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Wiesn-Trends 2018:Freut euch, Puristen!

Wiesn Weniger Blingbling, mehr Tradition Bilder

Wiesn-Trends 2018

Weniger Blingbling, mehr Tradition

Nicht erschrecken: Die Wiesn wird diesmal eine eher besinnliche Zeit - modisch gesehen zumindest.

Simplify your Tracht: Auch in diesem Jahr kommt die Oktoberfest-Mode ohne Tüll und Glitzer aus. So bleibt auf Dirndl und Lederhose mehr Platz für feine Details. Was man wie trägt.

Die gute Nachricht vorweg: Das Wettrüsten ist vorbei. Blingbling-Kreationen aus Satin und Taft mit Miederschnürung, Spitzenschürzen und Blumenmustern aus den vergangenen Jahren sind wohl überstanden. Die Dirndlträgerin setzt auf edle Schlichtheit. Das ist alles andere als fad, der Reiz steckt im Detail - vor allem bei Mieder und Bluse. Auch die Herren können sich auf einen stilvollen Auftritt freuen: Nicht nur die Weste kommt heuer groß raus.

Das Dirndl

Das Dirndl ist zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt und hat unterwegs überflüssigen Ballast abgeworfen. "Tracht wird insgesamt feiner und dezenter, dafür kommt sie wertiger daher", sagt Gabriele Hammerschick von Lodenfrey in München. Und zwar in erdigen Farben, von Marineblau über Tannen- und Olivgrün bis hin zu Beerentönen. Bei den Pastelltönen ist Apricot ganz vorn. Insgesamt trägt man wieder mehr Baumwollstoffe und Leinen, verziert mit winzigen Printmotiven wie Punkte, Blüten, Herzchen.

Im Mittelpunkt steht heuer das Mieder, mitunter aus Samt mit Stickereien, oft aus Naturfasern. Dekorative Elemente wie Satinbänder, Spitzeneinsätze, Pailletten und sonstiger Firlefanz sind weitgehend verschwunden. Zum Ausgleich gibt es hübsche Innenfutter und hochwertige Details. Zusammengehalten wird das Mieder von geprägten Knöpfen aus Altsilber, mit Bäumchenstich angenähten Perlmuttknöpfen oder verborgenen Häkchen, immer seltener von einem Reißverschluss. Der Dirndlrock nimmt sich zurück, ist farblich einheitlich, mitunter fein bedruckt. Der Saum umspielt das Knie, kürzer wird's nicht, höchstens länger.

Dirndl von Gottseidank

Traditionelles Dirndl von Gottseidank mit Schlitz und Knopf statt Dekolleté.

(Foto: Irene Frey; Gottseidank)

Das Münchner Label Gottseidank hat es im vergangenen Jahr vorgemacht: Gerade bei jungen Frauen kamen die hochgeschlossenen Dirndl bestens an. Auch heuer zeigt sich das Dekolleté auf charmanteste Art zugeknöpft, mit V-Ausschnitt oder als Schlitz. Ebenfalls beliebt ist zwar der ausladende Schneewittchen-Kragen, der in liebevoller Handarbeit von Froschmäulchen, Herzborte oder feinen Rüschen umrahmt wird. Nackte Haut ist dennoch kaum zu sehen, zumindest nicht auf den ersten Blick - die Dirndlbluse macht den Unterschied.

Die Bluse

Absoluter Trend in diesem Jahr sind hochgeschlossene Blusen, die zum klassischen Miederdirndl getragen werden. Andere sind geöffnet, aber nicht ausgeschnitten, etwa mit Schlitz und Knopf. Baumwoll-Blusen sind durch Lochstickerei aufgewertet, Lochspitze oder Spitze bilden durch ihre Transparenz einen spannenden Kontrast zum reduzierten Dekolleté. Lodenfrey-Expertin Hammerschick findet das sehr charmant: "Dass erst auf den zweiten Blick etwas zu sehen ist, kommt vielen Frauen entgegen". Puffärmel sind passé, die Ärmel sind halblang und schmal, ein Rückeneinsatz aus Baumwolle bringt Komfort. Immer öfter sieht man auch hochgeschlossene oder dezent ausgeschnittene, vom Retro-Schick der 60er und 70er Jahre inspirierte Vintage-Dirndl mit Flügelärmchen, die ohne Bluse auskommen.

Der Rock

Für Andreas Kammermeier, Leiter des Einkaufs von Ludwig Beck, ist der Rock mit seinen Borten, Mustern und Farben "das Statement-Teil der Saison". Besonders farbenfrohe Modelle, etwa aus den Häusern Paltinger oder Hoschek, werden in Szene gesetzt statt übertrumpft: Zu so einem Rock genügt eine Trachtenbluse, natürlich in Weiß. Dazu ein Loden- oder Walkjäckchen - "tailliert, hinten Schößchen, vorne Knöpfe, mehr passiert da nicht", sagt Kammermeier. Schlichte Modelle, fein bedruckt, werden mit einem Mieder oder Janker ergänzt. "Zum Aufpimpen" empfiehlt Kammermeier Stretchgürtel mit einer Schließe aus filigranem Metall.

Die Schürze

Eine schöne Schürze passt sogar zum Trachtenrock, findet Nina Munz von Angermaier Trachten. Besonders schön dazu: Schmuckschließen und Schnallen aus Altsilber oder -messing, gefertigt nach alten Vorlagen. Das sind beinahe kleine Kunstwerke, schnörkellose Alternativen zur Schleife. Der Vorteil liegt für Munz auf der Hand: "Man muss nie nachbinden, das Schürzenband ist elastisch, lässt also auch für ein halbes Hendl Platz." Darüber hinaus erübrigt sich die Frage, welchen Status die Schleife anzeigen sollte (siehe Animation). Wer sich aber für eine Schleife entscheidet, sollte darauf achten, dass die Bänder glatt sind und die beiden Schlaufen waagrecht abstehen (wie zwei Mausohren).