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Reaktionen zur Super League:"Das ist ein Verbrechen am Fußball"

Rudi Völler

Rudi Völler stellt sich klar gegen die Super League.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

Rudi Völler findet drastische Worte zu den Plänen europäischer Großklubs. Mesut Özil sieht Kinderträume zerstört - das wütendste Statement kommt vom Engländer Gary Neville. Die Stimmen zur Revolution.

Hans-Joachim Watzke (Vorstandsvorsitzender Borussia Dortmund): "Die Mitglieder des Boards der European Club Association (ECA) haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat. Dieser Beschluss besagt, dass die Klubs die geplante Reform der Uefa-Champions-League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt. Beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, haben in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten."

Hansi Flick (Trainer FC Bayern): "Das wäre nicht gut für den Fußball."

Rudi Völler bei Bild: "Das ist ein Verbrechen am Fußball. Wer in dieser Liga mitspielen will, muss aus allen nationalen Ligen aussortiert werden. Mit allen Mannschaften. Die Jugend, die Frauen - alle müssen dann raus. Dass Bayern und Dortmund nicht mitmachen, zeigt, dass sie Rückgrat haben. Für einen Klub, bei dem die Fans 'You'll never walk alone' singen, ist das beschämend."

Lukas Podolski via Twitter: "Fußball ist Glück, Freiheit, Leidenschaft, Fans und ist für jeden. Dieses Projekt ist ekelhaft, nicht fair und ich bin enttäuscht, dass Vereine, die ich vertreten habe, daran beteiligt sind."

Sig Zelt (Sprecher des Fan- und Ultra-Bündnisses ProFans): "Die Tendenz ist: Wo das große Geld ist, fällt immer mehr Geld hin. Die Spanne zwischen großen und kleinen Vereinen wird immer unüberbrückbarer. Was soll eine Liga in einem geschlossenen Kreis ohne Auf- und Abstieg? Das ist nicht spannend! Der Fußball lebt von Spannung. Er lebt davon, dass auch mal ein Aufsteiger Meister werden kann. Der Fußball gräbt sich das eigene Wasser ab."

Rainer Koch (DFB-Vizepräsident): "Genug ist genug. Ich unterstütze zu 100 Prozent die Position der Uefa. Viel zu lange ist dem Treiben einiger weniger europäischer Großklubs zugesehen worden. Der Fußball basiert auf einem sportlichen Wettbewerb. Wer das nicht anerkennt, wird mit seinen Fans, Spielern und Teams aus allen Stockwerken des Weltfußballhauses ausziehen müssen."

Bo Svensson (Trainer von Mainz 05, über die Coaches von Liverpool, Chelsea und ManCity): "Jürgen, Thomas und Pep stehen jetzt in der Pflicht. So wie ich sie kenne, stehen sie für andere Werte - nicht für immer noch mehr Geld."

Ralph Hasenhüttl (Trainer FC Southampton): "Es ist eine große Bedrohung, die ich aufziehen sehe, ein Krieg, wenn Sie so wollen, der großen Klubs."

Robert Klauß (Trainer 1. FC Nürnberg): "Ich finde, das ist eine total beknackte Idee. Wir haben diese Super League ja schon im Sinne der Champions League. Diese Mannschaften spielen ab dem Achtelfinale, Viertelfinale jedes Jahr gegeneinander - ohne Ausnahme. Da gibt es vielleicht mal eine oder zwei Mannschaften, die da mal reinrutschen. In der Champions League wird doch jedes Jahr schon der Sieger der Super-Mannschaften in Europa gekürt."

SV Darmstadt 98 via Twitter: "Klarstellung: Der #sv98 steht für eine europäische #SuperLeague nicht zur Verfügung. Wir glauben weiterhin, dass wir uns auf sportlichem Weg für den europäischen Wettbewerb qualifizieren können. Irgendwann. Vielleicht. P.S: Hören Sie auf, uns ständig anzurufen, Florentino Perez."

Luís Figo (ehemaliger Weltklassefußballer) via Twitter: "Diese sogenannte 'Superleague' ist alles andere als super. Dieser gierige und gefühllose Schritt würde eine Katastrophe für unsere Basis, den Frauenfußball und die breitere Fußballgemeinschaft bedeuten. Den Klubeigentümern, die sich seit langer Zeit nicht mehr um ihre Fans kümmern, geht es nur um ihre eigenen Interessen."

Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig): "Wir sind Verfechter des sportlichen Wettbewerbs. Und der sportliche Wettbewerb im Profifußball sieht vor, dass man in der nationalen Liga darum kämpft, einen Tabellenplatz zu erzielen, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Für uns steht überhaupt nicht zur Debatte, hieran etwas zu ändern. Die Pläne zur Gründung einer Super League lehnen wir ab."

Mesut Özil (Ex-Weltmeister) via Twitter: "Kinder wachsen damit auf und träumen davon, die WM oder die Champions League zu gewinnen - nicht irgendeine Super League. Der Genuss an den großen Spielen ist, dass es sie nur ein- oder zweimal im Jahr gibt, nicht jede Woche."

Christian Seifert (Geschäftsführer Deutsche Fußball Liga): "Wirtschaftliche Interessen einiger weniger Topklubs in England, Italien und Spanien dürfen nicht die Abschaffung gewachsener Strukturen im gesamten europäischen Fußball zur Folge haben. Es wäre insbesondere unverantwortlich, die nationalen Ligen als Basis des europäischen Profifußballs auf diese Weise irreparabel zu beschädigen. Ich unterstütze daher die gemeinsame Erklärung der Uefa mit den Ligen und Nationalverbänden aus England, Italien und Spanien."

Boris Johnson (britischer Premierminister): "Pläne für eine europäische Super League wären für den Fußball sehr schädlich, und wir unterstützen die Fußballverbände dabei, Maßnahmen zu ergreifen. Sie würden das Herzstück des nationalen Spiels treffen und die Fans im ganzen Land betreffen."

Gary Neville (früherer englischer Nationalspieler): "Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans. Das ist eine Schande. Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler. Wie kann man überhaupt denken, dass jemand in der Super League zum Zuschauen kommt? Wenn diese Vereine die anderen 14 Klubs in der Premier League zurücklassen? Absolut peinlich, da kommt keiner. Lasst sie gehen, aber dann müssen sie hart bestraft werden. Hohe Geldstrafen, Punktabzug, nehmt ihnen die Titel."

© SZ/sid/dpa/bek
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