IOC und Russland:Was für ein Trauerspiel!

Lesezeit: 2 min

IOC und Russland: Die große Bühne für die Winterspiele 2014 gab das IOC Wladimir Putin gerne.

Die große Bühne für die Winterspiele 2014 gab das IOC Wladimir Putin gerne.

(Foto: Imago/ITAR-TASS)

Der Sport tut so, als distanziere er sich von Putin. Aber warum werden dann nur Athleten gesperrt - und russische Funktionäre und Verbände nicht?

Kommentar von Johannes Aumüller

Wow, da hat sich der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees aber kräftig von Russlands Aggressoren distanziert. Nach den Winterspielen 2014 in Sotschi sollte laut russischen Medien IOC-Boss Thomas Bach einen besonderen russischen Orden erhalten. Aber, Achtung, bitte: Bach habe diesen Orden nie angenommen und nie erhalten, sagte am Wochenende ein IOC-Sprecher der Welt, kurz bevor sich der Ringe-Chef mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij traf.

Dieser Hinweis fügt sich schön ein in die seit Beginn des Angriffskriegs vorgeführte Linie, in der Bach so tut, als habe er mit Russland und Wladimir Putin quasi nix zu schaffen. Putin, Putin, war das vielleicht ein sowjetischer Gegner auf dem Weg zur olympischen Goldmedaille mit den Florettfechtern 1976?

IOC und Russland: Tässchen Kaffee, bisschen Obst und gute Laune: Russlands Staatspräsident Wladimir Putin (links) und IOC-Boss Thomas Bach während der Olympischen Winterspiele 2014.

Tässchen Kaffee, bisschen Obst und gute Laune: Russlands Staatspräsident Wladimir Putin (links) und IOC-Boss Thomas Bach während der Olympischen Winterspiele 2014.

(Foto: David Goldman/AP)

Nun, tatsächlich ist Bach neben dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino jener Funktionär, der wie kein anderer die Abhängigkeit des Weltsports von Russland verkörpert. Unzählige Menschenrechtsverletzungen, der Georgien-Krieg 2008, die Krim-Annektierung 2014 - alles egal, lieber Wladimir Wladimirowitsch, wir geben dir gerne die Bühne für die Winterspiele 2014 und die Fußball-WM 2018. Und selbst der große Staatsdopingbetrug tat den guten Beziehungen keinen Abbruch, unter Steuerung des IOC kamen die Staatsdoper mit viel Nachsicht davon.

Diese Russland-Freundlichkeit setzt sich nun fort. Zwar sind - bis auf wenige Ausnahmen, wie das Kandidatenturnier im Schach oder die Tour de France zeigen - russische Athleten von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Aber die russischen Funktionäre und die russischen Fachverbände, die sind in den meisten Fällen weiter dabei in der Sportfamilie. Das beste Beispiel? Bachs IOC. Das Russische Olympische Komitee ist nicht suspendiert. Und im IOC sitzen weiter vier russische Mitglieder. Übertragen auf die Politik geht die Logik von Bach & Co. so: Russische Soldaten müssen vors Kriegsgericht, die Generäle und Putin bleiben verschont.

Es ist ein Trauerspiel, was der Sport unter der Führung des IOC abliefert. Deswegen ist es gut, dass aus verschiedenen (westlichen) Regierungen Vorstöße kommen, etwas gegen den aktuellen Zustand zu tun. Nun wird ein Text debattiert, in dem eine Vielzahl an Ländern das Aus von russischen Fachverbänden fordert. Aber auch die Politik dürfte es nicht bei Worten belassen, sondern müsste sich Konsequenzen überlegen für den Fall, wenn der von russischem Geld und von russischen Abhängigkeiten durchdrungene Weltsport weiterhin so russlandnah agiert, wie er es seit vielen Jahren tut.

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