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Rekord von Konstanze Klosterhalfen:Wilder Ritt in andere Dimensionen

Leichtathletik - DM

Konstanze Klosterhalfen war viel zu schnell für den Rest in Berlin.

(Foto: dpa)
  • Läuferin Konstanze Klosterhalfen knackt in Berlin einen Uralt-Rekord in der deutschen Leichtathletik über 5000 Meter.
  • Mancher Beobachter hat bei ihr Zweifel, weil sie zuletzt enorme Leistungssprünge gemacht hat.

Konstanze Klosterhalfen ist schon 22 Jahre alt, aber sie hat sich eine unbekümmerte Fröhlichkeit bewahrt, manche würden wohl auch sagen: eine jugendliche Naivität. Als ihr am Samstagabend das Maskottchen der deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Berliner Olympiastadion in die Quere kam, hüpfte sie dem Plüschbär kurzerhand auf den Rücken und ließ sich kichernd über die blaue Bahn tragen - ein Kind hätte kein größeres Vergnügen haben können bei diesem wilden Ritt.

Zuvor hatte Klosterhalfen einen noch wilderen Ritt hingelegt und über 5000 Meter den Titel gewonnen sowie einen neuen deutschen Rekord aufgestellt. In einem furiosen Alleingang trat sie die 20 Jahre alte Bestmarke von Irina Mikitenko regelrecht in Grund und Boden. Die Frankfurterin war ebenfalls in Berlin 14:42,03 Minuten gelaufen, Klosterhalfen indes schon nach 14:26,76 Minuten im Ziel, eine Steigerung ihrer persönlichen Bestzeit um 25 Sekunden und des deutschen Rekords sogar um sagenhafte 15 Sekunden. Weltweit waren nur zwölf Läuferinnen jemals schneller, in Europa sogar nur drei. "Das war schon spektakulär", urteilte Idriss Gonschinska, der Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Die 26 200 Zuschauer am Ort waren vor allem davon beeindruckt, dass Klosterhalfen kurz vor dem Ziel selbst die Drittplatzierte Miriam Dattke aus Regensburg (15:41,71) noch überrundete; nur die Ulmerin Alina Reh (15:19,42) holte sie nicht mehr ein. Die U23-Europameisterin über 10 000 Meter war dennoch frustriert: "Konstanze war heute Weltklasse, und ich war eher nur Regionalliga", sagte sie.

Die 1,74 Meter große und nur knapp 50 Kilogramm schwere Klosterhalfen hatte ihr Pensum wie eine Maschine abgespult, für die einzelnen Runden brauchte sie zwischen 69 und 71 Sekunden, die Kilometerzeiten lagen bei 2:55 Minuten. Nur am Schluss hielt sie dieses Tempo nicht mehr ein, da wurde sie erstaunlicherweise noch schneller: Die letzten 1000 Meter legte sie in 2:49 Minuten zurück, die letzte 400-Meter-Runde in 65,3 Sekunden. "Ich habe gedacht: Jetzt nur noch alles geben", sagte sie. Geplant sei der Rekord jedenfalls nicht gewesen, versicherte sie: "Ich wusste in etwa, wo er lag. Aber ich wollte einfach nur so schnell laufen, wie es geht."

Leichtathletik 25 Sekunden schneller als zuvor
5000-Meter-Läuferin Klosterhalfen

25 Sekunden schneller als zuvor

Seit Konstanze Klosterhalfen zur umstrittenen Oregon-Trainingsgruppe gewechselt ist, macht sie enorme Leistungssprünge. Bei den Meisterschaften in Berlin pulverisiert sie den deutschen 5000-Meter-Rekord.   Von Joachim Mölter

Seit die Athletin von Bayer Leverkusen im vorigen Herbst in die USA gezogen ist, um am Firmensitz der Sportartikelfirma Nike nahe Portland in dessen sogenannten Oregon Project mitzutrainieren, rennt sie schneller denn je. Beim Diamond-League-Meeting in Stanford hatte sie Ende Juni bereits ihren eigenen DLV-Rekord über 3000 Meter deutlich gesteigert, von 8:29,89 auf 8:20,07 Minuten. "Ich kann jetzt auf einem höheren Level trainieren", erklärt sie. Das Training in den USA sei "auf jeden Fall intensiver, aber auch schlauer. Nur hart trainieren nützt ja auch nichts". Die Regenerationsmaßnahmen beispielsweise seien "auch noch mal auf einem höheren Niveau" im Vergleich zu Deutschland: "Das macht schon was aus", findet sie.