Tom Brady:Brady war kein Bewegungstalent und hatten keinen Wunderarm

Brady war kein Auserwählter, zu denen im US-Sport schon so viele (und meist zu Unrecht) verklärt worden sind. "Er war dieser kleine Bub aus Michigan mit den Stoffhosen und dem ulkigen Haarschnitt", sagt Johnson. Doch dieser kleine Bub beschwerte sich nie, er führte frustrierende Aufgaben mit perfektionistischem Eifer aus, und er lernte nebenbei, präziser zu werfen und sich geschmeidiger zu bewegen.

Brady kontrollierte das Kontrollierbare, zu Beginn seines zweiten Profijahres war er nicht mehr Ersatzmann des Ersatzmanns des Ersatzmanns, sondern Stellvertreter des Stammspielers. Trainer Bill Belichick wollte einen, der ohne Widerspruch das tat, was er von ihm verlangte. Das war Brady, und nach der Verletzung von Bledsoe am zweiten Spieltag wurde er Stammspieler. Er führte die Patriots in den Super Bowl, und was er in den letzten 81 Sekunden dieser Partie tat, beim Stand von 17:17 gegen die St. Louis Rams, das steht nun symbolisch für diese Karriere: fünf kurze Pässe, ein absichtlich ins Aus geworfener Ball, kein Fehler. Die Patriots gewannen 20:17. Es war nicht die Heldentat eines außergewöhnlich Begabten, sondern die eines unfassbar Nervenstarken.

Belichick wusste, dass Brady kein Bewegungstalent war und keinen Wunderarm hatte, deshalb ließ er ihn keine spektakulären Spielzüge ausführen, er baute einen Schutzwall aus hochbegabten Offensivlinien-Spielern vor seinem nicht besonders athletischen Spielmacher auf - hinter diesen Beschützern wurde der buddhistische Mönch zum Erleuchteten, der Rückschläge und Rückstände gelassen hinnimmt.

Brady bewegt sich mit 41 geschmeidiger als mit 21, er wirft präziser als sein 20 Jahre jüngeres Selbst. Er unterzieht sich einer rigorosen Diät und einem strengen Fitnessprogramm. Noch immer werfen ihm Spötter vor, dass die Patriots zu Beginn seiner Karriere nicht wegen, sondern trotz ihm so viele Titel gewonnen haben, und Kritiker behaupten, dass er bisweilen Dinge kontrolliert, die er dem Reglement zufolge gar nicht kontrollieren darf, wie zum Beispiel den Luftdruck in Spielbällen.

Brady ist Symbol dafür, dass ein Sportler mehr besitzen muss als Athletik und Technik

Nur: Wenn einer andauernd bedeutsame Partien prägt, Titel gewinnt und Rekorde bricht, dann müssen selbst Spötter und Kritiker einsehen, dass das kein Zufall mehr sein kann. Brady ist nicht der strahlende Superheld, als der er immer wieder und auch wegen seiner Ehe mit dem Model Gisele Bündchen gezeichnet wird. Er ist ein Symbol dafür, dass ein Sportler mehr besitzen muss als Athletik und Technik. Dass viele Partien durch Dinge entschieden werden, die sich statistisch nicht erfassen lassen. Dass einer an Spott und Kritik wachsen kann. Dass sich einer Erfolg erarbeiten kann. Er wird zum Vorbild für Kinder, die nicht mit unfasslichem Talent gesegnet sind, und zu einem dieser Kinder sagte Brady auf die Frage nach Spöttern und Kritikern: "Wir lieben sie, und wir wünschen ihnen nur das Beste."

Brady erzählt eine uramerikanische Geschichte, dass es einer von Nummer 199 seines Jahrgangs zum erfolgreichsten Spielmacher der Geschichte bringen kann, und er hat bereits angekündigt, dass er diese Geschichte noch ein paar Jahre fortschreiben möchte. Und natürlich, das gehört zur Heldensage, wusste er schon damals, wie gut er mal werden würde. "Ich weiß noch, wie diese Bohnenstange an seinem ersten Arbeitstag mit einer Pizzaschachtel unterm Arm die Stufen des Stadions hinunterkam", sagt Robert Kraft, der Patriots-Besitzer. Brady habe sich vorgestellt, dann sagte er: "Mister Kraft, ich bin die beste Entscheidung, die diese Franchise jemals getroffen hat."

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