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Kurz gesichtet:Stimmungskanonen

Gendergerecht, diskriminierungsfrei und vielfältig: das Deck von Spielköpfe.

(Foto: Hersteller)

Die Zeiten sind zäh, da muss man aktiv werden für etwas gute Laune: mit einer Playlist von Balenciaga, gendergerechten Spielkarten und einem Armband, dessen Erlös die Rettung der Meere unterstützt.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas und Silke Wichert

Schon im zwölften Jahrhundert sollen Spielkarten in Asien zum Einsatz gekommen sein, in Europa tauchten sie 1377 mit den noch heute bekannten Motiven auf. Der Kreuz-König sollte Alexander den Großen darstellen, die Karo-Dame hingegen Rachel, das biblische Ideal der Frömmigkeit. Nun darf alles neu werden - und zwar gendergerecht, diskriminierungsfrei und vielfältig. Die Firma Spielköpfe gestaltet seit Jahren bekannte Kartendecks zeitgemäß, so gibt es neben den Königen nun auch Königinnen. Eine davon ist mit Kopftuch zu sehen, die Pik-König*in ist hingegen non-binär. Die Damen dürfen auch kurze Haare tragen und kräftiger sein, die Buben müssen nicht dem klassischen Männerbild entsprechen und sind mitunter als People of Color dargestellt. Ein buntes Deck, das gute Laune macht (komplettes Deck 12 Euro, spielkoepfe.com).

Armband aus recycelten Kunststoffperlen gegen die Klimakrise.

(Foto: Hersteller)

Von der Pariser Elitehochschule über Ökosysteme in Asien bis zu Modeschmuck - die junge Umweltaktivistin Anne-Sophie Roux bringt Dinge zusammen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Doch es gibt einen gemeinsamen Nenner: den Schutz der Meere, den Wissenschaftler für mitentscheidend im Kampf gegen die Klimakrise halten. Dabei bekommt sie Unterstützung vom italienischen Luxushersteller DoDo und dem Mutterkonzern Kering. Dort ist man stolz auf das Engagement für Nachhaltigkeit, das Armband DoDo Tenaka aus meergrünen - und selbstverständlich recycelten - Kunststoff-Perlen ist nun das Ergebnis der Zusammenarbeit beim neuen Projekt der Französin. Roux und ihr Team forsten in Asien Mangrovenwälder auf, die ein Vielfaches mehr an Treibhausgasen speichern können als andere Bäume. Wer ein Armband kauft, kann sich mit einem Code auf der Webseite tenaka.org über den Fortgang der Aktion auf dem Laufenden halten. Zum Auftakt wurden 3000 Baby-Mangroven gepflanzt (dodo.it).

(Foto: Hersteller)

Joggen selbst ist als Sport ziemlich umweltfreundlich: Der CO2-Ausstoß ist vergleichsweise gering, es braucht kaum Hilfsmittel, keinen gepflegten 18-Loch-Parcours. Bleiben noch die Sportsachen. Nachhaltig produzierte Laufschuhe, etwa von Veja, gibt es natürlich längst, aber wie findet man die dazu passende Kleidung? Genau dafür wurde in Berlin gerade der Online-Shop The Good Run gegründet. Hier werden nur Artikel in die Auswahl genommen, die entweder ökologisch oder unter fairen Bedingungen hergestellt werden oder einen sozialen Beitrag leisten. Jeder Käufer kann die Produktauswahl nach seinen Präferenzen filtern, am besten treffen alle drei Kriterien zu. Aktuell sind dort Marken wie District Vision, 4254 oder Patagonia gelistet. Bei jedem Kauf geht zudem eine Spende an wohltätige Organisationen, die sich für benachteiligte Sportlerinnen und Sportler einsetzt (thegoodrun.eu).

Ein Modefilm ganz ohne Mode. Das hätte es vor der Pandemie womöglich nicht gegeben, aber aktuell ist Tiefgang eben wichtiger als Oberfläche und so präsentierte Balenciaga letzten Sonntag zur nächsten Winterkollektion ein Video nur mit Natur- und Tieraufnahmen. Parallel dazu gab es noch ein Lookbook mit den typischen Entwürfen von Designer Demna Gvasalia, aber die Tendenz, zur Abwechslung mal über das eigentliche Produkt hinaus zu denken, zeigt sich bei dem Label auch an anderer Stelle. Gerade veröffentlichte Gvasalia eine von Rammstein für das französische Label kuratierte Playlist auf Apple Music. Von Red Hot Chili Peppers bis - kein Witz - Héroes del Silencio. Bunt gemixter Balenciaga-Sound, in den man sich in gewisser Weise ja ebenfalls hüllen kann (music.apple.com).

Die Zutaten kommen aus dem Alpenraum, im Nachbarort wird mit Solarenergie produziert, und ein Großteil der Produkte werden per Hand in Glasflaschen abgefüllt. Wenig überraschend, schließlich spielt Nachhaltigkeit bei Susanne Kaufmann seit Gründung der Naturkosmetikmarke im Jahr 2003 eine Hauptrolle. Nun gibt es für drei der beliebtesten Produkte (Reinigungsgel/Duschshampoo/Seife) auch Nachfüllpackungen aus recyceltem und recycelbarem Material, selbst auf den Verschluss wurde verzichtet, um den Einsatz von Kunststoffen weiter zu reduzieren. Selbst der Sitz der Firma Alpla, dem Hersteller von innovativen Verpackungen, mit dem Kaufmann nun zusammenarbeitet, liegt im Nachbarort. Es bleibt: regional (Refill Duscheshampoo, 250 ml, 41 Euro, susannekaufmann.com).

© SZ
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