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Marco Reus im DFB-Pokalfinale:Reus ist jetzt endlich ein Großer

Marco Reus mit dem DFB-Pokal. Er hat ihn tatsächlich gewonnen. Trotz Verletzung.

(Foto: Tobias Schwarz/AFP)
  • Das 2:1 von Borussia Dortmund im Pokalfinale gegen Frankfurt ist der erste große Titel für Marco Reus, der bis dahin nur zuschauen konnte, wenn Pokale vergeben wurden.
  • Dabei erlebt der Nationalspieler in Berlin zunächst große Tragik.
  • Dass er sich erneut verletzt, kann er aber letztlich verkraften.

Hatte das Schicksal da nicht ein bisschen zu dick aufgetragen? Hatte diese Szene gerade wirklich so stattgefunden? Das konnte eigentlich gar nicht sein, weil: So zynisch lässt sich eine Fußballer-Karriere doch gar nicht verdichten. Es war aber so.

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Thomas Tuchel sieht eine Chance, dass er in Dortmund bleibt, Marco Reus glaubt, er habe "ein bisschen Kreuzband", die Frankfurter sind stolz auf ihre Leistung. Die Stimmen zum DFB-Pokalfinale.

Die achte Minute im Pokalfinale am Samstagabend. Marco Reus kommt an der Mittellinie an den Ball, er schaut, er entdeckt Lukas Piszczek auf der rechten Seite, er passt diagonal, dann läuft er nach vorne. Piszczek spielt den Ball steil auf Dembélé, doch ehe der den Ball überhaupt angenommen hat, fällt Marco Reus auf dem Weg in den Strafraum plötzlich zu Boden. Dembélé schlägt einen Haken, schießt, trifft, jubelt. Und ein paar Meter weiter liegt Reus am Boden. Kurz darauf, mit der Halbzeitpause, ist sein Spiel vorbei.

Der BVB schießt in einem Finale ein Tor, das 1:0 gegen Frankfurt. Und Marco Reus verletzt sich in genau dieser Szene. Wie viel Pech passt eigentlich in ein Sportlerleben?

Er werde notfalls auch mit einem Bein spielen, hatte Reus ja vor dem Pokalfinale gesagt, nur für den Fall, dass ihn kurzfristig wieder irgendein Schmerz ereilen sollte. Hat er dann aber doch nicht gemacht - als ein Bein (bzw. ein Knie) streikte, war die Partie für ihn dann doch vorbei. Wieder mal. "Es war der gesunde Menschenverstand, der mir letztlich gesagt hat, dass es nicht mehr geht", meinte Reus. Also ließ er sich auswechseln. Später meinte er, er habe "vielleicht ein bisschen Kreuzband", wobei die genaue Diagnose tags darauf laut Bild-Zeitung ergab: Teilriss des Kreuzbandes im rechten Knie.

Der beste titellose Fußballer der Republik

Marco Reus, 27, hat in seiner Karriere oft ein unterkühltes Verhältnis zum Glück und zum Timing gepflegt, er war bis zum Samstag der wahrscheinlich beste titellose Fußballer der Republik. Wann immer sich die Chance auf einen Titel näherte, kam ihm irgendein Syndesmosebandanriss, Sonstnochwasbruch oder ein hundsgemein guter Gegner wie der FC Bayern dazwischen. Das war so vor der WM 2014, vor der EM 2016 oder halt bei diversen Endspielen in Pokal und Champions League. Reus war einer der wenigen Spieler, die dreimal hintereinander im Finale nicht den DFB-Pokal hatten gewinnen können. Nun also dieses Endspiel 2017 in Berlin. Und wieder eine Verletzung.

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Der Nationalspieler verletzt sich und gewinnt trotzdem und Ousmane Dembélé wird zur neuesten Berliner Attraktion. Der BVB in der Einzelkritik.

Andererseits war es ja so: Reus hatte, live und in Farbe, bei einem Finale auf dem Platz gestanden und dieses gewonnen. Er war 45 Minuten lang gerannt, hatte gedribbelt, ein Mal hatte er auch sehr ernsthaft aufs Tor geschossen. Er war, als Dortmund nach dem 2:1-Sieg gegen Frankfurt den Siegerpokal erhielt, eine Halbzeit lang auf dem Platz gewesen, und praktischerweise ist der moderne Fußball dann doch noch nicht so weit, dass es dafür nur einen halben Titel gibt.

Genau so wenig, wie es - nur als Beispiel - für Erik Durm einen Vierzehn-Minuten-Titel gibt. Marco Reus hat also einen Titel gewonnen, endlich. Er ist Pokalsieger, und wer wissen wollte, wie er sich fühlte, traurig oder glücklich, der musste ihm nur nach dem Abpfiff zusehen. Er riss die Arme hoch, er hüpfte (wenn auch sehr unrund), er lächelte. Und später reckte er bei der Siegerzeremonie als zweiter Dortmunder den Pokal in die Berliner Nacht, nach Kapitän Marcel Schmelzer.

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