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Bundesliga:RB Leipzig - Guter Bulle, böser Bulle

Formel 1 - GP Spanien

Dietrich Mateschitz mischt schon kräftig in der Formel 1 mit, bald könnte er das in der Fußball-Bundesliga machen.

(Foto: dpa)

RB Leipzig steht vor dem Aufstieg in die Bundesliga - mit dem Verein kommt ein Mann, der macht, was er will.

Am Sonntag könnte es so weit sein. Im Heimspiel gegen den Karlsruher SC bietet sich RB Leipzig die Chance, den Bundesliga-Aufstieg zu besiegeln. RB steht offiziell für Rasenballsport, aber das ist eine Mogelpackung. RB - tatsächlich verbirgt sich dahinter die Getränkefirma Red Bull des Österreichers Dietrich Mateschitz. In der höchsten Spielklasse des beliebtesten Sports der Deutschen steht damit eine Zeitenwende an: Es kommt der erste Klub, der von einem reichen Ausländer gelenkt wird. Das wirft spannende Fragen auf, die aktuell wohl spannendste: Wer ist das eigentlich, der da in die Beletage einzieht?

Mateschitz, das war in dieser Woche auf vielfältige Weise zu besichtigen, hat ein ziemlich klares Verständnis, wie die Welt laufen sollte: So, wie er sich das vorstellt. Als dem 71-Jährigen zu Ohren kam, dass einige Angestellte seines Fernseh-Spielzeugs Servus TV sich an einer Doodle-Umfrage beteiligt hatten, ob es vielleicht eine gute Idee sein könnte, einen Betriebsrat zu gründen, kündigte Mateschitz handstreichartig das Aus für das Programm an. Als ihm die Mehrheit der Belegschaft Treue schwor, gewährte er wieder Gnade. Servus TV sendet nun auf Bewährung weiter.

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Der Herr gibt's, der Herr nimmt's - gerade so, wie es ihm gefällt: Dass es Mateschitz auch dort so hält, wo er im Sport das Sagen hat, erfuhr an Christi Himmelfahrt der Russe Daniil Kwjat. Der 22 Jahre alte Formel-1-Pilot wurde nach einem vermeidbaren Unfall bei seinem Heimrennen in Sotschi innerhalb der Formel 1 strafversetzt: vom großen Red-Bull-Team ins kleine Red-Bull-Team - was einer Karriere-Exekution gleichkommt. Für Kwjat steigt der erst 18 Jahre alte Max Verstappen auf. Beide Junioren hat die Firma vertraglich so eng am Gängelband wie einst Sebastian Vettel. Da ist es leicht, an einem Tag den guten Bullen zu spielen und am nächsten den bösen.

Ralf Rangnick erzählt die Story vom großen Kümmerer

Am Motorsport lässt sich besonders gut studieren, wie sich Mateschitz auf dem Sportplatz gibt. Seit 2005 mischt er dort schon in der höchsten Spielklasse mit. Als er in die Formel 1 einstieg, waren die Hoffnungen groß, die hippe Marke könne viele junge Zuschauer locken. Und Mateschitz gab sich auch viel Mühe: Er schmiss aufsehenerregende Partys, lud aufregende Gäste ein, kaufte eine mobile Druckerei und ließ an jeder Rennstrecke ein aufwendiges Magazin produzieren.

Die Autos fuhren zunächst zwar hinterher. Aber wenn sie an die Box rollten, warteten dort die Mechaniker in "Star- Wars"-Kostümen. Das war lustig. Als die Mannschaft jedoch zum Seriensieger mutierte, die Fans bei der Siegerehrung zu pfeifen begannen und das Team seinen Status mit aller Macht abzusichern versuchte, dämmerte es vielen, dass es vielleicht doch keine so gute Idee gewesen war, gleich zwei Rennställe - und damit ein Fünftel des Fahrerfeldes - in die Hände eines Mannes zu legen, der sein Reich nach Gutsherrenart lenkt. Vergangenes Jahr drohte Mateschitz wie ein trotziges Kind: Er werde aussteigen, wenn er nicht die besten Motoren bekomme. Er bekam sie nicht. Dabei geblieben ist er trotzdem.

In Monarchien sind Entscheidungen selten zwangsläufig, oft sind sie sprunghaft. Apologeten wie der ehrgeizige RB-Entwicklungshelfer Ralf Rangnick, der stets betont, Mateschitz sei ein großer Kümmerer mit langfristigem Interesse, sollten die Geschichte studieren. Die für die ganze Region wichtige Rennstrecke in Spielberg ließ Mateschitz, nachdem er sie gekauft hatte, flugs einreißen. Als die Behörden ihm seine Umbaupläne durchkreuzten, lag sie brach. Jahrelang. Erst als es ihm gefiel, ließ Mateschitz den Kurs wieder aufbauen. Selbstverständlich schöner als je zuvor.

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