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Bezos vs. Trump:Der reichste gegen den vielleicht eitelsten Mann der Welt

Technology CEOs meet at the White House

Bezos und Trump mögen sich nicht - regelmäßig verballhornt Trump Bezos im Kurzmitteilungsdienst Twitter als "Bozo" - als "Trottel".

(Foto: Nicholas Kamm/AFP)
  • Seit längerem bekriegen sich Amazon-Chef Bezos und US-Präsident Trump.
  • Jetzt will Bezos Trump dazu zwingen, vor Gericht und unter Eid zu einem Staatsauftrag im Wert von zehn Milliarden Dollar auszusagen.
  • Amazon hatte als haushoher Favorit gegolten, doch dann landete der Auftrag überraschend beim Rivalen Microsoft.

Feige, das muss man ihm lassen, ist Jeff Bezos nicht. Vermutlich gibt es auch keinen Grund dazu, wenn man 130 Milliarden Dollar im Kreuz hat, und doch: Der Chef des Handelsriesen Amazon sollte sich auf ein paar kräftige Schläge unter die Gürtellinie gefasst machen, denn der Gegner, den er für seine jüngste juristische Auseinandersetzung gewählt hat, kann nach überstandenem Amtsenthebungsverfahren derzeit vor Kraft kaum laufen - Donald Trump. Der reichste gegen den vielleicht eitelsten Mann der Welt also, der mächtigste Konzern- gegen den mächtigsten Regierungschef. Der Kampf wogt schon seit Langem, nun steuert er auf den Höhepunkt zu.

Bezos nämlich will den US-Präsidenten dazu zwingen, vor Gericht und unter Eid zu einem Staatsauftrag im Wert von zehn Milliarden Dollar auszusagen, für den Amazon als haushoher Favorit gegolten hatte, der aber überraschend beim Rivalen Microsoft landete. Es geht um den Aufbau einer riesigen, ultrasicheren Daten-Cloud, kurz Jedi genannt, über die irgendwann alle Bereiche des US-Militärs miteinander vernetzt sein sollen. Im November klagte Amazon gegen das Verteidigungsressort: Microsoft habe den Zuschlag nur erhalten, weil Trump Druck gemacht habe, den Auftrag nicht an seinen "politischen Feind" Bezos zu vergeben. Damit jedoch habe die Regierung gegen die Vergaberegeln für öffentliche Aufträge verstoßen. In einer neuen Eingabe des Konzerns an das zuständige Bundesgericht in Washington heißt es nun, Trump müsse unter Eid aussagen, wem er während des Bieterprozesses welche Befehle erteilt habe. Auch Verteidigungsminister Mark Esper und Vorgänger Jim Mattis sollen gehört werden.

Bezos kostete die Recherchen des Enquirers die Ehe mit seiner Frau MacKenzie

Der US-Präsident mischt sich in ein Milliardenprojekt ein, weil ihm die Nase eines Konzernchefs nicht gefällt? Was früher schwer vorstellbar schien, würde unter Trump kaum noch jemanden wundern. Denn tatsächlich zelebriert der Präsident seine Feindschaft zu Bezos geradezu. Regelmäßig verballhornt er dessen Namen im Kurzmitteilungsdienst Twitter als "Bozo", als "Trottel" also, ebenso regelmäßig wirft er Amazon vor, die US-Post für den Billigversand von Paketen zu missbrauchen. Noch mehr aber erzürnt Trump die kritische politische Berichterstattung der Washington Post, die Bezos gehört, und die der Präsident deshalb nur "Amazon Washington Post" nennt. Bezos wiederum hatte einst gescherzt, er könne sich vorstellen, Trump mit einer Rakete seiner Raumfahrtfirma Blue Origin ins All zu schießen.

So richtig schmutzig jedoch wurde es, als die bekannt skrupellose New Yorker Boulevardzeitschrift National Enquirer Bezos vor einem Jahr darüber informierte, dass sie im Besitz schlüpfriger Fotos und Textnachrichten sei, die eine Affäre des Amazon-Chefs mit der TV-Moderatorin Lauren Sanchez belegten. Das Interessante - und Politische - dabei ist: Der Enquirer gehört zum Verlag American Media, dessen Chef David Pecker wiederum eng mit Trump befreundet ist. Während des Wahlkampfs 2016 etwa hatte Pecker für 150 000 Dollar die Rechte an der Geschichte eines Ex-Playmates kaufen lassen, das eine Affäre mit Trump gehabt haben will. Statt, wie gewöhnlich, den Seitensprung auszuschlachten, was dem Präsidentschaftskandidaten womöglich geschadet hätte, ließ sich der Enquirer von Trumps Anwalt dafür entlohnen, dass er die Geschichte begrub. Stattdessen publizierte die Zeitschrift einen Artikel, in dem sie behauptete, Trumps Gegnerin Hillary Clinton habe aufgrund von Hirnkrebs den Verstand verloren.

Bezos kostete die Recherchen des Enquirers die Ehe mit seiner Frau MacKenzie, die ihn nach 26 Jahren verließ - 35-Milliarden-Dollar-Auszahlung inklusive. Trump dürfte gefeixt haben, denn wie kann man einem Mann schaden, der sich dank seines riesigen Vermögens vor allen Angriffen schützen kann? Indem man ihm persönliche Niederlagen zufügt - und indem man statt seiner Amazon attackiert. Genau das könnte im Fall des Jedi-Projekts passiert sein, wie ein Buch des früheren Pentagon-Sprechers Guy Snodgrass nahelegt. Der Präsident, so schreibt Snodgrass, habe im Sommer 2018 mit Minister Mattis telefoniert und dabei angeordnet: "Screw Amazon". Das lässt sich mit "Scheiß auf Amazon" übersetzen - oder mit: "Bescheiß Amazon!"

© SZ vom 12.02.2020/hgn
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