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Tennis:Tennis-Wunderkind wird erwachsen

Porsche Tennis Grand Prix - Day 1

"Ich genieße das Hier und Jetzt": Laura Siegemund beim Grand Prix in Stuttgart.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Laura Siegemund galt als Kind als die neue Steffi Graf - doch kam lange mit dem Druck nicht zurecht.
  • Plötzlich spielt sie aufregendes Tennis, gewinnt Spiele und Turniere - ganz unverkrampft. Was ist passiert?
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Von Matthias Schmid, Stuttgart

Es sind die kleinen Dinge, an denen zu erkennen ist, dass sich Laura Siegemund erst noch an die Choreografie des großen Sports gewöhnen muss. Als sich die 28-Jährige nach ihrem Sieg im Qualifikationsfinale beim Stuttgarter Tennisturnier am Montag in einen der bequemen Sessel fallen ließ, plapperte sie mit erfrischend floskelfreien Sätzen gleich los. "Mit dem Mikrofon bitte", soufflierte ihr die Dame von der Seite. Es war die Pressesprecherin der Spielerinnenorganisation WTA. Sie begleitet die Hauptdarstellerinnen bei den großen Turnieren zu den Interview- und Sponsorenterminen.

Für Siegemund ist in diesen Wochen alles neu und aufregend. Doch es scheint nicht so zu sein, als ob sie das sonderlich beeindrucken würde, im Gegenteil. "Ich genieße das Hier und Jetzt", sagt sie unaufgeregt. Sie kann das gerade entstehende Interesse an ihrer Person ganz gut einordnen, seit sie bei den Australian Open zu Beginn des Jahres auf wundersame Weise zum ersten Mal die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht hat. Siegemund musste schon in jungen Jahren erfahren, wie es ist, mit völlig überzogenen Erwartungen konfrontiert zu werden. Viel früher als es einer Hochbegabten gutgetan hätte.

Doch als sie im Jahre 2000 mit zwölf Jahren das wichtigste Jugendturnier des Planeten in Florida gewann, war die Sehnsucht in Deutschland nach einer neuen Heldin groß. Steffi Graf hatte im Jahr davor ihre famose Karriere gerade beendet. Laura Siegemund war eine der ersten deutschen Spielerinnen, die Vergleiche mit Graf aushalten musste. "Lauras Geschichte ist tatsächlich ein bisschen die eines Wunderkindes, das am Druck und den Erwartungen scheiterte", erzählt Wilfried Lenz.

Lenz ist Siegemunds Physiotherapeut und Freund. Er hat eine eigene Praxis im Stuttgarter Osten, nur wenige Kilometer von der Arena entfernt, wo seine Freundin an diesem Dienstag in der ersten Runde auf die Russin Anastasia Pawlyuschenkowa trifft. Auch Siegemund lebt mittlerweile in Stuttgart. Während der Turnierwoche hat sie sich allerdings ins Spielerhotel einquartiert, "um besser im Turniermodus zu sein", wie sie sagt. Siegemund probiert gerne Dinge aus, seit sie sich wieder entschieden hat, es als professionelle Tennisspielerin zu versuchen. "Ich bin eine Tüftlerin, die jeden Tag probiert, ihr Potenzial auszureizen", sagt sie selbst. Im Moment läuft es richtig gut.

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