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Überraschender Besuch des 1860-Investors:Lachen und Buhrufe im Stüberl

Es ist kurz vor halb zwölf in der Nacht, als Ismaik jene Geschichte vorträgt, die "nicht finanziell, sondern emotional" zu verstehen sei. Es geht ihm jetzt um mehr als all die Millionen, die er schon reingepumpt hat in einen Verein, den er gerne in der Champions League spielen sehen würde ("Madrid, Barcelona, Bayern München, in jedem Klub muss einer sein, der vom Fach ist"). Es geht um Vertrauen und ein denkwürdiges Abendessen. Bevor sie nur noch über Anwälte kommunizierten, hatten Ismaik und die Vereinsvertreter ein letztes Mal im feinen Mandarin Oriental gespeist, dem Lieblingshotel des Jordaniers in München. Schäfer sei aufgestanden, um die Rechnung zu zahlen. "Ich hab gesagt, Robert, ihr seid meine Gäste, ich zahle." Woraufhin Schäfer erwidert habe: "Keine Sorge, ich zahle das ja nicht privat." Da habe er also Otto Steiner gefragt: "Otto, womit wird das bezahlt?" Und Steiner habe gesagt: "Na, mit der Vereinskreditkarte." Lachen und Buhrufe im Stüberl.

Dies war also der Moment, in dem die einst so heile Fußballwelt Ismaiks vollends zu kollabieren begann. "Deswegen will ich überall involviert sein. Weil ich nicht weiß, wo das Geld landet. Sie machen Trainingscamps, sie gehen in die besten Restaurants der Stadt, trinken die teuersten Getränke! Glaubt ihr mir?" Viele nicken, einige murmeln Zustimmung. "Dann übermittelt das den anderen Fans! Wenn sie hier vor den Toren stehen und sagen: Wir müssen was ändern, dann wird sich was ändern!"

Das Stüberl kocht nun über, in einer Ecke sitzt ein Mann mit Designerbrille, den niemand kennt. "Bin nicht so involviert bei Sechzig", sagt er, "aber ich habe viele Seminare auf der ganzen Welt gehalten. Ich geb' dann immer ein Beispiel: Eine Hummel, wenn sie sich betrachtet, die könnte nie fliegen, wenn sie sich die kleinen Flügel anschaut und den großen Körper. Aber sie fliegt wie der Teufel!" Einwurf von hinten rechts: "Also rufen Sie zum organisierten Widerstand auf?!" Und der Mann mit der Brille spricht: "Absolut."

Am liebsten sei es ihm, in der kommenden Woche 5000 Fans in eine Halle zu laden, "damit ich endlich die Gelegenheit habe, ihnen die Wahrheit zu sagen", kündigt Ismaik noch an, es ist inzwischen halb eins in der Nacht, "lasst uns diesen Zeitpunkt feiern, heute ist Sechzig aufgewacht!" Die Menschen erheben sich von ihren Sitzen. "Das ist Zeitgeschichte", säuselt einer mit sanfter Stimme. Und dann ist Hasan Ismaik wieder fort. Sein Flieger geht sechs Stunden später. Robert Schäfer hat er nicht gesprochen.

© SZ vom 14.05.2013/sonn
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