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Obama und Trump:Zwei Holzhacker, die Amerika spalten

U.S.  President Obama meets with President-elect Trump in the White House Oval Office in Washington

Machen sich gegenseitig das Leben und das (künftig) Regieren schwer: Donald Trump und Barack Obama.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Obama und sein Nachfolger Trump treiben das Volk auseinander, anstatt es zu einen. Sie spielen ein Spiel mit dem jeweils anderen - der Verlierer ist ihr Land.

In dem Comic "Streit um Asterix" gibt es einen fiesen römischen Agenten namens Tullius Destructivus. Wo er auftaucht, sät er Zwietracht und Hass, was daran erkennbar ist, dass die anderen Figuren anfangen, mit grünen Sprechblasen zu reden. Das endet dann nicht selten in einer gewaltigen Prügelei.

In Washington, in ganz Amerika wird in diesen Tagen mit grünen Sprechblasen aufeinander eingeschrien. Die Wahl hat die Klüfte und Risse in der Gesellschaft offener denn je zutage treten lassen. Die Zeiten, in denen sich die Amerikaner nach einer Wahl in Eintracht hinter ihrem neuen Präsidenten sammelten, sind vorbei, wenn es sie denn je gab. Und die zähen Wochen der Transition, der Übergabe der Amtsgeschäfte, machen die Sache nicht besser.

Die beiden Präsidenten treiben die Amerikaner auseinander

Die USA werden derzeit praktisch von zwei Präsidenten regiert. Der eine ordnet vom Weißen Haus aus per Erlass sein politisches Erbe, der andere steckt vom Trump Tower aus per Twitter seine künftige Politik ab. Beide fabulieren davon, dass Amerika geeint sein müsse, dass die Bürger zusammenkommen und die Spaltung des Landes überwinden sollten. Doch in Wahrheit hämmern beide den Keil tiefer in die amerikanische Gesellschaft hinein.

Der scheidende Präsident Barack Obama tut, nüchtern betrachtet, derzeit zwei Dinge: Er begleicht offene Rechnungen, zum Beispiel indem er der israelischen Regierung zum Abschied noch kräftig ans Schienbein tritt; und er versucht, den politischen Handlungsspielraum seines Nachfolgers Donald Trump einzuengen, vor allem, was mögliche Kungeleien mit Russland angeht. Doch man könnte die Liste fortsetzen: Umwelt- und Klimaschutz, Guantanamo - überall bemüht sich Obama, Trump auf eine bestimmte Politik festzulegen.

Man kann diese Politik ja für richtig halten. Aber man kann nicht ernsthaft erwarten, dass Trump dieses Spiel mitspielt. Er hat im Wahlkampf eine andere Politik versprochen - und gewonnen. Obama verhält sich nicht so, als kümmere ihn das besonders. Das treibt Trump und dessen Anhänger nicht ganz zu Unrecht zur Weißglut.

Trump spricht von Einheit, meint aber offenbar das Gegenteil

Man muss das Mitleid mit dem künftigen Präsidenten aber auch nicht übertreiben. Dass ausgerechnet der Haudrauf Donald Trump sich über mangelnde politische Etikette beklagt, ist lachhaft. Dass er so bereitwillig in die Fallen tappt, die ihm der russische Agent Tullius Wladimirowitsch Putin stellt, um Zwist und Misstrauen in den USA zu säen, ist dumm und dazu gefährlich. Trump hat seit seinem Wahlsieg nicht eine einzige Entscheidung getroffen, die man als versöhnliches Signal an jene Hälfte der Amerikaner werten könnte, die ihn nicht gewählt hat. Statt ein kleines bisschen Großmut oder wenigstens etwas Ernsthaftigkeit zu zeigen, kommentiert er Arnold Schwarzeneggers Einschaltquoten und verhöhnt die Demokraten bei jeder Gelegenheit. Wie soll da Einigkeit entstehen?

Barack Obama und Donald Trump sind wie zwei Holzhacker. Das Scheit, in das sie abwechselnd ihre Äxte schlagen, ist Amerika. Irgendwann wird es zerbrechen.