Kryptowährung:Amazon-Gerüchte treiben Bitcoin-Kurs

Bitcoin - Illustrations of Cryptocurrency

Noch vor Tagen fiel der Bitcoinkurs ins Bodenlose, nun beflügelt ein Gerücht den Kurs.

(Foto: Edward Smith/Getty Images)

Eine Stellenausschreibung befördert die Fantasie der Anleger. Es dürfte aber noch etwas anderes hinter dem Höhenflug stecken.

Von Victor Gojdka, Frankfurt

Wer am Finanzplatz Frankfurt mit der Digitalwährung Bitcoin zahlen möchte, der landet schnell in der Focacceria von Ranieri Sciarra. Handy zücken, mit Bitcoin zahlen, schnell ist alles erledigt. Sciarra ist damit allerdings selbst in der Finanzstadt Vorreiter, denn außer ihm akzeptiert kaum ein Geschäft die Digitaldevise. Ein Fitnessstudio, ein Druckgeschäft, ein Fotostudio. Viel mehr geht nicht.

Nun allerdings könnte ein Handelsgigant die einstige Anarcho-Devise Bitcoin salonfähig machen: Ausgerechnet Amazon, so spekulieren manche Finanzexperten, könnte in das Geschäft mit Digitalwährungen einsteigen. Ob der Digitalgigant bald Bitcoin akzeptiert? Ob Amazon sogar eine ganz eigene Digitalwährung schafft? Offiziell ist noch nichts, aber gemunkelt wird bereits. Denn Fachdienste haben bereits kürzlich darauf hingewiesen, dass der Konzern per Stellenanzeige einen Digitalwährungsstrategen sucht.

Diese Gerüchte haben den Bitcoinkurs am Montag in die Höhe katapultiert: In der Spitze schoss die Digitaldevise um elf Prozent nach oben und legte bis auf 39 748 Dollar zu. "Das Brodeln der Gerüchteküche um den möglichen Einstieg Amazons in die Branche ist Wasser auf die Mühlen der Anleger", sagt Kryptoexperte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Um auch die 40 000-Dollar-Marke zu knacken, reichte die Euphorie der Anleger jedoch nicht. Denn in Wirklichkeit war wohl vor allem ausgeprägter Pessimismus für den Kursanstieg verantwortlich.

Allein am Montag beendeten Händler Wetten auf fallende Bitcoin-Kurse in Höhe von rund 970 Millionen Dollar

Zuvor hatten Anleger schließlich massiv auf fallende Kurse bei der Digitaldevise gewettet. Doch je höher der Kurs steigt, desto teurer werden diese Wetten für viele Marktteilnehmer. Die feine Ironie dabei: Um ihre Kollaps-Spekulationen zu stornieren, müssen auch die eigentlich pessimistischen Anleger Bitcoin kaufen. Allein am Montag beendeten Händler Wetten auf fallende Bitcoin-Kurse in Höhe von rund 970 Millionen Dollar, so zeigen es Daten der Analyseplattform Bybt. "Anders lässt sich der Kurssprung in dieser Art und Weise nicht erklären", sagt Marktexperte Timo Emden.

Ob Amazon tatsächlich Bitcoin akzeptieren wird, muss sich zeigen. Klar ist jedoch, dass der Techkonzern bereits seit Jahren Finanzambitionen hegt. So können US-Kunden des Dienstes Amazon Cash in Geschäften Bargeld einzahlen und ihrem Amazon-Konto gutschreiben lassen. Über den Dienst Amazon Lending können Händler auf der Plattform über die ING Bank einen Kredit bekommen. Und immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Gerüchte, Amazon könnte mit der US-Bank JP Morgan ein eigenes Konto anbieten.

Oder legt der Konzern am Ende gar ein eigenes Digitalgeld auf? Internetseiten wie amazoncoin.com leiten Nutzer bereits weiter - auf die Startseite von Amazon.

© SZ vom 27.07.2021
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