Weltmeister-Empfang in Berlin Wir-Gefühl mit Würstchen und Helene

Zur Begrüßung waren dann alle beinahe "atemlos": Helene Fischer und die Nationalspieler.

(Foto: dpa)

Die DFB-Elf ist wieder da und alle wollen sie sehen: Fast eine halbe Million Menschen quetscht sich auf die Berliner Fanmeile, um die Nationalmannschaft zu begrüßen. Die Spieler machen das Spektakel mit - einige glänzen mit komödiantischem Talent.

Von Boris Herrmann, Berlin

Was ist Heimat? Heimat ist, wo die Bockwürste sind. Deshalb ist es ein feiner Zug, dass die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nach ihrem fünfwöchigen Brasilien-Ausflug erst einmal hinters Brandenburger Tor, an den Pariser Platz gekarrt werden, um einen Stehimbiss mit lokalen Wurstspezialitäten einzunehmen. Willkommen zu Hause! Nach einer kurzen Autogrammstunde mit dem Goldenen Buch der Stadt Berlin geht es dann aber raus in die Menge.

Rund 400 000 Menschen warten da. Als das Trainerteam um Joachim Löw um 13 Uhr die Bühne betritt, stehen die eingefleischtesten Deutschland-Fans bereits seit sieben Stunden am Absperrgatter vor dem Tor. Löw hat das erste Wort. "Wir sind alle Weltmeister", ruft er. Die Frage war eigentlich, ob er weitermacht. Beim DFB sind sie sich zwar schon "total sicher", dass der Bundestrainer seinen bis 2016 gültigen Vertrag erfüllen wird. Löw aber drückt sich auch in dieser historischen Stunde um eine klare Ansage herum. Das Volk jubelt trotzdem. Das Volk hätte aber auch gejubelt, wenn Löw gesagt hätte: "Wir sind alle Bockwürstchen."

Die Elf der WM-Hingucker

Über allen schwebt Andrea Pirlo

Vor der Landung dreht der Flieger erst noch eine Schleife über dem Tiergarten

Dann kommen endlich die Weltmeister, formvollendet sortiert nach Wohngemeinschaften aus dem Campo Bahia. Jede WG hat zur Abschluss-Fete vor den Sommerferien ein kleines Theaterstück einstudiert. Den Anfang macht Per Mertesacker mit seinen Zimmergenossen. Der Abwehrturm vom FC Arsenal schlurft als BFGR über den Laufsteg, als Big Fucking German Rapper. Thomas Müller bringt seinerseits eine knappe halbe Million Menschen dazu, sich auf Kommando hinzusetzen und Humba-Tätärä zu grölen. Irgendwo ist auch Philipp Lahm mit dem WM-Pokal.

Es hat ein bisschen was von Songcontest. Man spürt, dass der allseits beschworene Teamgeist tatsächlich existiert - über alle natürlichen Grenzen hinweg. Der Schalker Julian Draxler singt: "Großkreutz rück' den Döner raus!" Und der Dortmunder Kevin Großkreutz, zuletzt Angeklagter in einem Döner-Wurf-Prozess, tanzt dazu Solo-Walzer. Lukas Podolski ist sogar so mutig, mit einem Umhang anzurücken, der im ersten Moment wie die polnische Nationalflagge aussieht. Tatsächlich handelt es sich um die Fahne der Stadt Köln. Trotzdem mutig.

Um die Eingeborenen kümmert sich Jérôme Boateng, der hochseriös auf Kennedy macht: "Ich bin stolz, ein Berliner zu sein", verkündet der gebürtige Berliner mit Wohnsitz in München. Irgendwo zwischen prollig und peinlich gibt sich ausgerechnet jene WG, die von dem Erziehungsberechtigten Miroslav Klose, 36, angeführt wird. Gemeinsam mit den Kollegen Götze, Schürrle, Kroos, Weidenfeller und Mustafi kommt er im Affengang herangewatschelt und singt: "So gehen die Gauchos, die Gauchos die geh'n so!"

Fußball-WM Einfach goldig
DFB-Elf zurück in Deutschland

Einfach goldig

Der Weltmeister lässt sich in Berlin feiern: Joachim Löw und sein Team erreichen das Brandenburger Tor, Zehntausende Fußballfans jubeln und grölen. Mit viel Energie bedanken sich Schweinsteiger, Müller und Co. bei den Fans - es wird sogar kreativ.   Der SZ-Liveblog von Saskia Aleythe, Thorsten Denkler, Lena Jakat und Lisa Sonnabend

Klar, dass der Weltöffentlichkeit danach noch der aufrechte Gang vorführt wird. Man muss deshalb nicht gleich die Keule der Political Correctness schwingen, dieses Lied gehört in Fußball-Stadien zum Standard-Schmäh-Repertoire und wurde im Übrigen auch schon 2008 auf der Fanmeile aufgeführt ("So geht Ronaldooo"). Aber es ist zumindest interpretierbar - und das ist schade. Es passt jedenfalls nicht zu einer ansonsten angenehm selbstironischen Sause.

Sie hatte schon so herrlich unvollkommen begonnen, mit reichlich Verspätung nämlich. Am Flughafen von Rio de Janeiro ist tatsächlich ein Gepäckwagen gegen den Rumpf der deutschen Siegermaschine gedonnert. Wenn man nicht genau wüsste, dass die argentinischen Fußballer Ezequiel Garay und Javier Mascherano ein gutes Alibi haben, weil sie zu diesem Zeitpunkt schon längst zu Hause in Buenos Aires weilten, hätte man von einem letzten versteckten Foul aus den Reihen des Endspielgegners ausgehen müssen. Zwei Stunden stand die Maschine für Sicherheitsuntersuchungen auf dem Rollfeld herum. So zerkratzt wie der Schweinsteiger erreichte sie am Dienstagmorgen schließlich den deutschen Luftraum.