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Aldi im Ausland:Von Essen-Schonnebeck in die Bronx

German Discount Grocery Chain Aldi Makes Major Inroads In U.S.

Etwa 1300 Filialen hat Aldi in den USA. Der Umsatz geht in die Milliarden.

(Foto: Alex Wong/AFP)

Als Edel-Discounter in der Schweiz, mit nachgeahmten US-Marken oder als günstige Einkaufsalternative der britischen Mittelschicht: drei Beispiele für Aldis Sprung ins Ausland.

Hinter Dutzenden Barber-Shops, Billig-Telefonie-Läden und Autowerkstätten ganz im Osten von Harlem taucht plötzlich ein vertrautes Schild auf: ein blau-rot-oranges Rechteck, vier große Buchstaben: ALDI. Es riecht sogar vertraut, dieser eigentümliche Geruch aus Pappkartons, Tiefkühlfächern und Plastiktüten, nicht mehr ganz frischem Gemüse und nicht ganz frisch gewaschenen Körpern. Der Aldi-Geruch eben. Die deutsche Kette hat in New York inzwischen drei Supermärkte: in Brooklyn, in der Bronx und in Harlem.

Mütter mit vielen Kindern kaufen hier ein, alte Frauen, die ihre Einkaufswagen kaum noch schieben können, und Männer mit fleckigen T-Shirts. Man sieht, dass es New Yorker sind, die ihr Geld zusammenhalten müssen. "Ich glaube, die Qualität ist gut. Und es ist sehr billig im Vergleich zu den normalen Preisen, darum komme ich her", sagt beispielsweise William Conception aus der Bronx. Er hat heute nur eine Zahnbürste und Schokolade gekauft, er war gerade in der Gegend. "Die Preise sind doch eine Strategie von denen, die wollen, dass man ganz viel kauft, weil es so billig ist."

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Bisher geht die Strategie von Aldi in den USA auf. Die Kette hat inzwischen rund 1300 Filialen in 32 Bundesstaaten, vor allem im Osten des Landes zwischen Kansas und der Küste. Pro Monat kaufen 25 000 Kunden ein. Im Dezember hat das Unternehmen verkündet, in den kommenden fünf Jahren noch 650 weitere Läden zu eröffnen. Das ist noch immer winzig im Vergleich zu amerikanischen Handelsriesen wie Walmart oder Costco, aber die Zahl der Aldi-Fans steigt. Gerade ist Aldi in einer Umfrage des Branchendiensts Market Force zur Nummer drei der beliebtesten Supermarktketten gewählt worden. Nummer eins war mit Abstand Trader Joe's - also im Prinzip auch Aldi.

Was viele Menschen nicht wissen, besonders nicht hier, ist, dass sowohl Aldi als auch der etwas teurere und schickere Rivale Trader Joe's zur Familie Albrecht gehören. Trader Joe's verkauft wie Aldi vor allem Eigenmarken, setzt aber auch auf Delikatessen und Bio-Produkte. Die Waren sind außergewöhnlich verpackt, etwa die beliebten Minz-Pastillen mit Geschmacksrichtung "Grüner Tee" in einer bunten, altmodischen Blechdose. Die Verkäufer tragen Hawaii-Hemden. Inzwischen sind die Eigenmarken selbst zu Marken geworden - insbesondere bei Großstädtern. Es gibt mehr als 400 Trader-Joe's-Filialen in den USA.

Anders als bei Trader Joe's versuchen die Eigenmarken bei Aldi, wie bekannte amerikanische Marken auszusehen. Im üppig gefüllten Cornflakes-Regal gibt es beispielsweise die üblichen Sorten wie Crispy Oats und Raisin Bran. Man muss wirklich schon genau hinsehen, um zu merken, dass die Produkte nicht von General Mills, sondern der Eigenmarke Millville sind. Es gibt kaum deutsche Marken, aber eine gibt es dann doch: die Schokolade von Moser-Roth, die Storck für Aldi produziert - die schmeckt vertraut.