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Discounter:Die Aldisierung der Welt

German Discount Grocery Chain Aldi Makes Major Inroads In U.S.

Aldi-Filialen stehen mittlerweile auf der ganzen Welt. Hier ein Markt im US-Bundesstaat Virginia.

(Foto: AFP)

Globaler Krämer Aldi: Das Unternehmen hat den deutschen Heimatmarkt ausgereizt und wagt sich immer weiter in die Ferne. Das Discount-Prinzip wird exportiert - mit Erfolg.

Die knapp 100 Dienstwagen für die künftigen Verkaufsleiter waren bereits bestellt. Keine Protz-Fahrzeuge, sondern solide Mittelklasse-Gefährte, diesmal der Marke Audi. Mit ihnen sollten Aldi-Außendienstler vor ein paar Jahren einen weiteren Auslandsmarkt beackern: Kroatien. Doch dann blies der Billiganbieter den Vorstoß Knall auf Fall ab. Die Rechtssicherheit in dem Land sei Aldi nicht groß genug gewesen, hieß es in Marktkreisen.

Die Episode sagt eine Menge aus über die Situation, in der sich Aldi befindet: Der Heimatmarkt ist dem Discounter längst zu klein geworden. Hierzulande betreiben Aldi Nord und Aldi Süd zusammen etwa 4250 Märkte, damit ist das Feld weitgehend abgegrast. Allenfalls die Erweiterung von Filialen könnte noch zusätzlichen Umsatz bringen. Zudem steigt der Druck von Wettbewerbern wie Lidl, Netto oder Penny. Und es gibt weitere Konkurrenten in der Billig-Liga: Supermärkte wie Edeka und Rewe sowie SB-Warenhausketten wie Real und Kaufland bieten inzwischen mehrere hundert Artikel als Eigenmarken an, die nicht teurer sind als Aldi-Produkte.

So zieht es den Branchenprimus unter den Discountern immer weiter in die Ferne (Beispiele lesen Sie hier). Aber auch da sind für vorsichtige Kaufleute wie die Aldis gute Standorte inzwischen knapp. Der Billiganbieter ist bereits auf drei Kontinenten vertreten: in Europa, in den USA und Australien. Längst unterhält er jenseits der deutschen Grenzen mehr Geschäfte als diesseits. Und der globale Feldzug geht weiter. Er muss weitergehen. Nur so kann Aldi gute Lieferkonditionen von der Industrie einfordern. Und nur so lassen sich steigende Kosten für Personal und Energie abfedern. Immerhin: Die Kassen sind prall gefüllt. Aldi hat ausreichend Mittel, um die Discount-Idee immer weiter in die Welt zu tragen.

Schwieriger Start in der Wirtschaftswunderzeit

Dass die Krämersöhne Theo und Karl Albrecht mit ihrem Albrecht-Discount (Aldi) einmal den internationalen Handel revolutionieren würden, war lange Zeit nicht zu erkennen gewesen. 1962 hatten die Brüder im Ruhrgebiet ihren ersten Markt eröffnet: karg eingerichtet und mit einem kleinen Sortiment ohne Markenprodukte. Dafür waren die Preise niedrig.

Dieses Konzept kam im Wirtschaftswunderland nur zögerlich an. Die Bundesbürger begannen gerade, sich wieder etwas zu gönnen. Und billigen Produkten, zumal Marken, die niemand kannte, haftete der Ruf an, von minderer Qualität zu sein. Bis unabhängige Warentester nachwiesen, dass dies nicht zwingend so sein muss, war es noch ein weiter Weg. Und so machten viele Verbraucher anfangs einen großen Bogen um die Aldi-Läden. Aber dann sprach sich herum, dass viele No-name-Waren von Markenherstellern produziert wurden, und Aldi gelang es, das Image der Einkaufsstätte für arme Leute abzustreifen. Denn neben Dosenprodukten, Tütensuppen und Nudeln gab es dort plötzlich auch Lachs, Champagner und frisches Obst - das zog neue Käufer an.

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Billig, bitte!

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Aldi eröffnete immer mehr Märkte und profitierte dabei auch von einer politischen Entscheidung: Nach mehreren Revisionen der Baunutzungsverordnung durften neue Geschäfte in bestimmten Lagen nur noch höchstens 800 Quadratmeter groß sein. Zu wenig Fläche für einen Supermarkt mit seinen vielen tausend Artikeln, aber ausreichend Platz für einen Discounter mit seinem überschaubaren Sortiment von "Schnelldrehern", also Waren, die sich häufig verkaufen.

Bald gab es bundesweit mehr als 1000 Aldi-Märkte. Mitbewerber traten auf den Plan. Lidl, Plus, Penny, Netto und andere. Das hatte zur Folge, dass die Deutschen ein feines Gespür dafür entwickelten, wie teuer ein Pfund Butter oder ein Toastbrot sein darf. Heute laufen mehr als 40 Prozent des Geschäfts im deutschen Lebensmittelhandel über die Bänder der Discounter. Nirgendwo sonst auf der Welt haben Billiganbieter eine so starke Position. Den Takt gibt dabei stets der Pionier an: Aldi ist die Preisinstanz für den Nahrungsmittelhandel. Wenn Aldi Milch oder Fleisch billiger anbietet, müssen andere Discounter, aber auch Supermärkte reagieren.