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Spanien in der WM-Qualifikation:Doppelter X-Faktor

Spanien kann dann wieder auf den doppelten X-Faktor zählen: Xavi&Xabi. Gegen Finnland fehlten Xavi Hernandez und Xabi Alonso, die Schrittmacher im Mittelfeld. Die Madrider Sportzeitung Marca förderte am Sonntag die Zuversicht zusätzlich mit einer Bildergalerie spanischer Sporttriumphe in Paris: Man sieht da unter anderem Rafael Nadal als König von Roland Garros, Alberto Contador als Sieger der Tour de France - und den FC Barcelona, natürlich, als Gewinner der Champions League, im Mai 2006, im Finale gegen Arsenal, ebenda: in Paris, im Stade de France. Für Marca ist Paris gar unter allen Städten dieser Welt der "Talisman" des spanischen Sports. Wenn das mal nicht mitspielt, zumindest in den Köpfen.

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Spaniens Xabi Alonso: gegen Frankreich wohl wieder fit

(Foto: AFP)

Ganz gut steht es dagegen um die Köpfe der Franzosen. Didier Deschamps, dem neuen Trainer der "Bleus", der schon als Spieler ein seriöser und bescheidener Profi war, scheint es zu gelingen, aus einem Ensemble vormals notorisch flegelhafter Solisten ein Team mit recht engagiertem und manierlichem Auftritt zu formieren. Daran hatte es ja oft gemangelt: am Engagement. DD, wie sie ihn nennen, hat einige Flegel ausgemustert, andere neu motiviert und Junge nachgezogen. Die Franzosen haben wieder Freude an ihren Nationalspielern. An den meisten wenigstens.

Nur Karim Benzema von Real Madrid fällt aus dem Rahmen, ausgerechnet der Mittelstürmer der Mannschaft. Benzema ist nicht nur seit 929 Minuten oder nunmehr elf Länderspielen ohne Torerfolg, was in seiner Rolle schon bedenkenswert ist. Vor einigen Tagen ließ der Sohn algerischer Einwanderer ohne dringenden äußeren Anlass ausrichten, er werde auch in Zukunft nie die französische Nationalhymne, die Marseillaise, mitsingen. Das ist sein gutes Recht. Auch Michel Platini sang nie mit.

Doch Benzema sagt es so, als wollte er seine Weigerung als politisches Statement verstanden wissen, als eine Art Trotzgeste gegen die Republik. Und das kommt schlecht an bei den Franzosen.

Hätte er nur geschwiegen. Am Freitag im Heimspiel gegen Georgien (3:1) pfiffen ihn die Fans aus. Die Tore schossen andere: Giroud, Valbuena, Ribéry. Die Sportzeitung L' Equipe fragt schon rhetorisch: "Braucht es Benzema?" Er schweigt. Ist vielleicht besser so. Trifft er in diesem kleinen Finale, schießt er Frankreich gar zum Sieg gegen den Weltmeister, dann kriegt Karim Benzema wohl eine national verordnete Gesangsdispens auf Lebenszeit.