Real Madrid und die Justiz:Die Funktionäre werden immer frecher

Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid: Super League ist noch nicht gescheitert

Allmachtsträume treiben viele Sportführer um, auch Florentino Peréz von Real Madrid (Archivbild).

(Foto: Manu Fernandez/dpa)

Die Verfilzung von Sport und Politik ist ein Problem. Aber wenn - wie beim schrägen Auftritts eines Madrider Richters - die Justiz mit dem Sport kungelt, ist jede rote Linie überschritten.

Kommentar von Thomas Kistner

Es ist grotesk, wie Florentino Perez, mächtigster Boss eines Fußballklubs weltweit, Puppen und Behörden tanzen lassen kann, um seine Interessen durchzufechten. Die Grenzen für sportpolitische Kraftmeierei sind spätestens dort erreicht, wo die staatliche Justiz plötzlich irritierende Wege geht. So, wie in der Causa "Superliga", diesem geplatzten Allmachtstraum von Perez, mit dem der Patron von Real Madrid eine private Bruderschaft der Superreichen im weltgrößten Sport installieren wollte - zu Lasten aller anderen im Betrieb.

Allmachtsträume treiben viele Sportführer um. Das Internationale Olympische Komitee und der Kicker-Weltverband Fifa buhlen sogar seit Dekaden um den Friedensnobelpreis - dabei werden ihre Topfunktionäre immer wieder von Strafbehörden einkassiert. Ein zentraler Grund, warum das so ist, liegt in der Absurdität, dass der Sport noch immer jene Autonomie genießt, die ihm vor einem Jahrhundert zuteil wurde.

Die Verfilzung von Sport und Politik ist ein Problem

Dabei haben den Turnvater Jahn längst Sportkonzerne abgelöst, die Milliarden durch die Welt schaufeln. Diesem Geschäftsmodell gehört seit Langem die rechtliche Autonomie entzogen. Stattdessen werden Funktionäre immer frecher und beginnen, mit Teilen der Justiz zu paktieren.

Der schräge Auftritt eines Madrider Superliga-Richters, der wie ein Anwalt von Reals Interessen wirkt, erinnert an eine andere Justiz-Posse. In der Schweiz ist Fifa-Boss Gianni Infantino, in Sachen Superliga ein diskreter Verbündeter von Perez, durch seinen Umgang mit der Justiz sogar in die Staatsaffäre um den Sturz des obersten Bundesanwalts verwickelt.

Auch warten noch immer Strafermittlungen gegen ihn auf Fortsetzung, weil jüngst ein Sonderermittler auf mysteriöse Art kaltgestellt wurde. Die Verfilzung von Sport und Politik ist ein Problem. Kungelt auch die Justiz mit dem Sport, ist die rote Linie überschritten.

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