bedeckt München 15°

Ladenöffnungen:Die Kauflaune bleibt gedämpft

Coronavirus - Köln

Zahlreiche Menschen gehen über die Einkaufsstraße Schildergasse.

(Foto: dpa)

Seit einer Woche sind viele Geschäfte wieder geöffnet. Doch die Kunden halten sich noch zurück. Wenn das so weitergeht, wird es schwer für Händler.

Von Stefan Mayr und Benedikt Müller

Die neue Normalität kommt mit vielen Warnschildern daher. "Maximal 15 Personen", steht am Eingang der Boutique. "Abstand halten!" Es ist ein sonniger Donnerstag in Köln, Feierabendzeit. Auf der Schildergasse, ansonsten eine der meistbesuchten Fußgängerzonen des Landes, dürfen kleinere Läden seit ein paar Tagen wieder öffnen. Doch viele beschränken sich: werktags nur bis 17 Uhr. Ein Dutzend Kunden steht noch vor dem Sportschuhladen Schlange, ein Mitarbeiter bittet sie einzeln herein. Indes laufen zwei Jogger mitten durch die Einkaufsstraße - das sieht man hier sonst nur sonntags.

In vielen Bundesländern geht die Woche zu Ende, in der die Politik die Auflagen zur Eindämmung der Corona-Epidemie gelockert hat. Doch einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) zufolge liefen die Geschäfte in den Läden, die keine Lebensmittel verkaufen, schwach an. "Die Erlöse bleiben weit hinter den Vorjahreswerten zurück", sagt Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Durchschnittlich werden nur 40 Prozent des normalen Geschäftsvolumens erreicht." Händler verweisen auf die schlechte Konsumstimmung; auch der Ifo-Geschäftsklimaindex steht auf Rekordtief. "Die Umsatzverluste werden vielfach nicht aufzuholen sein", befürchtet Genth.

Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) haben sich die Innenstädte unter der Woche unterschiedlich stark gefüllt. Demnach waren in München gerade einmal 13 Prozent der sonst üblichen Zahl an Fußgängern im Zentrum unterwegs. Klar, in Bayern werden die meisten Auflagen ja auch erst in der kommenden Woche gelockert.

Aber auch bei den Spitzenreitern Mannheim und Hannover waren es nur etwas über 50 Prozent der sonst üblichen Fußgänger. Das Abstandsgebot, die Furcht, sich anzustecken - Kauflaune kommt da offenbar kaum auf. 50 Prozent, ist das die Zukunft der Innenstädte, zumindest für die kommenden Monate?

Statt einzukaufen, entdecken gerade viele Menschen die Parks und Grünflächen wieder. Diese werden dem Deutschen Städtetag zufolge viel intensiver genutzt. "Wir müssen alle gemeinsam weiter darauf achten, die Corona-Infektionen in Grenzen zu halten", sagt Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. "Weil wieder mehr Menschen in den Städten unterwegs sind, müssen Ordnungsbehörden und Polizei nun auch wieder verstärkt kontrollieren." Schon schickten viele Städte dem Ordnungsdienst Verstärkung, die Kollegen aus der Verwaltung sollen bei den Kontrollen aushelfen.

Wer die wiedereröffneten Geschäfte betritt, der tut das eher, um das Nötigste zu erledigen, nicht zum Bummeln. Davon erzählt etwa der Schuhhändler Deichmann. Die meisten seiner Filialen sind kleiner als 800 Quadratmeter und daher wieder offen. Kinderschuhe verkaufen sich dieser Tage besonders gut; beim Nachwuchs drückte offenbar nach wochenlanger Schließung mancher Schuh. Mit dem Geschäft dieser Woche sei man ganz zufrieden, sagt ein Sprecher. "Aber wir werden den durch den Shutdown verlorenen Umsatz nicht wieder hereinholen können."

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Die Grenze von 800 Quadratmetern gilt indes nicht für Autohäuser, darauf hatten sich Bund und Länder geeinigt. In der "Schwabengarage" in Stuttgart ist Geschäftsführer Michael Ziegler froh, dass er am Montag wieder öffnen durfte. Stark seien die Umsätze aber noch nicht. "Es war jetzt nicht so, dass das Geschäft gleich am ersten Tag explodiert ist", sagt der 65-Jährige. "Inzwischen hat sich der Markt spürbar belebt, aber wir sind noch lange nicht auf dem Niveau von vor der Krise." Ziegler ist auch Präsident des Kfz-Gewerbes in Baden-Württemberg. Er schätzt, dass die Händler im April "60 bis 70 Prozent weniger Umsatz" erwirtschaften werden. Das gefährde die Existenz vieler Autohäuser.

Selbst die oft vermuteten Gewinner dieser Krise sind nicht so recht froh. Bau- und Gartenmärkte blieben vielerorts geöffnet, nur in Bayern und Sachsen durften sie erst diese Woche wieder aufsperren. Bei Hornbach registrierten sie daraufhin zwar großen Andrang, vor allem am Montag. Und dennoch: Ausgerechnet in den wichtigsten Gärtnermonaten büße man an Umsatz ein. Unter den neuen Regeln dürfen immer nur 150 Kunden gleichzeitig in die Märkte, bis zu 45 Minuten mussten Kunden deswegen schon anstehen. Wie in anderen Branchen auch bestellen viele Kunden daher lieber im Onlineshop.

In Nordrhein-Westfalen dürfen anders als im Rest des Landes auch große Möbelhäuser wieder öffnen. Einige vergeben nummerierte Zutrittskarten, das Ordnungsamt kontrolliert vor manchem Eingang, ob die Menschen Abstand halten.

In einer großen Ikea-Filiale wie der im Kölner Norden dürfen sich vorerst nur 640 Kunden gleichzeitig aufhalten. An diese Grenze sei man am Mittwoch, dem Tag der Wiedereröffnung, nie gestoßen, heißt es von dem Unternehmen. In normalen Zeiten drängeln sich hier an Spitzentagen wie dem Samstag bis zu 10 000 Besucher.

© SZ vom 25.04.2020/mxh
Coronavirus · Dresden

SZ PlusMaskenpflicht
:Run auf die Masken

Ab kommenden Montag ist sie Pflicht: die Maske. Doch was ist eigentlich ein angemessener Preis dafür? Über einen neuen Markt, den kaum einer durchblickt - und an dem sich manche bereichern.

Von Valentin Dornis, Elisabeth Dostert, Christina Kunkel, Stefan Mayr und Meike Schreiber

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite