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Uefa im Fifa-Skandal:Platini stimmte für Katar

Dass eine gemeinsame Linie fehlt, zeigt auch der Vorstoß der Engländer: David Gill verzichtete auf einen Sitz im Exekutivkommitee, als Blatter sich erneut als Präsident feiern ließ. Andere europäische Kollegen folgten ihm nicht. Wenige Tage später rief Verbandschef Greg Dyke führende Fußball-Nationen Europas zum Boykott der WM 2018 in Russland auf. Die Position des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war da längst bekannt: Präsident Wolfgang Niersbach stellte sich zwar auch gegen Blatter, schloss einen WM-Boykott sofort nach der Wahl aber kategorisch aus. Auch seinen Platz im Exekutivkommitee nahm er ein.

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Hinzu kommt, dass die Weste der Europäer nicht so blütenweiß ist, wie sie manchem erscheinen mag. Der Spanier Ángel María Villar Llona, Vize-Präsident der Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa), ist ebenfalls in den Korruptionsskandal verwickelt, die US-Behörden wollten ihn offenbar in Zürich aufspüren, doch er weilte nicht beim Kongress, sondern beim Europa-League-Finale in Warschau.

Platini hatte zuvor immer wieder Interesse am Präsidentenamt geäußert. Noch hält er sich bedeckt, doch er wird sich wohl als Kandidat zur Wahl stellen. Bei der Vergabe der WM 2022 hatte er für den jetzigen Ausrichter Katar gestimmt - jenes Turnier also, das neben der WM 2018 in Russland unter dem Verdacht steht, aufgrund gekaufter Stimmen zustande gekommen zu sein. Dass Platinis Sohn wenige Wochen nach der Wahl als Europachef bei der Firma Katar Sports Investments anheuerte, wirft nicht das beste Licht auf Platinis Motive. Er bestreitet einen Zusammenhang.

"Er ist bei der Europäischen Fußball-Union ein schwacher Präsident, und ich kann mir schwer vorstellen, dass er ein starker Fifa-Präsident sein würde", meint Sylvia Schenk. Die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) bezeichnete die Boykott-Drohungen der Uefa sowie deren Rückzug jüngst als "Kinderkram". Für den Reformprozess der Fifa schlägt Schenk eine unabhängige Kommission vor, die als Oberaufsicht agieren könnte. Der Uefa traut die Anti-Korruptions-Expertin das nicht zu.

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