Stilkritik zu deutschen Olympia-Outfits:Wie zu heiß gewaschene Clowns

Lesezeit: 1 min

Stilkritik zu deutschen Olympia-Outfits: Team Germany ist bei Olympia erfolgreich - aber die schöneren Klamotten tragen andere.

Team Germany ist bei Olympia erfolgreich - aber die schöneren Klamotten tragen andere.

(Foto: Ezra Shaw/Getty Images)

Die Designer des deutschen Olympia-Dresses wollten etwas Besonderes - doch das Fazit fällt vernichtend aus. Deutschlands Sportkleidung wirkt auch in China unglücklich und schrankartig.

Von Tanja Rest

Eine abschließend gültige Wahrheit lautet, dass mit den deutschen Nationalfarben modisch nichts anzufangen ist. Andere Nationen mit anderen Farben haben es durch die Bank besser erwischt. Frankreich zum Beispiel: C'est formidable. Italien: Magnifico. Brasilien: Caramba!

Die deutschen Nationalfarben hingegen sind und bleiben das Äquivalent zur Schrankwand aus Eiche: sperrig, wuchtig, keine Spur von Esprit und Eleganz - unzählige gescheiterte Versuche auf den Laufstegen internationaler Sportwettbewerbe haben es bewiesen.

Auch die Designer von Adidas müssen auf den letzten Metern bemerkt haben, dass mit Schwarz-Rot-Gold kein Fashion-Pokal zu gewinnen ist, weshalb sie das Rot gedimmt und das Gold zu einem sorbethaft-säuerlichen Gelbgrünbraun verwässert haben. Mit dem Ergebnis, dass die deutschen Athleten im Stadion von Peking einliefen wie farblich zu heiß gewaschene Clowns.

Kann man sich die deutschen Olympia-Anzüge schön fernsehen?

Seither hat man in vielen Bildschirmstunden versucht, sich den deutschen Olympia-Anzug schön zu fernsehen. Man hat probiert, die schrankartige Anmutung der Jacken auszublenden (wodurch der Blick auf die fantasielosen Mützen fiel). Man hat sich gesagt, dass auch das edle Haus Dior in seiner Frühjahrskollektion Colour Blocking empfiehlt (wenn auch mit glücklicheren Farben). Vergebens.

Was haben sich die Kreativen dabei gedacht? Oh, so einiges. "Die Neuinterpretation der Nationalfarben bringt rebellischen Optimismus zum Ausdruck", teilt das Haus Adidas mit. Und: "Das zeitlose Schwarz schafft eine Verbindung zum Gastgeberland, dessen Horoskop 2022 im Jahr des Schwarzen Wassertigers steht."

Wer hätte es vermutet. Während man beim Anblick der deutschen Athleten peinlich berührt zusammenfuhr, haben 1,42 Milliarden Chinesen vor ihren Fernsehern gejubelt: Juhu, die Deutschen haben an das Jahr des Schwarzen Wassertigers gedacht! Fazit Olympia-Dress: hässlich wie lange nicht, dafür rebellischer, optimistischer, achtsamer als jemals zuvor.

Zur SZ-Startseite

Olympia
:Sie war die schlechteste in ihrer Biathlon-Klasse

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Nun nimmt Marte Olsbu Röiseland aus jedem Olympia-Rennen eine Medaille mit - geholfen haben ihr die Lehren aus einer verkorksten WM.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB