Tennis:Es bleibt ihm immer noch Paris

Tennis: Diagnose diesmal: "Mikroriss" in einem Muskel der Lendengegend. Rafael Nadal muss sich nun in Spanien ausruhen.

Diagnose diesmal: "Mikroriss" in einem Muskel der Lendengegend. Rafael Nadal muss sich nun in Spanien ausruhen.

(Foto: Patrick Hamilton/AFP)

Wegen einer Muskelverletzung sagt der Spanier Rafael Nadal seine Teilnahme an den Australian Open ab. Doch sein großer Traum ist ohnehin, in Roland Garros nach dem 15. Titel zu greifen.

Von Javier Cáceres, Berlin

Als der spanische Tennisprofi Rafael Nadal, 37, Anfang Dezember sein Comeback nach monatelanger Verletzungspause verkündete, sprach er einen Satz aus, der am Sonntag neue Aktualität erfuhr. "Ich hoffe, ich schaffe es hinzunehmen, dass die Dinge anfangs sehr schwierig sein werden, und ich dann die nötige Geduld aufbringe." Nun, die Dinge sind schwierig geworden, und sie ringen ihm Geduld ab. Eine Woche vor Beginn der Australian Open sagte Nadal seine Teilnahme am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres ab. Wegen eines "Mikrorisses" in einem Muskel der Lendengegend, der bei einer MRT-Untersuchung in Melbourne diagnostiziert wurde.

Der Muskel hatte Nadal am Freitag im Viertelfinale des Turniers in Brisbane gezwickt, gegen Ende der Partie, die er gegen den Australier Jordan Thompson verlor. Das Duell ging über drei Sätze (7:5, 6:7, 3:6), vor allem aber über dreieinhalb Stunden und förderte daher eine Erkenntnis zutage: "Im Moment bin ich noch nicht bereit, in Fünf-Satz-Matches auf höchstem Niveau anzutreten", erklärte Nadal. Zuvor hatten seine Siege gegen Dominic Thiem (Österreich) und Jason Kubler (Australien) Erwartungen geweckt, denn gemessen an der fast einjährigen Rekonvaleszenz hatte Nadal ein beachtliches Niveau gezeigt. Nun also der Rückschlag. Er werde nach Spanien fliegen, seinen Arzt aufsuchen, sich behandeln lassen - und sich ausruhen, kündigte Nadal an.

Was er nicht will: billigen Applaus

Am Boden zerstört war er gleichwohl nicht. Die schlechte Nachricht der Absage ("Ich hätte gern vor dem unglaublichen Publikum in Melbourne gespielt") berge etwas Gutes, betonte Nadal. Anders als zunächst befürchtet, sei die Sehne, die ihm im Vorjahr bei den Australian Open gerissen war und die ihn danach auf den Operationstisch gezwungen hatte, nicht direkt betroffen. Damit bleibe die Hoffnung intakt, das eigentliche Ziel für 2024 zu erreichen: in drei Monaten wieder in höchster Form zu sein und auf den europäischen Sandplätzen anzugreifen - insbesondere bei den French Open in Paris.

Auf roter Asche hat Nadal insgesamt 63 seiner bislang 92 Titel gewonnen, allein in Roland Garros schwang sich der Spanier seit seinem Debüt im Jahr 2005 durch insgesamt 14 Triumphe zum Rekordsieger auf. In einem kurz vor Weihnachten veröffentlichten Interview mit der spanischen Zeitung El País erklärte Nadal, dass er darauf hinarbeite, sich die Option auf einen neuerlichen Sieg in Paris zu erspielen. "Hätte ich diesen Traum und diese Motivation nicht, würde es mir schwerfallen zurückzukehren", sagte Nadal. Um den berühmten Satz aus dem Filmklassiker Casablanca zu paraphrasieren: Es bleibt ihm immer noch Paris.

In dem Gespräch kündigte er auch an, vor Beginn der French Open endgültig und unwiderruflich erklären zu wollen, ob das laufende Kalenderjahr das letzte seiner Karriere sein werde. "Mir ist bewusst, dass dies mein letztes Jahr sein könnte", sagte Nadal, "aber ich weiß es noch nicht zu hundert Prozent." Was er keinesfalls wolle: billig Applaus abgreifen. Er habe in der Vergangenheit viele Kollegen erlebt, die auf Abschiedstour gegangen seien und auf der Tour eine Ovation nach der anderen entgegengenommen hätten, um dann doch noch jahrelang weiterzuspielen. "Das mag ich nicht", versicherte Nadal.

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