FC IngolstadtPose der Demut

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Tief bewegt: Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl.
Tief bewegt: Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl. Stefan Bösl/imago

"Lieber Rangnicks Hofnarr als König der Schanz?" Obwohl er von einigen Fans angefeindet wird, verabschiedet sich Ralph Hasenhüttl wehmütig.

Von Benedikt Warmbrunn

Tief senkte er den Kopf, lang senkte er den Kopf, die Sekunden vergingen, aber der Kopf blieb unten. Irgendwann stützte sich Ralph Hasenhüttl mit den Händen an den Oberschenkeln ab, die Sonne strahlte auf seinen gebeugten Rücken, die Haare fielen ihm ins Gesicht, von den Rängen hallte ihm der Applaus entgegen, und auch der eine oder andere Pfiff. Eine gefühlte kleine Ewigkeit blieb Hasenhüttl in dieser Pose, von der jetzt nicht ganz klar war, ob sie die eines Büßers war, oder ob sie eine von Demut und Dankbarkeit war. Schließlich richtete sich Hasenhüttl wieder auf, und was seine Haare und sein Rücken verdeckt hatten, das war jetzt für jeden sichtbar, für allem für die Fans auf der Ingolstädter Südtribüne. Hasenhüttl weinte. Mit dem Ärmel wischte er sich über die Augen, doch die Tränen blieben.

Es war ein ungewöhnlicher Abschied, den der Trainer des FC Ingolstadt am Samstag feierte. Im Herbst 2013 hatte er die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz der zweiten Liga übernommen, unter ihm stieg der Klub erstmals in die Bundesliga auf, sicherte sich dort frühzeitig den Klassenerhalt. Doch dass Hasenhüttl sich nun so tief vor den Anhänger verbeugte - die Meisterfeierlichkeiten des FC Bayern nach dessen 2:1 beim FCI waren soeben zu Ende gegangen -, lag ja vor allem daran, dass er nach dieser Spielzeit zum Aufsteiger RB Leipzig wechseln wird. Eine Entscheidung, für die nicht alle Fans Verständnis zeigten.

"Lieber Rangnick's Hofnarr als König der Schanz?" stand in Anspielung auf den RB-Sportdirektor auf einem Plakat; der Zorn richtete sich wohl eher auf Hasenhüttls zukünftigen, neureichen Verein (wobei die Wütenden nicht bedachten, dass Hasenhüttl einen durch die Audi-Subventionen ähnlich neureichen Verein verlässt). Die Schimpfenden waren am Samstag zwar laut, aber sie waren nicht in der Überzahl. "Danke Ralph" stand auf einem anderen Banner. "Ich bin sehr stolz auf das, was heute passiert ist, was in den letzten Jahren passiert ist", sagte Hasenhüttl später. Dann drehte er sich zur Seite, verdeckte mit den Händen die Augen, wieder wischte er sich übers Gesicht. Doch die Tränen blieben.

© SZ vom 09.05.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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