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Serie zu 50 Jahre Bundesliga:Der Fluch von Neunkirchen

Als sie noch Bundesliga waren: Borussia Neunkirchen bei einem Spiel gegen den TSV 1860 München.

(Foto: imago sportfotodienst)

Sie stiegen ab, wieder auf - und wieder ab. Doch irgendwann blieben sie für immer unten. So erging es in 50 Jahren Bundesliga vielen Traditionsvereinen. In Neunkirchen träumen sie noch immer von der glorreichen Zeit ihrer Borussia. Das drückt den Verein von heute zu Boden.

Die Bundesliga wuchs Neunkirchen über den Kopf. Nach zwei Jahren stieg der Klub 1966 zum ersten Mal ab. Und 1967 wieder auf. Und 1968 wieder ab. Dass es diesmal für immer sein sollte, wollte niemand so recht glauben.

Neunkirchen ist es ergangen wie vielen Traditionsvereinen aus dem Bauch des Fußballs. Als der noch regional organisiert war, waren sie alle groß. Dann erfand der Fußball sich neu, immer und immer wieder. Aus vielen Oberligen wurde eine Bundesliga, aus vielen Regionalligen wurden zwei Zweite Bundesligen, aus zwei Zweiten Bundesligen eine, aus den vielen Oberligen wurden wenige Regionalligen, aus diesen Regionalligen eine Dritte Liga. Und immer so weiter.

"Wir waren die Verlierer jeder dieser Reformen", sagt Jens Kelm. Kelm war damals ein Kind, heute ist er so etwas wie das Gedächtnis des Klubs. Der Orthopäde ist ein Neunkirchener Junge und ein Borussia-Anhänger, er archiviert die Geschichte des Vereins. Ein Teil lagert im Landesarchiv in Saarbrücken, wo all die Hefte und Zeitungsberichte liegen, die Auskunft geben können, wie groß die Borussia einmal gewesen ist.

Der Verein rutschte jedoch tiefer und tiefer, der Weg nach oben wurde weiter und weiter. Das verwöhnte Publikum, das nie etwas anderes gesehen hatte als eine erfolgreiche Borussia, kam nicht mehr. Die Versuche, zurückzukehren in den Kreis der Großen, kosteten Geld. Ein Teufelskreis begann, der die Borussia mehr als einmal nahe an die Insolvenz führten.

Borussia Neunkirchen lebt in ihrer Vergangenheit. Die Erinnerung an die Erstliga-Jahre sind die schönsten der Stadtgeschichte. Gleichzeitig drücken die Lasten der frühen Erfolge den Verein von heute zu Boden.

Man wünscht der Stadt eine Idee, wie sie dem Verein auf die Beine helfen könnte, der sie so bekannt gemacht hat. Bis heute. Von Gleis zwei des Hauptbahnhofs fährt die Regionalbahn nach Homburg ab. Homburg. War auch mal Bundesliga.

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Sie stiegen ab, gingen pleite oder blieben irgendwo auf dem Weg nach unten hängen: Die Bundesliga hat schon so manchen Verein kommen und gehen sehen - wer erinnert sich noch an Borussia Neunkirchen?

Die SZ begleitet das Saisonfinale der 50. Bundesliga-Saison in einem Jubiläums-Projekt. In Folge 1 der Serie "11 mal 11" wurde das kurioseste Tor gekürt. Folge 2 beschäftigte sich mit "Wilden Tieren" - Platz 1: Als der Schalker Friedel Rausch 1969 von einem Dortmunder Hund gebissen wurde. Folge 3 suchte "Vergessene Brasilianer" (Platz 1: Bernardo, FC Bayern), Folge 4 die "Lieblingsfeinde von Uli Hoeneß" - Spitzenreiter: Christoph Daum. Folge 5 die "Hitparade der Bundesliga" erwies den schrägsten musikalischen Ergüssen der Liga eine Hommage (Platz 1: Jean-Marie Pfaff, FC Bayern), ehe es im sechsten Teil um die "härtesten Verteidiger" ging (Platz eins: Karl-Heinz Förster, VfB Stuttgart). In der 7. Folge wurden "Die elf schillerndsten Niederländer" vorgestellt.

Abgerundet wird das Angebot am Saisonende durch ein Bundesliga-Buch (Titel: "15:30"), das die amüsantesten, schönsten und tragischsten Momente aus einem halben Jahrhundert Bundesliga-Fußball präsentiert.