Aktienhandel:Das Smartphone wird zur Bankfiliale

Banking mit Smartphone und Geldkarte

Anleger in Deutschland wickeln bereits jeden vierten Aktienkauf per Smartphone ab, so eine Studie der Consorsbank.

(Foto: Bonninstudio/imago/Westend61)

Die Studie einer Direktbank zeigt: Immer mehr Bundesbürger wickeln ihre Aktiengeschäfte über Apps ab.

Von Harald Freiberger

Die Bundesbürger nutzen ihr Smartphone immer öfter für Bankgeschäfte. Bei der Direktbank Consors ist die Zahl der Kunden, die Wertpapieraufträge überwiegend per App erteilten, im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Studie der Consorsbank, die der SZ vorliegt. Die Bank wertete dafür anonymisiert die 1,36 Millionen Wertpapierdepots ihrer Kunden aus.

15 Prozent der Kunden erteilten demnach 2020 Aufträge für den Kauf oder Verkauf von Aktien, Fonds oder ETFs ausschließlich über das Smartphone oder das Tablet, weitere zehn Prozent überwiegend, weitere 15 Prozent gelegentlich. Das entspricht einer Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2017. Computer oder Laptop werden entsprechend weniger genutzt.

Rund jede vierte Aktienorder wird bereits per App aufgegeben, bei Fonds und ETFs ist der Anteil etwas geringer. Je jünger die Kunden, desto eher greifen sie zum Smartphone. Bei den 18- bis 25-Jährigen ist das Verhältnis zwischen App und Browser (Computer und Laptop) bei Wertpapierorders nahezu schon ausgeglichen. Jüngere Kunden nutzen das Smartphone rund dreimal so häufig wie die ältere Generation. Die Studie bestätigt damit einen Trend, den das Marktforschungsunternehmen Ears and Eyes bereits 2020 festgestellt hat. Demnach nutzen zwei Drittel der 18- bis 49-Jährigen das Smartphone für Finanzdienstleistungen wie Überweisungen, Zahlungen oder Geldanlage.

Wie wichtig das Smartphone zunehmend für Bankgeschäfte wird, zeigt sich auch darin, dass sich neue, junge Unternehmen darauf spezialisieren. Bei Neobrokern wie Trade Republic lassen sich Wertpapier-Aufträge zum Beispiel nur noch per App aufgeben; über Computer oder Laptop sind sie gar nicht mehr erreichbar. Trade Republic, erst seit knapp zwei Jahren in Deutschland auf dem Markt, ist die erfolgreichste Neugründung im Broker-Bereich. Die Zahl der Kunden liegt geschätzt bei rund einer Million.

Smartphone-Kunden legen riskanter an

Consors stellte in der Studie auch fest, dass Kunden, die das Smartphone nutzen, bei ihren Aktiendeals riskanter unterwegs sind als solche, die per Computer ordern. Am häufigsten kauften zwar beide Gruppen 2020 die Aktien des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard, des Covid-Impfstoffentwicklers Biontech und des Wasserstoff-Unternehmens Nel. Auf den Plätzen dahinter waren bei Smartphone-Nutzern aber spekulative Werte wie der E-Autohersteller Tesla oder das Wasserstoff-Unternehmen Plug Power häufiger gefragt.

Anleger, die ihre Aufträge ausschließlich über Computer oder Laptop ausführen, neigen dagegen zu Aktien aus traditionelleren Branchen. "Die Ausrichtung geht sicherlich auch auf die Unterscheide in der Altersstruktur zurück", heißt es in der Studie. Der größere Anteil jüngerer Trader unter den App-Nutzern dürfte die Tendenz zur Technologie begünstigen.

Dass Smartphone-Nutzer mit ihren Geschäften erfolgreicher sind als Computer-Nutzer, dafür gibt es in der Studie allerdings keine Anzeichen. Wer seine Orders ausschließlich über die App abgab, kam 2020 in seinem Depot auf einen Wertzuwachs von sechs Prozent, bei reinen Computer-Nutzern waren es fünf Prozent. Am besten schnitten Kunden ab, die auf beides setzten: Der Wert ihres Depots stieg im vergangenen Jahr um elf Prozent.

© SZ
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