaschonender zu transportieren. Doch der Weg zur CO₂-freien Post ist noch weit.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Was die Farbe von Briefkästen und Postautos betrifft, ist die Welt wie dreigeteilt: In Großbritannien und vielen Commonwealth-Staaten kommt die Post in Rot daher. Blau erstrahlt die Welt der Briefe unter anderem in Russland und den USA. In Deutschland und etlichen anderen Staaten rollt die Post indes in gelben Wagen durchs Land. Doch wenn es nach Frank Appel geht, tritt bald noch eine weitere Farbe auf den Plan, zumindest im übertragenen Sinn. "Wir machen aus unserem gelben Konzern ein grünes Unternehmen", tönt der Chef der Deutschen Post.

Tatsächlich will der Konzern bis 2030 sieben Milliarden Euro investieren, um Briefe, Pakete und Fracht klimaschonender zu transportieren. Er setzt dabei auf vier Wachstumsfelder.

Zum einen will die Post bis 2030 wenigstens 60 Prozent ihrer Zustellautos auf der sogenannten letzten Meile zu den Empfängern auf Batterieantriebe umstellen. Bislang betreibt die Post gut 15 000 Elektrotransporter ihrer Tochterfirma Streetscooter. Doch dieser droht nach hohen Verlusten das Aus; der Konzern ist sich bislang mit keinem Käufer einig geworden. Immerhin habe die Post mit dem Streetscooter ein Signal an die Autoindustrie gesendet, behauptet Appel. Ihm sei jedenfalls nicht bange, in den kommenden Jahren Zehntausende E-Transporter anderer Produzenten kaufen zu können. "Wir reden schon mit verschiedenen Herstellern darüber", so der Vorstandschef.

Zum anderen will der Konzern bis 2030 mindestens 30 Prozent seiner Langstrecken-Lkw für Briefe, Pakete und Fracht auf nachhaltige Antriebe umstellen. Als Energieträger sieht Appel hier eher alternative Kraftstoffe und Wasserstoff, der mit Ökostrom gewonnen werden kann. Zudem will die Post mehr und mehr Depots klimaschonend betreiben und mit erneuerbarer Energie.

Treibhausgas-Emissionen sollen sinken, obwohl die Zahl der Paketsendungen steigt

Die größte Herausforderung besteht freilich darin, die vielen Fracht- und Expressflugzeuge umzurüsten, die der Konzern teilweise selbst betreibt, teilweise im Auftrag um die Erde fliegen lässt. Auch hier will die Post bis 2030 wenigstens 30 Prozent der Flugtreibstoffe auf synthetischen oder biobasierten Sprit umstellen, der beispielsweise aus Pflanzenresten hergestellt wird. "Natürlich wird der teurer sein als klassischer Treibstoff", sagt Appel. Er sei aber überzeugt, dass dieser Markt in den kommenden Jahren erhebliche Fortschritte machen dürfte.

Insgesamt hat der Konzern im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben weltweit etwa 33 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen verursacht, wenn man auch die CO₂-Bilanz der eingekauften Energie und der Treibstoffe berücksichtigt. Diesen Wert will die Post bis 2030 auf 29 Millionen Tonnen senken - und das, obwohl sie davon ausgeht, dass die Zahl ihrer Paket- und Expresssendungen in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte.

Gleichzeitig hält der DHL-Konzern an seinem - bereits früher genannten - Ziel fest, bis 2050 ein CO₂-freies Unternehmen zu werden. Eine frühere Jahreszahl zu nennen, sei derzeit "nicht seriös", so Post-Chef Appel. Gerade bei Flugzeugantrieben spreche man schließlich von Investitionen, die auf viele Jahre hin angelegt seien. Bis sich die Weltkarte der Postlogistik also wirklich neu einfärben wird, ist es noch ein weiter Weg.

© SZ/vit
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema