Serie A Kurioses Schauspiel auf Italiens Trainermarkt

Schrie zuletzt für den FC Chelsea in England: Trainer Antonio Conte.

(Foto: REUTERS)

Fünf der sechs bestplatzierten Vereine denken darüber nach, ihren Trainer auszutauschen. Die pikanteste Konstellation entsteht zwischen Antonio Conte, Juventus und Inter Mailand.

Von Thomas Hürner

Es war im Jahr 2014, als sich Antonio Conte eine verhängnisvolle Parabel ausdachte, die ihn womöglich noch sein ganzes Trainerleben begleiten wird. Der Italiener verdrehte seine blauen Augen, lächelte verschmitzt, wollte seine Kränkung erst gar nicht verbergen. Nun ja, sagte Conte also in die Kamera, mit zehn Euro in einem Restaurant essen, in dem man eigentlich hundert Euro braucht? Diese Rechnung gehe halt nicht auf, in den kommenden Jahren werde gewiss keine italienische Mannschaft ein Champions-League-Finale erreichen.

Massimiliano Allegri, sein Nachfolger als Trainer von Juventus Turin, speiste dann trotzdem ganz vorzüglich im europäischen Nobeletablissement. Ausgespart wurde lediglich das Dessert, die beiden Endspiele in den Jahren 2015 und 2017 gingen verloren, aber immerhin war danach genug im Geldbeutel, um die in Turin so ersehnte Trophäe vielleicht mal von Cristiano Ronaldo serviert zu bekommen.

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Zumindest in dieser Saison wurde daraus bekanntlich nichts, weshalb Allegri trotz fünf Meistertiteln in Serie kürzlich zu einer Aussprache mit dem Küchenchef zitiert wurde. Juve-Präsident Andrea Agnelli soll sich laut italienischen Medien gerade intensiv mit der Suche nach einem Nachfolger beschäftigen, allerdings wenig vom präferierten Kandidaten seines Stellvertreters Pavel Nedved halten. Der Tscheche würde, so heißt es, am liebsten Antonio Conte zurückholen, der seinen Spielern später als Trainer des FC Chelsea zwar mal öffentlich den Verzehr von Pizza und Pasta untersagte, dafür aber einst in Turin das Rezept für eine Rückkehr zur nationalen Dominanz gefunden hatte.

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Das Verhältnis zwischen Conte und Agnelli gilt aber nicht nur aufgrund jenes Satzes aus dem Jahr 2014 als empfindlich vorbelastet, was wiederum einen dritten Mann mit einschlägiger Juve-Vergangenheit auf den Plan ruft: Giuseppe Marotta, fast eine Dekade lang Vordenker für die Turiner Kaderplanung, arbeitet inzwischen in selbiger Funktion beim verhassten Erzrivalen Inter Mailand.

Dort versichert er zwar wöchentlich, dass der aktuelle Trainer Luciano Spalletti auch über diese Spielzeit hinaus bleiben wird. Glaubt man aber den italienischen Gazzetten, ist das nicht mehr als ein strategischer Bluff, damit in der entscheidenden Saisonphase nicht noch mehr Unruhe aufkommt als in Mailand ohnehin üblich. Conte stehe intern bereits als neuer Inter-Trainer fest, schreiben die Zeitungen unisono, der Corriere della Sera etwa meldete sogar schon Vollzug.

Es wäre eine Verpflichtung mit der ein oder anderen pikanten Note: Antonio Conte, dreifacher Meistertrainer, langjähriger Kapitän und Turiner Klubikone auf dem Weg ausgerechnet zu Inter? Das käme beinahe einem Engagement Francesco Tottis, sogenannte Vereinslegende der AS Rom, beim Stadtrivalen Lazio gleich. Und dann wäre da ja noch Luciano Spalletti, der mit Erreichen des Saisonziels seine eigene Dimission vorbereiten würde. Mit den Einnahmen aus der Champions League, schreiben die italienischen Medien, würden seine Abfindung (rund 25 Millionen Euro) und das Gehalt des neuen Trainers (rund zehn Millionen Euro netto pro Jahr) finanziert. Und wenn noch etwas schiefgeht mit der Qualifikation für die Königsklasse? Dann wird Spalletti wohl trotzdem entlassen, Nachfolger Conte müsste sich mit Abstrichen auf dem Transfermarkt arrangieren.