Karriere von Sepp Blatter:Menschenfänger und Liebling der Mächtigen

Vom Eishockey-Sekretär zum höchsten Fußballfunktionär: Keiner hat die Fifa geprägt wie Sepp Blatter. Ein Rückblick.

Von Matthias Fiedler und Matthias Schmid

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FILE: FIFA President Sepp Blatter Announces Resignation

Quelle: Philipp Schmidli

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Schluss, aus, vorbei: Die Ethikkommission des Welt-Fußballverbandes hat Fifa-Chef Sepp Blatter für acht Jahre gesperrt. Uefa-Chef Michel Platini wurde mit derselben Strafe belegt. Das Gremium ahndete eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken von Blatter an Platini aus dem Jahr 2011.

Nach Darstellung der beiden Funktionäre habe es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Dienste aus den Jahren 1998 bis 2002 gehandelt. Dieser Argumentation wurde aber nicht gefolgt. Blatter will die Sperre anfechten.

Anfang Juni hatte er ohnehin schon seinen Rücktritt als Fifa-Chef angekündigt. Bis Februar 2016 wollte Blatter das Amt ursprünglich aber weiterführen, um in dieser Zeit seine Nachfolge zu regeln. Sogar die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn.

65th FIFA Congress in Zurich

Quelle: dpa

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Nur vier Tage vor seiner Aufgabe im Sommer wurde Blatter auf dem Kongress in Zürich in seinem Amt als Fifa-Präsident bestätigt und für weitere vier Jahre gewählt, es sollte seine fünfte Amtszeit werden. Blatter ist ein Stratege, Menschenfänger, Fußballnarr und Überlebenskünstler, der seit seiner ersten Wahl jeden Skandal auf wundersame Weise zu überstehen wusste.

From the Files âÄ" Sepp Blatter Steps Down

Quelle: REUTERS

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Der Fußball - das ist zeitlebens Blatters Passion. Geboren am 10. März 1936 in Visp, Kanton Wallis, schafft er es als aktiver Kicker in die höchste schweizerische Amateurliga. Für zwei Jahre wird der diplomierte Volkswirt Zentralsekretär des Schweizerischen Eishockeyverbandes - doch dann kehrt er schnell zum Fußball zurück. 1975 wird Blatter Direktor für Entwicklungsprogramme bei der Fifa. Sein Gehalt bezieht er zeitweise vom deutschen Sportartikelhersteller Adidas. Er ist eng mit dem damaligen Firmenchef Horst Dassler verbandelt, sein Büro ist in einer französischen Dependance des Konzerns.

FIFA Generalsekretär Joseph S Blatter Schweiz DEUTSCHSPRACHIGE SPORTZEITSCHRIFTEN UND ZEITUNGE

Quelle: imago/Kicker

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Seine Karriere bei der Fifa geht schnell voran, schon 1981 steigt er zum Generalsekretär auf und versteht es über die Jahre, im Hintergrund die Strippen zu ziehen. Mit Erfolg: 1998 wird er als Nachfolger von João Havelange zum Präsidenten gewählt. Es ist sein erster Triumph - aber schon der läuft nicht ohne Nebengeräusche ab. Sein Gegenspieler Lennart Johansson, Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa, glaubt noch am Vorabend, die Wahl für sich entscheiden zu können, weil er genügend Mitgliederverbände hinter sich hat. Über Nacht jedoch sollen sich Wahlberechtigte aus Afrika auf Blatters Seite geschlagen haben - angeblich weil sie in ihrem Hotel Bestechungsgelder erhielten. Blatter gewinnt mit 111 zu 80 Stimmen.

GERMAN CHANCELLOR SCHROEDER EXCHANGES A HANDSHAKE WITH FIFA PRESIDENT BLATTER IN BERLIN

Quelle: Wolfgang Rattay/Reuters

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Blatter sucht als Präsident die Nähe zu mächtigen Politikern weltweit und fährt gerne staatsmännisch in dunklen Limousinen vor. Das beruht auf Gegenseitigkeit: Die Staatschefs empfangen Blatter wie einen von ihnen. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wirbt 1999 eindringlich für eine Weltmeisterschaft in Deutschland. Mit Erfolg: 2006 ist das Land Gastgeber und feiert sein Sommermärchen.

FIFA PRESIDENT BLATTER AT PRELIMINARY DRAW IN TOKYO

Quelle: REUTERS

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Blatters Wirken ist nicht frei von direkten und indirekten Vorwürfen. Auch seine Wiederwahl 2002, mit 139 zu 56 Stimmen gegen Issa Hayatou, verläuft kontrovers. Wieder wird der Schweizer beschuldigt, er habe sich im Hintergrund mit unrechtmäßigen Versprechen und Schmiergeldern Stimmen gekauft. Doch wieder kann Blatter nichts nachgewiesen werden.

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Quelle: AP

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Mit Franz Beckenbauer pflegt Blatter ein fast freundschaftliches Verhältnis. Erst kurz vor der WM 2014 in Brasilien sind erste Dissonanzen zu vernehmen, weil die Fifa eine 90-Tage-Sperre gegen den Deutschen ausspricht, nachdem dieser einen Fragekatalog zu den dubiosen Vorgängen um die WM-Vergaben nach Russland (2018) und Katar (2022) unbeantwortet lässt. Beckenbauer schickt dann doch noch seine Antworten nach Zürich. Sie gehen anschließend wieder so vertrauensvoll miteinander um, dass sich der Weltmeister von 1974 sogar nach den jüngsten Korruptions- und Geldwäschevorwürfen noch hinter Blatter gestellt hat.

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Quelle: AP

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Die WM in Südafrika 2010 öffnet den Blick für die korrupten Strukturen der Fifa. Zehn Millionen Dollar Schmiergeld sollen damals über den Tisch des Fifa-Generalsekretärs Jérôme Valcke gelaufen sein. Mit dem Geld sollen sich die Organisatoren die Stimmen des ehemaligen Concacaf-Chefs Jack Warner gesichert haben. Die Fifa gibt zu, dass Valcke von dem Vorgang wusste.

Qatar's Emir Sheikh Hamad holds up a copy of the World Cup he received from FIFA President Blatter in Zurich

Quelle: REUTERS

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"Man kann die Stadien abkühlen, aber nicht das ganze Land": Fifa-Chef Blatter plädiert überraschend für eine Verschiebung der umstrittenen WM 2022 in Katar in den Wüstenwinter. Nun soll dort am vierten Advent das Endspiel stattfinden.

From the Files âē Sepp Blatter Steps Down

Quelle: REUTERS

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Dass neben Katar auch noch Russland 2018 eine WM austragen darf, vergrößerte den Unmut weltweit. Blatter hielt jedoch an dem Turnier fest, obwohl Wladimir Putins Krieg in der Ostukraine gegen geltendes Völkerrecht verstößt. Russlands Präsident dankt es ihm, indem er die Ermittlungen der US-Justiz und die Festnahmen von Blatters Vertrauten scharf kritisiert.

65th FIFA Congress in Zurich

Quelle: dpa

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Wer nun Blatters Nachfolger als Fifa-Chef wird? Uefa-Präsident Michel Platini war einst die logische Besetzung für diesen Posten, der Schweizer und der Franzose verstanden sich blendend, bis sie sich voneinander entfernten, weil sie jeweils ihren eigenen Verband stärken wollten. Doch Platini dürfte nun nicht mehr als Nachfolger in Frage kommen. Die Uefa hat bereits Generalsekretär Gianni Infantino als Ersatzkandidaten aufgestellt.

Blatter will derweil seine Sperre anfechten: "Ich werde kämpfen, für mich, für die Fifa", sagte er kurz nach dem Urteil in Zürich. Er kündigte an: "Ich komme wieder."

© SZ.de/schma/fie/ska/rus/chge
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