2. Runde in Wimbledon:Niemeier überrollt die Nummer zwei

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2. Runde in Wimbledon: Jubelschrei: Jule Niemeier im Moment des Glücks - nach dem Matchball.

Jubelschrei: Jule Niemeier im Moment des Glücks - nach dem Matchball.

(Foto: Glyn Kirk/AFP)

Der Deutschen Jule Niemeier gelingt die große Überraschung: Die 22-jährige Dortmunderin besiegt Anett Kontaveit 6:4, 6:0 - auch Angelique Kerber, Tatjana Maria und Oscar Otte erreichen die dritte Runde.

Von Gerald Kleffmann, Wimbledon

Die bekannte Moderatorin Lee McKenzie, die auf dem Court No. 1 das kurze Interview führte, fragte herrlich süffisant: "Es ist ja das erste Mal hier für dich gewesen - machst du das generell so?" Das Publikum lachte auf, auf diese feine britische Art, zurückhaltend und doch voller Bewunderung. "Nein", sagte Jule Niemeier ganz sachlich, sie ist ja als Typ eher eine Unaufgeregte, hatte sie neulich verraten, "es war eines der besten Matches, das ich je spielte." Sie hatte fürwahr diverse Male krachend mit der Vorhand gepunktet, Stopps eingestreut, einmal raunten viele, als eine Rückhand die Linie hinunterzischte. Und die Zahlen erst: 6:4, 6:0 nach 58 Minuten.

War Anett Kontaveit wirklich die Nummer zwei der Setzliste und die Nummer drei der Welt? Es wirkte vielmehr, als sei die Estin die andere gewesen, die 97. der Weltrangliste. Aber Niemeier, die nach dem verwandelten Matchball den Schläger aus Freude weggeworfen hatte, musste nur hoch in ihre Box schauen: Dort standen wirklich ihr Trainer Christopher Kas, Mutter Annette, Vater Michael, Bruder Jona und klatschten stolz. Sie war es, die gewonnen hatte.

Eine Deutsche hat an diesem Mittwoch eine der großen Überraschungen dieses Wimbledon-Turniers bislang geschafft. "Ich war wirklich nervös vor der Partie", gab Niemeier zu. "Aber ich bin glücklich, dass ich mit der Situation so gut umgehen konnte." Die 22 Jahre alte Dortmunderin galt früher schon als Talent und wird seit Jahren vom Deutschen Tennis-Bund gefördert. Doch Verletzungen an Schulter und Rücken stoppten ihre Entwicklung, die nun wieder Fahrt aufgenommen hat. Bei den French Open in Paris jüngst stand sie erstmals in einem Grand-Slam-Hauptfeld. In Wimbledon spielt sie am Freitag gar um den Einzug ins Achtelfinale, Lessja Zurenko, 101. im WTA-Ranking, ist ihre nächste Gegnerin.

In der dritten Runde stehen auch Angelique Kerber nach einem 6:3, 6:3 gegen die Polin Magda Linette, Tatjana Maria nach einem 6:3, 1:6, 7:5 gegen die Rumänin Sorana Cirstea sowie der Kölner Oscar Otte, 28, der nach nur 15 Minuten als Sieger feststand - der Qualifikant Christian Harrison gab beim Stand von 1:3 verletzt auf. Nahezu chancenlos war Maximilian Marterer beim 2:6, 2:6, 6:7 (3) gegen den Amerikaner Frances Tiafoe. Der 27-Jährige aus Nürnberg hatte sich immerhin als Qualifikant bis in die zweite Runde vorgekämpft.

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