RB Leipzig Die Traditionalisten können kommen

Gefährlicher Jubel: Trainer Ralf Rangnick geht nach Davie Selkes Bierdusche mit einer Oberschenkelverletzung zu Boden.

(Foto: Boris Streubel)

Der als Retortenverein verhöhnte RB Leipzig steigt in die Bundesliga auf. Mit viel Geld, aber auch mit einer behutsamen Strategie.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Aus der Sicht von Holger Nussbaum hätte das Szenario kaum besser sein können. Niemandem konnte es besser passen, dass RB Leipzig am Sonntag durch einen von Emil Forsberg (52. Minute) und Marcel Halstenberg (87.) herausgeschossenen 2:0-Sieg (0:0) gegen den Karlsruher SC direkt in die Bundesliga aufstieg - als Tabellenzweiter hinter dem SC Freiburg und mit einer Bierduschen-Zeremonie, die Ralf Rangnick eine Oberschenkelverletzung einbrachte.

Auf der Flucht vor Stürmer Davie Selke stürzte der Trainer böse. Nussbaum war 2009 entscheidend daran beteiligt, dass RB den Weg ins Fußball-Oberhaus beginnen konnte. Dass er gegen den KSC vollendet wurde, hatte eine aparte Note: Nussbaum ist KSC-Fan.

Nussbaum war im Jahr 2009 Team-Manager des SSV Markranstädt, jenem Verein, der fünf Kilometer vor den Toren Leipzigs beheimatet ist - und der RB Leipzig die Oberliga-Lizenz abtrat, ohne die der Aufstieg im Parforce-Ritt nicht möglich gewesen wäre. Für wie viel Geld die Lizenz übertragen wurde, ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis, aber dass der SSV Markranstädt profitierte, ist Fakt, die Sponsorensuche war auf Jahre hinaus kein Thema mehr. Und der Verein wurde in den Medien wahrgenommen, "positiv wie negativ", wie Nussbaum sagt.

Das Negative ist schnell erzählt, es wurde ja schon oft erzählt. Bis heute scheiden sich die Geister an einem Klub, der nur deshalb Rasenballsport Leipzig heißt, weil sich so einigermaßen elegant das Akronym "RB" konstruieren lässt, das auf den Geldgeber aus Salzburg verweist: Red Bull. Gut 100 Millionen Euro soll der österreichische Getränkehersteller des Milliardärs Dietrich Mateschitz, der am Sonntag im Stadion saß, bereitgestellt haben.

Die Ersten seit Cottbus - Statistik zum Leipziger Bundesliga-Aufstieg

Ost-Vereine in der Fußball-Bundesliga

Hansa Rostock 1991/92, 1995/96 - 2004/05 und 2007/08

Dynamo Dresden 1991/92 - 1994/95

VfB Leipzig 1993/94

Energie Cottbus 2000/01 - 2002/03, 2006/07 - 2008/09

RB Leipzig ab 2016/17

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Der Aufstieg von RB Leipzig Oberliga Nordost 2009/10 (1. Platz = Aufstieg)

Regionalliga Nordost 2010/11 - 2012/13 (4. Platz, 3. Platz, 1. Platz & Aufstieg in Relegation)

Dritte Liga 2013/14 (2. Platz = Aufstieg)

Zweite Bundesliga 2014/15 - 2015/16 (5. Platz und 2. Platz = Aufstieg)

Geld verschafft Wettbewerbsvorteile: In den beiden Transferperioden des Jahres 2015 gaben nur je zwei Fußball-Bundesligisten mehr Geld aus als RB Leipzig. Borussia Dortmund und Wolfsburg im Winter, der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach im Sommer. Für die kommende Saison wurde der Ingolstädter Trainer Ralph Hasenhüttl verpflichtet, weil der bisherige Coach, Ralf Rangnick, lieber Sportdirektor sein möchte. Der Personaletat soll verdoppelt werden, Stürmer Breel Embolo (FC Basel/19) und Kevin Volland (1899 Hoffenheim/24) sind als Zugänge im Gespräch.

Taktik-Kolumne Wie RB Leipzig bald die Bundesliga überfällt Video
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Rasenschach - die Fußball-Taktikkolumne

Wie RB Leipzig bald die Bundesliga überfällt

Der Aufstieg von RB steht quasi fest - kommende Saison soll Ralph Hasenhüttl in Leipzig die Taktik verfeinern. Es gilt: Effektivität vor Schönheit.

Doch das Geld aus Österreich potenziert auch Vorurteile, insbesondere unter den Anhängern von Vereinen, die sich mit Recht als traditionsreicher fühlen dürfen. Dass sie als Vertreter einer überraschend reinen Lehre auftreten, steht auf einem anderen Papier. Sollte, wer etwa in Braunschweig über die totale Kommerzialisierung à la Leipzig herzieht, tatsächlich zur Trikotwerbung schweigen und sein Vintage-Jägermeister-Shirt verbrennen? Müssten die Hamburger nicht mit der gleichen Verve auf die Zuwendungen von millionenschweren Pfeffersäcken an den Liga-Dino verzichten wie Schalke 04 auf die Putin-Gazprom-Kohle?