Pokalsieg mit Borussia Dortmund Bartra überwindet das Trauma

  • Das Pokalfinale in Berlin wird für BVB-Abwehrspieler Marc Bartra zum emotionalen Saisonhöhepunkt.
  • Der Spanier, der beim Anschlag auf den BVB-Bus an Hand und Unterarm verletzt worden war, will mit dem Spiel die Vergangenheit hinter sich lassen.
Von Javier Cáceres, Berlin

Die Partie war vorüber, das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt mit 2:1 gewonnen, und Marc Bartra erinnerte sich an den Epilog eines anderen Endspiels, das er einst in Berlin erlebte. 2015 war das, da holte er mit seinem Stammverein FC Barcelona gegen Juventus Turin die Champions-League-Trophäe. Seinerzeit machte sich Gerard Piqué, der Bartra zwar ein Freund ist, aber ihm dennoch den Weg in die Stammelf Barças verbaute, an einem Tor zu schaffen: Piqué trennte mit einer Schere das Netz ab, um es als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.

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"Du weißt nie, wann Du dran bist. Wir waren noch nicht dran."

"Ich hab Gerard damals gesagt, dass er mir ein Stück abgeben soll, aber er hat es nicht gemacht. Da habe ich mir gesagt, dass ich diesmal das Netz mitnehme, wenn wir gewinnen sollten. Und so war es dann auch", sagte Bartra, ehe er an der Hand seiner Verlobten, Melissa Jiménez, im Berliner Mannschaftshotel am Potsdamer Platz den großen Festsaal betrat.

Dort dürfte es unter den "knapp 399" geladenen Gästen ("die Vier ist ein Unwort bei uns", sagte ein BVB-Offizieller in Anspielung auf Schalke 04) tatsächlich niemanden gegeben haben, "der es irgendjemandem mehr gegönnt hätte als dir", wie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in seiner Ansprache sagte. "Dich hat das, was passiert ist, am härtesten getroffen." Was passiert ist, war der Bombenanschlag am Vorabend des Champions-League-Spiels gegen den AS Monaco am 11. April. "Wir sind alle froh, dass du bei uns bist, das Finale gespielt und deinen ersten Pokal geholt hast", sagte Watzke. "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte Bartra, und es war beileibe nicht nötig, ihn das unter Eid bezeugen zu lassen: Es war ihm anzusehen.

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Zur Erinnerung: Bartra hatte seinerzeit auf jener Seite des Mannschaftsbusses gesessen, die von den Sprengsätzen zerfetzt wurde. Bombensplitter bohrten sich in seinen Arm, und er lebt in der Gewissheit, dass er von Glück reden kann, dass er nur 39 Tage ausfiel. Beziehungsweise: dass alles noch sehr viel schlimmer hätte sein können, für ihn persönlich, aber auch für seine Mannschaftskameraden, die ebenfalls im Bus saßen. "Du weißt nie, wann du dran bist. Gott sei Dank waren wir noch nicht dran", sagte Bartra, 26, am Samstag.

Die aufrichtige Bewunderung für die Kraft, mit der Bartra zurückkam, dürfte zu den wenigen Dingen zählen, auf die sich Präsident Watzke und Trainer Thomas Tuchel einigen könnten. "Hammer!", sagte Tuchel nur, als er auf Bartra angesprochen wurde, "ein ganz toller Typ". Schon aus dem Krankenhaus heraus habe Bartra dem Team signalisiert, "dass er noch stärker zurückkommen" werde.

Trainer Thomas Tuchel "war das Beste, was mir passieren konnte".

Dabei hat er, und das ist angesichts der Umstände seiner Verletzung und vor allem wegen der psychologischen Begleiterscheinungen überraschend, die gesamte Rehabilitation nicht etwa in Barcelona, das heißt: im Kreise seiner Familie und Freunde, sondern beim BVB absolviert. Obwohl er mit seiner Familie erst seit einem Jahr in Dortmund wohnt. Er ließ einen Mentalcoach einfliegen, mit dem er schon länger zusammenarbeitet, Barcelona stattete er während seiner Pause nur eine Stippvisite ab.