Olympia:Duplantis gewinnt Gold im Stabhochsprung

Lesezeit: 8 min

Athletics - Olympics: Day 11

Armand Duplantis gewinnt den Stabhochsprungwettbewerb.

(Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Der Schwede verpasst dabei nur knapp seinen eigenen Weltrekord. Elaine Thompson-Herah gewinnt auch die 200 Meter. Lukas Dauser holt am letzten Wettkampftag die erste Medaille für die deutschen Turner. Die Meldungen aus Tokio.

Der Schwede Armand Duplantis ist Olympiasieger im Stabhochsprung. Der 21 Jahre alte Weltrekordler flog am Dienstag in Tokio ohne Fehlversuch über 6,02 Meter und holte sich seine erste Goldmedaille. Duplantis scheiterte erst knapp, als er versuchte seine eigene Bestmarke von 6,18 Metern um einen Zentimeter zu verbessern. Silber sicherte sich der US-Amerikaner Christopher Nilsen (5,97) vor Rio-Olympiasieger Thiago Braz aus Brasilien (5,87).

Die deutschen Stabhochspringer Oleg Zernikel und Bo Kanda Lita Baehre meisterten nur die 5,70 Meter und hatten mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun. Der in Landau ansässige deutsche Meister Zernikel wurde Neunter, der Weltmeisterschafts-Vierte Lita Baehre aus Leverkusen landete auf einem geteilten elften Platz. Der Leverkusener Torben Blech war schon in der Qualifikation ausgeschieden. London-Gewinner Renaud Lavillenie plagte sich mit Knöchelproblemen durch den Wettkampf. Der Franzose überwand nur 5,70 Meter und wurde damit Achter.

200 Meter: Elaine Thompson-Herah hat drei Tage nach ihrem Triumph über 100 Meter auch die 200 Meter gewonnen. Die 29 Jahre alte Jamaikanerin rannte am Dienstag nach 21,53 Sekunden ins Ziel. Sie stellte damit einen Landesrekord für den Karibik-Staat auf, blieb aber über dem Uralt-Weltrekord von Florence Griffith-Joyner (21,34). Thompson-Herahs Teamrivalin Shelly-Ann Fraser-Pryce verpasste in 21,94 Sekunden als Vierte überraschend eine Medaille. Silber ging an Christine Mboma aus Namibia in 21,81 Sekunden - so schnell war noch nie eine 18-Jährige auf dieser Distanz. Bronze holte die Amerikanerin Gabrielle Thomas (21,87).

Die Zeit von Griffith-Joyner von den Sommerspielen 1988 in Seoul gilt als Rekord für die Ewigkeit. Die Amerikanerin, die stets von Doping-Gerüchten umgeben war, starb 1998 im Alter von nur 38 Jahren. Thompson-Herah war über 100 Meter auf elf Hundertstel an den 33 Jahre alten Rekord von Griffith-Joyner (10,49 Sekunden 1988 in Indianapolis) herangekommen. Über 200 Meter wiederholte sie nun ihren Erfolg von Rio de Janeiro 2016. Sie kann mit Jamaikas 4 x 100-Meter-Staffel, die vor fünf Jahren Zweiter wurde, ihr viertes olympisches Gold erobern.

Weitere Meldungen aus Tokio

Hockey: Der Traum vom fünften Gold ist geplatzt: Die deutschen Hockey-Männer spielen bei den Olympischen Spielen in Tokio nur um Bronze. Die Mannschaft von Bundestrainer Kais al Saadi verlor im Halbfinale gegen den dreimaligen Weltmeister Australien mit 1:3 (1:2).

Lukas Windfeder (10.) erzielte das Tor für die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), die am Donnerstag (3.30 Uhr MESZ) im kleinen Finale auf Rekord-Olympiasieger Indien trifft. Tim Brand (7.), Blake Govers (27.) und Lachlan Sharp (59.) trafen für die Australier, die gegen Weltmeister Belgien um Gold spielen.

Beim frühen Rückstand war die deutsche Abwehr kurz unsortiert, doch Windfeder glich nach der ersten Strafecke mit seinem sechsten Turniertor aus. Die nächsten drei Versuche misslangen jedoch, Australien traf kurz vor der Pause nach seiner ersten Strafecke. Die DHB-Auswahl erhöhte nach der Pause den Druck, der erneute Ausgleich gelang aber nicht mehr - auch nicht, als al Saadi drei Minuten vor Schluss Torhüter Alexander Stadler zugunsten eines weiteren Stürmers herausnahm.

Die Serie mit vier Medaillen in Folge droht nun zu reißen. 2008 und 2012 war den DHB-Männern der Olympiasieg gelungen, 2004 und 2016 holte Deutschland jeweils Bronze. 2000 in Sydney hatte es zuletzt keine Medaille gegeben.

Turnen: Am letzten Wettkampftag hat Lukas Dauser dem Deutschen Turner-Bund (DTB) am Barren die erste Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio beschert. Der EM-Dritte aus Unterhaching holte am Dienstag mit 15,700 Punkten Silber. Gold ging an den Chinesen Zou Jingyuan (16,233), Bronze gewann Ferhat Arican (Türkei/15,633).

"Es ist unfassbar geil, ich bin richtig froh und happy", sagte der überglückliche Dauser im ZDF: "Dass ich dieses Silber mit nach Hause nehmen darf, ist für mich das Größte auf dieser Welt." Der 28-Jährige fühlte sich gar "wie im Film", denn: "Ich kann es gar nicht realisieren, ich brauche noch ein paar Minuten."

Damit verhinderte Sportsoldat Dauser die ersten medaillenlosen Spiele für den DTB seit Sydney vor 21 Jahren. In Rio 2016 in Rio hatten die Kunstturner noch zweimal Edelmetall gefeiert. Fabian Hambüchen gewann Gold am Reck, dazu turnte Sophie Scheder zu Bronze am Stufenbarren.

Tischtennis: Die Tischtennis-Männer um Bronzegewinner Dimitrij Ovtcharov sind bei den Olympischen Spielen wie die Damen ins Halbfinale eingezogen. Im Viertelfinale des Team-Wettbewerbs setzte sich die Auswahl am Dienstag in Tokio 3:2 gegen Taiwan durch. Im Kampf um das Erreichen des Endspiels bekommen es Ovtcharov, Timo Boll und Patrick Franziska am Mittwoch (12.30 Uhr/MESZ) mit Japan zu tun.

Für die Männer ist es der vierte Halbfinaleinzug in Serie nach 2008, 2012 und 2016. Gegen die Japaner hatte das deutsche Team vor fünf Jahren in Rio de Janeiro das Halbfinale verloren, die Sommerspiele dann aber mit der Bronzemedaille beendet. Im Viertelfinale von Tokio sorgten Boll und Franziska im Doppel für den ersten Punkt, als sie beim 3:1 (11:0, 6:11, 11:6, 12:10) gegen Chen Chien An und Chuang Chih-Yuan eindrucksvoll begannen.

In der Neuauflage seines Bronze-Matches konnte anschließend Ovtcharov seinen Erfolg aus dem Einzel-Wettbewerb nicht wiederholen. In fünf Sätzen musste sich der 32-Jährige 2:3 (12:10, 12:14, 7:11, 14:12, 7:11) gegen Lin Yun-Ju geschlagen geben. Auch Franziska verlor gegen Lin Yun-Ju. Doch jeweils ohne Satzverlust sicherten Boll gegen Chen Chien-An und Ovtcharov gegen Chuang Chih-Yuan die notwendigen Siege. Zuvor hatten bereits die Frauen durch ein 3:2 gegen Südkorea den Einzug ins Halbfinale geschafft. Sie treffen am Mittwoch (03.00 Uhr MESZ) auf die Topfavoritinnen aus China.

Ringen: Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler ist bei den Olympischen Spielen in Tokio auf dramatische Art und Weise im Viertelfinale gescheitert. Das Duell des Musbergers mit dem Iraner Mohammad Reza Geraei am Dienstag endete 5:5. Da Stäbler in der Schlussphase des von beiden Seiten hitzig geführten Duells aber eine Verwarnung und somit die letzten zwei Punkte gegen sich kassierte, war sein Gegner der Sieger.

Stäbler muss nun hoffen, dass Geraei das Finale erreicht. Nur dann dürfte der 32-Jährige im letzten Turnier seiner Karriere in der Hoffnungsrunde der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm weitermachen und hätte über diese am Mittwoch noch die Chance auf Bronze und einen krönenden Abschluss seiner Laufbahn.

Auch Stäblers Griechisch-römisch-Kollege Denis Kudla verlor sein Viertelfinale in der Klasse bis 87 Kilogramm gegen Viktor Lörincz. Auch hier gab beim Endstand von 1:1 die letzte Wertung den Ausschlag zugunsten des topgesetzten Ungarn, den Kudla in einem der Bronze-Kämpfe der Spiele 2016 in Rio de Janeiro noch besiegt hatte. Der 26-Jährige aus Schifferstadt muss nun ebenfalls hoffen, dass sein Gegner ins Finale einzieht. Dann hätte er noch eine Medaillenchance.

Tischtennis: Die deutschen Tischtennis-Frauen haben im Mannschafts-Wettbewerb das Halbfinale erreicht. Die an drei gesetzten Petrissa Solja, Shan Xiaona und Han Ying behaupteten sich im Viertelfinale knapp mit 3:2 gegen Südkorea. Damit wahrten die Olympia-Zweiten von 2016 ihre Medaillenchance. Allerdings treffen die Deutschen in der Vorschlussrunde am Mittwoch (3 Uhr MESZ) aller Voraussicht nach auf die Topfavoritinnen aus China. Die Chinesinnen treten in der Runde der besten Acht am Dienstag (07.30 Uhr MESZ) noch gegen Singapur an.

Den entscheidenden Punkt im letzten Einzel gegen Südkorea sicherte Shan Xiaona mit einem 3:0 (11:8, 11:6, 11:9) gegen Choi Hyojoo. Mit dem ersten Matchball machte sie das Weiterkommen perfekt. Zuvor hatte Han Ying ihre beiden Einzel gewonnen und damit zweimal Rückstände ausgeglichen. Das Doppel mit Petrissa Solja und Shan Xiaona sowie Solja im Einzel mussten Niederlagen gegen die an Position sieben gesetzten Südkoreanerinnen hinnehmen. Vor fünf Jahren hatte die deutsche Frauen-Mannschaft in der gleichen Besetzung im Finale von Rio de Janeiro gestanden und nach einer klaren Niederlage gegen China die Silbermedaille gewonnen.

Tokio 2020 - Tischtennis

Erleichtert nach einem spannenden Kampf: Han Ying steht mit dem deutschen Frauen-Team im Tischtennis-Halbfinale von Tokio.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Basketball: Deutschlands Basketballer sind im Viertelfinale am übermächtigen Europameister Slowenien um Weltklassespieler Luka Doncic gescheitert. Durch das 70:94 (37:44) am Dienstag in Saitama verpasste das Team von Bundestrainer Henrik Rödl die erstmalige Qualifikation für ein Halbfinale bei Sommerspielen. Während die Slowenen am Donnerstag gegen Frankreich oder Italien um den Einzug ins Endspiel kämpfen, endete für die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds der insgesamt gute Sommer mit einer Enttäuschung. Bester Werfer war Maodo Lo mit elf Punkten. Doncic kam auf 20 Zähler und glänzte mit elf Vorlagen als Ballverteiler. Die DBB-Auswahl stand vor leeren Rängen in der Saitama Super Arena erst zum dritten Mal überhaupt in der Runde der besten Acht bei Olympia. 1984 in Los Angeles gab es das Aus gegen Gastgeber USA, acht Jahre später in Barcelona war die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten eine Nummer zu groß.

Die US-Basketballer haben hingegen einen wichtigen Schritt zum vierten Olympiasieg nacheinander gemacht. Der Gold-Favorit setzte sich am Dienstag im Viertelfinale gegen Weltmeister Spanien klar mit 95:81 (43:43) durch und steht im Halbfinale. Für die Mannschaft von Trainer Gregg Popovich war Kevin Durant mit 29 Punkten erfolgreichster Werfer. Für die Spanier, die bereits bei Olympia 2016 im Halbfinale an den USA gescheitert waren, traf Ricky Rubio (38) in Saitama am sichersten. Die Amerikaner hatten 2008, 2012 und 2016 jeweils Gold gewonnen. Die USA treffen am Donnerstag im Halbfinale auf den Sieger der Begegnung zwischen Australien und Argentinien.

Beachvolleyball: Olympiasiegerin Laura Ludwig und ihre Partnerin Margareta Kozuch haben den Einzug ins Halbfinale verpasst. Im Viertelfinale unterlag das Duo aus Hamburg den Weltranglistenfünften Alix Klineman/April Ross aus den USA 0:2 (19:21, 19:21). "Es ist bitter, es war ein knappes Spiel", sagte Ludwig im ZDF. "Es war sehr lange ausgeglichen, keiner ist weggezogen, deswegen ist es im Nachhinein umso bitterer. Es ist auch ein kleines Lächeln da, aber im Großen und Ganzen muss man das jetzt erstmal sacken lassen."

Von den ursprünglich drei deutschen Duos in Japan ist damit nur noch das Team aus Julius Thole und Clemens Wickler im Wettbewerb. Die WM-Zweiten treffen in ihrem Viertelfinale am Mittwoch (15 Uhr MESZ) in einer Neuauflage des WM-Finals von vor zwei Jahren auf Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski aus Russland.

Laura Ludwig, Margareta Kozuch

So nah dran am Halbfinale: Laura Ludwig (links) und Margareta Kozuch.

(Foto: Petros Giannakouris/AP)

Kanusport: Sebastian Brendel hat den deutschen Rennsport-Kanuten mit seinem Partner Tim Hecker im Zweier gleich am ersten Finaltag die erhoffte erste Medaille beschert. Das Duo aus Potsdam und Berlin paddelte im Finale über 1000 m aufs Podest, verpasste aber trotz beherzten Endspurts knapp den großen Wurf. Die Enttäuschung bei Brendel nach seinem verpassten vierten olympischen Gold-Coup hielt sich aber in Grenzen - der Stolz überwog. "Wir sind echt glücklich mit der Bronzemedaille. Unser Rennen war stark, wir haben das umgesetzt, was wir wollten", sagte der 33-Jährige. "Nichtsdestotrotz würden wir auch gerne ganz oben stehen." In Rio hatte Brendel im C2 mit seinem damaligen Partner Jan Vandrey die Goldmedaille gewonnen.

Insgesamt blieben die deutschen Rennsport-Kanuten am Dienstag allerdings etwas hinter den Erwartungen zurück. Jacob Schopf verpasste das erhoffte Edelmetall im Kajak-Einer als Vierter um 76 Tausendstel, der Kajak-Zweier der Frauen mit Sabrina Hering-Pradler und Tina Dietze kam im Finale auf den letzten Platz.

Für Routinier Brendel und den zehn Jahre jüngeren Hecker waren Kuba und China im Finale über 1000 m auf dem Sea Forest Waterway in Tokio zu stark, nach verhaltenem Start fehlten letztlich sechs Zehntelsekunden auf die erhoffte Goldmedaille. Noch deutlich knapper war es für Schopf - für ihn wurde das erste Olympia-Finale zum kleinen Drama. Der 22-Jährige verpatzte den Start, arbeitete sich im Rennverlauf aber immer näher an die Medaillenränge. Doch im Fotofinish hatte der Portugiese Fernando Pimenta das bessere Ende im Rennen um Rang drei. Gold ging an den Ungarn Balint Korpasz, Silber holte dessen Landsmann Adam Varga.

Hering-Pradler und Dietze hatten im Finale über 500 m über sechs Sekunden Rückstand auf das Siegerboot aus Neuseeland. Silber ging an Polen, Ungarn holte Bronze. Für den dreimaligen Olympiasieger Brendel ist es nach Gold in London 2012 und dem doppelten Triumph in Rio die vierte Olympia-Medaille. Im Einer hofft er ab Freitag ebenfalls auf einen Erfolg. Brendel könnte als erster Athlet zum dritten Mal in Serie Olympiasieger im C1 werden.

In Rio hatten die deutschen Kanuten viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze gewonnen. Ein ähnliches Ergebnis soll auch in Japan her. Es gehe vor allem um "hochwertige Medaillen, wir wollen auf Gold gehen", kündigte DKV-Sportdirektor Jens Kahl an.

Handball: Frankreichs Handballer haben in Tokio das Halbfinale erreicht. Der Rekordweltmeister ließ dem krassen Außenseiter Bahrain beim 42:28 (21:14) keine Chance und erreichte damit zum vierten Mal in Serie die Runde der letzten Vier. 2008 und 2012 war Frankreich Olympiasieger, 2016 in Rio gewann das Team um Nikola Karabatic die Silbermedaille. Im zweiten Viertelfinale besiegte Spanien nach einer Aufholjagd den Weltmeisterschaftszweiten Schweden mit 34:33 (18:20). Der Europameister lag in der zweiten Halbzeit schon mit 25:29 zurück, ehe er das Spiel noch drehte. Spanien greift damit erstmals seit dem Bronzegewinn 2008 wieder nach einer Medaille. Gegner im Halbfinale ist der Sieger der Partie zwischen Topfavorit Dänemark und Norwegen. Die Franzosen treffen in ihrem Halbfinale am Donnerstag auf den Sieger der Partie zwischen Deutschland und Ägypten. Bester Werfer beim lockeren Sieg gegen Bahrain war Kentin Mahe mit neun Treffern. Karabatic, der in Tokio seine fünften Olympischen Spiele bestreitet, erzielte zwei Tore.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB