Süddeutsche Zeitung

Uefa im Fifa-Skandal:Zum Retten zu schlapp

  • Die Fifa will sich nach den Ermittlungen wegen Schmiergeldzahlungen selbst reformieren - vielen gilt die Uefa dabei als Hoffnungsträger.
  • Doch der europäische Verband strauchelt selber: Ihm fehlt eine klare Linie.
  • Auch Uefa-Funktionäre sind nicht unumstritten.

So eine leichte Beute bietet sich der Uefa nicht alle Tage. Als die US-Behörden ihre Ermittlungen zu Schmiergeldzahlungen bei der Fifa im großen Stil öffentlich machten und sieben Funktionäre in der Schweiz aus den Hotelzimmern holten, spitzte der europäische Fußball-Verband die Ohren. Die Präsidentschaftswahl solle verschoben werden, forderte man, "die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die Fifa und beschädigen das Image des Fußballs", hieß es in einer Erklärung. Maximale Empörung. Als Widersacher zu Sepp Blatters Fifa konnte man sich nun prima verkaufen - Uefa-Chef Platini legte dem Präsidenten vor seiner Wiederwahl den Rücktritt nahe.

Vielen gilt in diesen Tagen die Uefa als letzte Hoffnung der Fußballwelt, als tapferer Hüter der Moral. Nun, wo Blatter sein Amt unter dem Druck der Ermittlungen abgegeben hat, könnte da nicht der Weg frei sein für einen, der den Laden aufräumt? Die Uefa als Reinigungstrupp bei der Fifa? Das Problem ist: Die Uefa ist alles andere als ein würdiger Hoffnungsträger.

Eine einheitliche Strategie gibt es bei der Uefa nicht, ihre Erscheinung gleicht eher einem Blasebalg: aufblasen und einknicken. Den Kongress in Zürich, bei dem Blatter erneut im Amt bestätigt wurde, boykottierte sie dann doch nicht. Alle gingen fleißig abstimmen, von Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein ließ man sich einreden, einen Wahlsieg feiern zu können - wie das ausging, ist bekannt. Dass Frankreichs Vertreter sogar für Blatter stimmte, gab kein gutes Bild ab.

Am kommenden Samstag wollte sich der Verband zu einer Sitzung treffen, um über die Fifa und die eigene Position zu debattieren, man wolle "jede Option" prüfen, wurde vollmundig angekündigt - nun wird das Treffen abgesagt. Es sei "klüger, sich Zeit zu nehmen, um die Situation besser einzuschätzen, um dann gemeinsam Position zu beziehen", sagte Präsident Platini. Dass Funktionäre unter Korruptionsverdacht vom FBI festgenommen werden, dass der Generalsekretär und Blatter selbst ins Visier der Ermittler geraten, reicht dem Verband nicht, um eine Haltung zu den Geschehnissen zu entwickeln?

Platini stimmte für Katar

Dass eine gemeinsame Linie fehlt, zeigt auch der Vorstoß der Engländer: David Gill verzichtete auf einen Sitz im Exekutivkommitee, als Blatter sich erneut als Präsident feiern ließ. Andere europäische Kollegen folgten ihm nicht. Wenige Tage später rief Verbandschef Greg Dyke führende Fußball-Nationen Europas zum Boykott der WM 2018 in Russland auf. Die Position des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war da längst bekannt: Präsident Wolfgang Niersbach stellte sich zwar auch gegen Blatter, schloss einen WM-Boykott sofort nach der Wahl aber kategorisch aus. Auch seinen Platz im Exekutivkommitee nahm er ein.

Hinzu kommt, dass die Weste der Europäer nicht so blütenweiß ist, wie sie manchem erscheinen mag. Der Spanier Ángel María Villar Llona, Vize-Präsident der Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa), ist ebenfalls in den Korruptionsskandal verwickelt, die US-Behörden wollten ihn offenbar in Zürich aufspüren, doch er weilte nicht beim Kongress, sondern beim Europa-League-Finale in Warschau.

Platini hatte zuvor immer wieder Interesse am Präsidentenamt geäußert. Noch hält er sich bedeckt, doch er wird sich wohl als Kandidat zur Wahl stellen. Bei der Vergabe der WM 2022 hatte er für den jetzigen Ausrichter Katar gestimmt - jenes Turnier also, das neben der WM 2018 in Russland unter dem Verdacht steht, aufgrund gekaufter Stimmen zustande gekommen zu sein. Dass Platinis Sohn wenige Wochen nach der Wahl als Europachef bei der Firma Katar Sports Investments anheuerte, wirft nicht das beste Licht auf Platinis Motive. Er bestreitet einen Zusammenhang.

"Er ist bei der Europäischen Fußball-Union ein schwacher Präsident, und ich kann mir schwer vorstellen, dass er ein starker Fifa-Präsident sein würde", meint Sylvia Schenk. Die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) bezeichnete die Boykott-Drohungen der Uefa sowie deren Rückzug jüngst als "Kinderkram". Für den Reformprozess der Fifa schlägt Schenk eine unabhängige Kommission vor, die als Oberaufsicht agieren könnte. Der Uefa traut die Anti-Korruptions-Expertin das nicht zu.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2505518
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/sonn/rus
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.