Sieg im Supercup Dortmund hebt den Zeigefinger

Sebastian Kehl (mi.): Als Erster am Pokal

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Leidenschaftlicher Tempofußball trifft auf Statik und Lücken: Borussia Dortmund gewinnt den Supercup mit 2:0 und offenbart die Schwächen des FC Bayern. Der sorgt sich weniger um den Saisonstart als um den schwer verletzten Javier Martínez.

Von Ulrich Hartmann, Dortmund

29 Minuten waren in diesem Supercup gespielt, da wurde das Ergebnis für den FC Bayern München zur Nebensache. Das Spiel sollte noch weitere 61 Minuten laufen, doch die interessante Frage für den Meister lautete nun: Wie geht es Javier Martínez? Der Defensivspieler war in eben jener 29. Minute mit dem Dortmunder Marcel Schmelzer zusammengestoßen, er plumpste auf den Boden und fasste sich an das linke Knie. Zwei Minuten später wurde er auf einer Trage in die Kabine getragen, und in den späten Abendstunden teilte Martínez in einer Videobotschaft auf Facebook mit: "Der Arzt hat mir gesagt, es sei zu 99 Prozent ein Kreuzbandriss." Die Verletzung des Spaniers war der bittere Höhepunkt für den FC Bayern in einem Spiel, das die Mannschaft 0:2 (0:1) gegen Borussia Dortmund verlor. Es war ein Spiel, das viele Fragen für die nächsten Wochen der Mannschaft aufwarf. Erst am Dienstag war ja bekannt geworden, dass Mittelfeldspieler Thiago länger ausfällt, vermutlich bis Oktober. Bastian Schweinsteiger war aufgrund fehlender Fitness nicht mit nach Dortmund gereist, genauso wie Franck Ribéry. Da ja zudem Toni Kroos zu Real Madrid gewechselt ist, gehen Trainer Pep Guardiola langsam die Mittelfeldspieler aus. Ein verletzter Martínez wäre für ihn kaum zu ersetzen, der Spanier war ein wichtiger Stabilisator in dieser Vorbereitung. Guardiola hatte ihn immer wieder ins Zentrum seiner neu formierten Dreierkette gestellt. "Javiers Ausfall wäre ein großes Problem, denn er war bisher sehr gut", sagte Guardiola nach dem Spiel. "Ich fürchte, dass er länger ausfällt." Eine genaue Diagnose erwarten sie beim FC Bayern an diesem Donnerstag.

Dass diese Verletzung eine enorme Schwächung für den FC Bayern wäre, zeigte das Spiel in Dortmund. Die Borussia bereitete dem FC Bayern mit ihrem Tempofußball immer wieder Probleme, so wurde offenbar, dass die Abstimmung zwischen Abwehrkette und defenivem Mittelfeld beim FC Bayern noch nicht stimmt. "Wir haben als Mannschaft ganz, ganz toll verteidigt und waren ein unangenehmer Gegner - genau das wollten wir sein", lobte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp.

Wirkungslos im Pfeiforkan

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Der Supercup stand am Ende einer Vorbereitung nach der WM, am Ende einer Vorbereitung also, die für beide Teams geprägt war vom langen Urlaub ihrer WM-Teilnehmer. Elf der 23 deutschen Weltmeister spielen in der neuen Saison für Borussia Dortmund oder den FC Bayern, aber zum Spielbeginn am Mittwoch stand von Dortmunds fünf WM-Fahrern bloß der neue Innenverteidiger Matthias Ginter auf dem Rasen. Von Münchens sechs WM-Teilnehmern waren immerhin Manuel Neuer, Jérôme Boateng und Thomas Müller dabei. Mario Götze und Philipp Lahm saßen zunächst auf der Bank. Bei den Dortmundern wurden Mats Hummels und Roman Weidenfeller geschont.

Kurz vor dem Auftakt seiner zweiten Saison beim FC Bayern hat Trainer Pep Guardiola seiner Mannschaft ein 3-4-2-1-System verordnet, mit Robert Lewandowski als Spitze, dem jungen Gianluca Gaudino sowie Sebastian Rode im zentralen defensiven Mittelfeld, dazu der spanische Zugang Juan Bernat links außen. Doch die Bayern waren allzu statisch und daher chancenlos gegen aufgeladene Dortmunder, deren 4-3-3 die Lücken im großmaschigen Münchner Netz nach Belieben nutzte.

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