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Tennis:Andre Agassi hilft Angelique Kerber zurück in die Balance

Porsche Tennis Grand Prix - Day 1

"Ich darf nicht aufgeben, was mich stark gemacht hat", sagt Angelique Kerber.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Nach ihrem Sieg bei den Australian Open hatte Angelique Kerber ein Tief - beim Turnier in Stuttgart präsentiert sie sich jetzt gereift.
  • Eine große Rolle für den Aufschwung der 28-Jährigen spielt Andre Agassi. Der Ehemann von Steffi Graf formte Kerber stärker als bisher angenommen.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen in Stuttgart.

Wenn Lars-Wilhelm Baumgarten, 44, an Kommissar Rex denkt, kriegt er schlechte Laune. Er hat nichts gegen TV-Krimis - aber dass der bisherige Fed-Cup-Sender Sat 1 Gold am vorigen Samstag lieber auf recycelte Ware gesetzt und seine Angelique Kerber aus dem Programm gekegelt hat, stößt bei dem Sportmanager aus Bad Harzburg, der mit seiner Agentur Arena 11 sonst Fußballprofis wie Max Kruse betreut, auf Unverständnis.

"Sie ist jetzt eine Bekanntheit in Deutschland", sagt Baumgarten und sendet eine Aufforderung an jene Organisation, die es zu verantworten habe, dass das letztlich gewonnene Abstiegsduell der Fed-Cup-Frauen in Rumänien nur im Internet gezeigt wurde: "Der Deutsche Tennis-Bund muss sein bestes Produkt an den Mann bringen." Soll heißen: ins öffentlich-rechtliche Fernsehen. Baumgarten verweist auf die gleich folgende Pressekonferenz. Da möge man sehen, was los sei. Und ja, es war dann was los.

In dieser Woche läuft in Stuttgart der Porsche Grand Prix, das Turnier ist mit 560 000 Euro Preisgeld dotiert, es wird seit Jahren zum besten Event von den Spielerinnen der WTA-Tour gekürt. Die aktuell wegen eines Dopingbefundes gesperrte Maria Scharapowa verlieh der Veranstaltung stets einen Glamourfaktor. Nun ist Angie da. Sie ist das, was im Marketing-Sprech "Aushängeschild" heißt.

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"Alle wollen nun ein Stück von ihr"

Kurz nach 15 Uhr am Montag taucht sie auf, die erste deutsche Grand-Slam-Gewinnerin seit 1999. Auch wenn ihr größter Sieg bald drei Monate her ist, wird noch vor ihrem ersten Wort klar: Ihre Rolle ist jetzt eine andere. Sie ist ein "role model", wie Michael Stich zuvor sagte, der Wimbledon-Sieger von 1991 wirkte am Abend bei einem Showkampf mit. Baumgarten trommelt im Kern richtig: "Alle wollen nun ein Stück von ihr."

50 Reporter haben sich versammelt, auch wissbegierige Briten sind angereist. Zuvor hatte sie Sponsorentermine, Aktionen mit Kindern. Sie spielte beim Showdoppel am Abend mit. Nun muss sie erklären, warum sie sportlich in ein kleines Loch fiel, wie sie herauskam, ob sie den Triumph verarbeitet hat. So sehen die Stücke aus, von denen Baumgarten sprach.

Das Angenehme an Kerber ist, dass ihr Schnippisches fern ist, sie antwortet freundlich-verbindlich. Andererseits ist ihre defensive Rhetorik ein Grund dafür, dass sie - obwohl seit vier Jahren in den Top Ten - bis zu jenen zwei Wochen im Januar 2016 nicht die ganz große, verdiente Aufmerksamkeit erhielt. "Sie ist ein Performer", urteilt Baumgarten; er meint, dass sportlich auf Kerber Verlass sei: "Sie ist kein Tennisgenie, aber sie erarbeitet sich alles immer wieder mit hoher Professionalität."

Die 28-Jährige aus Kiel schätzte es dabei, in Ruhe gelassen zu werden, lange überließ sie Sabine Lisicki und Andrea Petkovic die erste Reihe. Doch nun weiß sie, dass das zusammengehört, Erfolg und Prominenz, man kann sich nicht klein machen, schon gar nicht in Deutschland, in dem Land, "das Heroes will", wie Baumgarten weiß. Und sie will das auch nicht mehr, darauf verzichten, die Ernte einzufahren, Anerkennung, Respekt, Ruhm, Sponsoren. "Ich will hier alles genießen", sagt sie in Stuttgart. Das soll sie, sagt Baumgarten, aber das gehe nur, wenn sie den Spagat hinbekomme: role model zu sein - und erfolgreich zu bleiben auf dem Platz.