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Bangen um Griechenland:Anleger fliehen aus Aktien

Plötzlich helle Aufregung: Der deutsche Aktienmarkt hat am Montagnachmittag drastisch an Wert verloren. Auch an den Börsen in Spanien, Griechenland und Italien gab es hohe Verluste. Der Euro sackt auf ein Zwei-Jahres-Tief. Viele Anleger gehen wohl davon aus, dass die reguläre Pleite Griechenlands unaufhaltsam ist.

Lange sah es an diesem Montag so aus, als würden die Anleger in Deutschland die Berichte über einen möglichen nahenden Bankrott Griechenlands einigermaßen wegstecken. Doch gegen 14:30 Uhr war es vorbei damit. Der Dax rauschte in die Tiefe: minus 3,3 Prozent.

Noch schlimmer sah es freilich an der Börse in Athen aus: Dort gab der Leitindex mehr als sieben Prozent ab. In Spanien verlor die Börse knapp drei Prozent, in Rom fast vier Prozent. Auch der Dow-Jones-Index in New York ging in den ersten MInuten nach Handelstart um 1,7 Prozent zurück. Der Euro rutschte erstmals seit zwei Jahren wieder unter die Marke von 1,21 Dollar. "Die Schuldenkrise hat sich mit voller Wucht zurückgemeldet", fasste ein Händler zusammen. "Vor allem die Diskussion um weitere Finanzhilfen für Griechenland ist heute in aller Munde", sagte ein anderer.

Neuer Kurs bei der EZB

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist offensichtlich nicht bereit, Griechenland nochmals Finanzhilfen zu gewähren. Da Athen aber wohl weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro benötige, werde ein Bankrott des südeuropäischen Landes immer wahrscheinlicher, hieß es in Medienberichten.

Ab Mittwoch will die EZB griechische Staatsanleihen bei Refinanzierungsgeschäften nicht mehr als Sicherheit annehmen. Zuvor wird am Dienstag die Troika aus EZB, IWF und EU in Athen zur Prüfung der bisherigen Sparanstrengungen erwartet.

Die Nervösität spiegelt sich auch am Anleihenmarkt. Der Kurs zehnjähriger spanischer Staatsanleihen brach ein, was die Rendite auf 7,59 Prozent trieb - dem höchsten Niveau seit der Einführung des Euro 1999. Auch italienische Anleihen gerieten unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Papiere kletterte auf 6,4 Prozent und lag damit so hoch wie zuletzt im Januar. Im Gegenzug fielen die Renditen der vergleichbaren deutschen Bundesanleihe auf ein Rekordtief von 1,13 Prozent.

Am Aktienmarkt bekamen europaweit vor allem die Bankenwerte die Angst der Anleger vor einer Eskalation der Schuldenkrise zu spüren. Die Aktien der italienischen UniCredit und der Intesa Sanpaolo brachen um fünf beziehungsweise acht Prozent ein. Die Verluste der spanischen Banken waren kaum geringer: Die Aktien von Santander und BBVA verloren knapp drei beziehungsweise fast vier Prozent.

In Deutschland drohen die Titel der Commerzbank schon bald zu Penny-Stocks zu werden: Sie sackten um knapp sieben Prozent auf 1,13 Euro ab. Deutsche Bank und Allianz brachen um jeweils mehr als fünf Prozent ein.

© Süddeutsche.de/hgn/olkl
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