Zugausfälle und Verspätungen Gibt es noch andere Gründe für den Streik?

Bei der sonst viel streikbereiteren Konkurrenzgewerkschaft GDL, die ebenfalls in Tarifverhandlungen steckt, fragt man sich indessen, ob es neben dem Tarifstreit andere Gründe für einen Machtkampf mit der Bahn gibt. Er glaube, die EVG wolle auch mal zeigen, dass sie streiken könne, witzelte GDL-Chef Claus Weselsky am Sonntag. Ihr Ausstand treffe jedoch ein Unternehmen, das angesichts des Sparkurses schon geschwächt sei. "Da muss man als Gewerkschaft auch ein bisschen Rücksicht nehmen."

In einem aktuellen Schreiben der GDL an führende Mitglieder heißt es, es "dürfte im Moment auch kein in den Tarifverhandlungen liegender Grund für einen Streik gegeben sein."

"Womöglich sind es also andere Gründe, die maßgeblich sind", schreibt Thomas Gelling, Geschäftsführer der GDL-Tarifabteilung, an einen großen Bahn-Verteiler. Das Schreiben liegt der SZ vor. So fordert die EVG derzeit einen Umbau des Konzerns. Geschäftsfelder des Fern- und Nahverkehrs kooperierten nicht genug, klagte EVG-Chef Alexander Kirchner, der auch Vizechef des Aufsichtsrats ist, intern. Es müssten neue Strukturen her, der Konzernvorstand müsse sich neu aufstellen. Ein Streik könne die Verhandlungsposition verbessern, meint ein Beobachter.

Zur Eskalation des Streits dürfte auch ein seit Längerem schwelender Streit zwischen Management und Mitarbeitern beigetragen haben. In einem internen Brandbrief hatte Konzernchef Richard Lutz im September den schlechten Zustand des Konzerns bei den eigenen Mitarbeitern beklagt. Der Konzernbetriebsrat sprach daraufhin von einer "Bankrotterklärung" des Managements.

Neue Kritik an der Bahn kam am Wochenende auch von den Grünen. Zum Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn üben sie scharfe Kritik am Ticketsystem und den Unternehmensstrukturen. "Das Ticketsystem versteht kaum ein Fahrgast", erklärte Fraktionschef Anton Hofreiter am Samstag. Zudem würden Steuergelder von ineffizienten Strukturen verschlungen.

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