Deutsches Tennisteam in Australien:Pokalgewinn nach Mitternacht

Deutsches Tennisteam in Australien: Akkordarbeit: Laura Siegemund und Alexander Zverev verwandeln den letzten Punkt im Finale gegen Polens Mixed-Team Iga Swiatek und Hubert Hurkacz.

Akkordarbeit: Laura Siegemund und Alexander Zverev verwandeln den letzten Punkt im Finale gegen Polens Mixed-Team Iga Swiatek und Hubert Hurkacz.

(Foto: Mark Baker/AP)

Die Mannschaft um Alexander Zverev gewinnt den United Cup, ein Nationenturnier, in Sydney. Vor allem der Tennis-Olympiasieger leistet Akkordarbeit und präsentiert sich in blendender Form.

Von Barbara Klimke

Fassungslos starrte Hubert Hurkacz, Polens bester Tennisspieler, dem Ball hinterher, den Alexander Zverev gerade - peng! - mitten auf die Linie gedroschen hatte. Mit diesem Passierschlag wehrte Zverev im Männereinzel den ersten Matchball im Finale ab, den möglichen vorzeitigen Sieg des polnischen Teams. Auch den zweiten entschärfte er. "Über Sieg oder Niederlage", sagte er grinsend, "entscheiden manchmal Millimeter." Anschließend gewann Zverev an der Seite von Doppelspezialistin Laura Siegemund das Mixed gegen Iga Swiatek/Hubert Hurkacz 6:4, 5:7, 10:4. Und damit hatte das Team des Deutschen Tennis Bundes (DTB) überraschend die schwere Gold-und-Silber-Schüssel, den United Cup, gewonnen.

Es war aus mehreren Gründen ein unerwarteter Triumph. Nicht nur, weil die deutsche Equipe übermüdet war, sie hatte in der Nacht zuvor das Halbfinale gegen Australien um zwei Uhr beendet. Zverev fiel nach eigener Aussage erst um kurz vor sechs Uhr morgens in den Schlaf. Zudem machte Angelique Kerbers Rückkehr ins Turniertennis, das Rätseln über ihre Form nach ihrer Schwangerschaft und einer anderthalbjährigen Pause, die Mission in Sydney für die deutsche Reisegruppe von Kapitän Torben Beltz zu einer Expedition ins Ungewisse.

Zverev sei für sie der "Held der Woche", sagt Angelique Kerber

Die 35 Jahre Kerber hatte am Sonntag beim 3:6, 0:6 gegen die Weltranglistenerste Iga Swiatek einen 0:1-Rückstand nicht verhindert. Aber im Laufe der Woche wurde in ihren fünf Solo-Matches - bei einem Sieg gegen die Australierin Ajla Tomljanovic und vier zum Teil relativ engen Niederlagen - deutlich, dass sie in der Weltelite mithält. "Es fühlt sich großartig an, wieder auf dem Platz zu stehen", sagte sie - und räumte nach dem Finale gut gelaunt ein: Alexander Zverev sei für sie "der Held der Woche".

Tatsächlich präsentierte sich der Olympiasieger in blendender Form zu Beginn des Jahres kurz vor den Australian Open: Von seinen fünf Matches im Einzel gewann er vier, nur Alex de Minaur musste er sich im Halbfinale (7:5, 3:6, 4:6) beugen. Australiens neuer Top-Ten-Spieler hatte, getragen vom begeisterten Publikum, zuvor sogar den Rekord-Grand-Slamsieger Novak Djokovic geschlagen.

Zverev leistete Akkordarbeit bei dem Nationenturnier, er stand in den Partien gegen Italien, Frankreich, Griechenland, Australien und Polen in allen Einzeln und in jedem Mixed-Doppel auf dem Platz. Der Zeitplan war eine Herausforderung für sich: "Es ist hier fast anstrengender als bei einem Grand Slam", fand er - auch weil es keine freien Tage gab.

Laura Siegemund, eine der erfahrensten Doppelspielerinnen der Welt, hatte ebenfalls enormen Anteil an diesem ersten Sieg eines deutschen Teams in der zweiten Auflage des United Cups, um den seit Silvester 18 Mannschaften rangen. Für die Australian Open, die kommenden Sonntag beginnen, ist das Trio jedenfalls warmgespielt - auch wenn nachts um ein Uhr, mit dem Cup im Arm, alle am Ende der Kräfte waren.

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