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WM 2010: Dänemark - Kamerun:Hoher Unterhaltungswert

Nach einer 20-minütigen Leerlaufphase, in der besonders die Dänen ziemlich fahrig wirkten, zirkelte dann Dänemarks strohblonder Abwehrmann Simon Kjaer einen langen Ball in den Lauf von Rommedahl, der ziemlich zielstrebig die rechte Seite hinuntergespurtet war. Seine flache Hereingabe landete genau auf dem Fuß von Nicklas Bendtner, der per Stechschritt zum 1:1 eindrückte.

WM 2010 - Kamerun - Dänemark

Der Fußballgott schien an diesem Abend kein Kameruner zu sein. Hier verzweifelt Pierre Webo.

(Foto: dpa)

Sollte Le Guens Mannschaft nach der schnellen Versöhnung erneut auseinanderfallen? Als nur noch zwei Minuten in der ersten Halbzeit zu spielen waren, überschlugen sich die Ereignisse: Erst scheiterte Dänemarks pfeilschneller Außenflitzer Rommedahl alleine vor Kameruns Keeper Souleymano Hamidou, dann traf der aufgedrehte Eto'o im direkten Gegenzug freistehend den Pfosten des dänischen Gehäuses - und weil die Abwehr des Olsen-Teams wieder zu schlafen schien, schnappte sich Emana den ins Mittelfeld geklärten Ball und stieß einfach mitten durch die dänische Defensive hindurch - seinen unplatzierten Schlenzer hätte Dänen-Torwart Thomas Sörensen aber auch gehalten, wenn er zuvor vor Kälte erstarrt worden wäre.

Überragender Rommedahl

Das Spiel verlor auch nach Wiederanpfiff nichts von seinem Unterhaltungswert. Wer bisher ein munteres, chancenreiches Spiel bei dieser WM vermisst hatte, bekam hier Balsam für die frustrierte Schönspielerseele. Die Tatsache, dass schon ein Remis für beide Teams die Chancen auf das Achtelfinale arg minimieren würde, führte zu einem temporeichen Schlagabtausch. In der 47. Minute zischte ein Kopfball von Abwehrmann Mbia hauchdünn am dänischen Tor vorbei, dann präsentierte der eingewechselte Bremer Daniel Jensen im Strafraum gegen Kameruns Außenverteidiger Ekotto, dass er den Fußfeger von hinten vorzüglich beherrscht, der Elfmeterpfiff blieb aber aus.

Nächster Höhepunkt in der 61. Minute: Wieder wackelte der überragende Rommedahl über rechts mit geschickter Körpertäuschung an seinem Gegenspieler Makoun vorbei und drehte das Leder mit einem gefühlvollen Schlenzer um den kamerunischen Torhüter herum zum 2:1 für die Dänen ins Tor. An Versöhnung war bei den geschockten Kamerunern zu diesem Zeitpunkt kaum mehr zu denken, eher noch an Schadensbegrenzung. Dabei hatten sie bis dahin viel besser gespielt als beim uninspirierten Kick gegen Japan.

Besonders Emana schien sich seine Kritik selbst zu Herzen genommen zu haben und trieb sein Team immer wieder mit energischen Sprints an. Einer davon endete in der 71. Minute beim erneut gut reagierenden Sörensen, der gerade noch seine Hand gegen den Schuss des durchgebrochenen Kameruners auf den Boden brachte. Die Dänen waren von diesem Moment an nur noch darauf bedacht, das 2:1 über die Zeit zu bringen und stürzten sich in die wütenden Angriffe der Westafrikaner, als ginge es gegen einen Deichbruch an der Skagerrak-Küste. Vereinte Kräfte und das Unvermögen der Kameruner, ihre vielen Chancen in Zählbares umzumünzen, brachten die Dänen letztlich mit einem knappen Sieg ins Ziel. Aus den "unzähmbaren Löwen" sind nach nur zwei Spielen bei dieser WM ganz brave Kätzchen geworden - zumindest dürfte sich somit das Problem der Selbstzerfleischung erledigt haben.