11. Januar 2017, 09:13 World Economic Forum Trump und Brexit bedrohen die Weltwirtschaft

Wenn Donald Trump am 20. Januar die Stufen des Kapitols in Washington hinaufsteigt, um seinen Eid als 45. Präsident der Vereinigten Staaten abzulegen, wird aus dem einstigen Wahlkampf-Phänomen ein ernstes Risiko. Und wenn Großbritannien wenige Monate später den Brexit offiziell in die Wege leitet, dann wird nicht nur die Abkehr der Briten von der Europäischen Union zementiert. Auch dieser Moment wird zum großen Risiko für die Weltwirtschaft.

Zu diesen Erkenntnissen kommt der "Global Risk Report 2017" des World Economic Forum (WEF), der am Mittwoch in London vorgestellt wird und über den das Handelsblatt berichtet. "Die bekanntesten Störfaktoren sind die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, und der Sieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl in den USA", heißt es in dem Papier. Das WEF hat für den Report weltweit etwa 750 Risikoexperten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft befragt.

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Nichts ist sicher - außer der Unsicherheit

Bislang können Analysten nur spekulieren, welche seiner radikalen Ankündigungen Donald Trump während seiner Präsidentschaft wahr machen wird. Die Aussichten auf Steuersenkungen für Unternehmen und Reiche sowie eine Deregulierung der Finanzwirtschaft haben an den Börsen erst einmal für Euphorie gesorgt. Experten gehen aber davon aus, dass diese durchaus labil ist. Sie warnen vor der Unberechenbarkeit des designierten US-Präsidenten.

Auch beim Thema Brexit gibt es viele Unwägbarkeiten. Noch ist weitgehend unklar, wie die Loslösung der Briten von der Europäischen Union überhaupt ablaufen soll. Bis Oktober 2018 will die EU die Brexit-Verhandlungen abgeschlossen haben. Bislang aber gibt es nicht einmal in der britischen Regierung eine gemeinsame Austrittsstrategie, hieß es erst kürzlich in einem vertraulichen Papier des Kabinetts, aus dem die BBC zitierte. Klar ist jedoch, dass Europa mit dem Vereinigten Königreich einen Netto-Beitragszahler verliert und es für EU-Bürger künftig deutlich schwieriger werden dürfte, zum arbeiten oder studieren nach Großbritannien zu gehen.

Klimaveränderungen bleiben große globale Bedrohung

Neben dem Brexit und Donald Trump sehen die WEF-Experten auch die "wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen" sowie die zunehmende "Polarisierung der Gesellschaften" als Gefahren für den sozialen Zusammenhalt und die politische Stabilität. Zu den größten globalen Bedrohungen zählen die Risikoexperten nach wie vor auch drohende Klimaveränderungen, deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen noch einmal signifikanter eingeschätzt wurden als zuvor.

Ausdrücklich weisen die WEF-Experten auf weit verbreitete Ängste in der Bevölkerung vor einem kulturellen Identitäts- und Kontrollverlust durch Migration, Globalisierung und den dadurch ausgelösten rapiden Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft hin. Allein mit zusätzlichem Wirtschaftswachstum könne man die populistische Wut auf das Establishment und die Risse in der Gesellschaft demnach vermutlich nicht mehr heilen. Was es benötige, sei eine grundlegende Reform des Marktkapitalismus.

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