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Österreich in der WM-Qualifikation:15 Minuten, vier Gegentore, viele Fragen

David Alaba spielt im Nationalteam offensiver als bei den Bayern, aber gegen Dänemark gelang auch ihm nicht allzu viel.

(Foto: Ronald Zak/AP)

Österreichs Nationalmannschaft blamiert sich gegen Dänemark und ist vor der EM in Diskussionen um Trainer Franco Foda und David Alaba verstrickt.

Von Felix Haselsteiner

Herbert "Schneckerl" Prohaska gilt zwar gemeinhin nicht als der eloquenteste der Fußball-Fernsehexperten, doch er ist ein Meister der prägnanten, simplen Analyse eines Fußballspiels. Während manch österreichischer Nationalspieler noch völlig überfordert mit Ergebnis und Spielverlauf wirkte - so wie der Frankfurter Stefan Ilsanker, der sagte: "Wieso wir so eine Partie 4:0 verlieren, ist nach dem Spiel schwer erklärbar" - war dem Schneckerl völlig klar, wie die höchste Heimniederlage der österreichischen Fußballgeschichte zustande gekommen war: "Der Schmeichel, der Torhüter von den Dänen, hat keinen einzigen Ball gehalten", sagte Prohaska: "Das sagt natürlich aus, dass wir keine Chance hatten."

Die Liste der Fragen zur nahen und ferneren Zukunft der österreichischen Nationalmannschaft war vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen den mutmaßlichen Gruppen-Favoriten Dänemark ohnehin schon etwa so lang wie die Schlange vor der Corona-Teststraße in unmittelbarer Nähe des Ernst-Happel-Stadions. Nun kommen noch ein paar Fragen dazu, etwa die, ob diese überaus talentierte Mannschaft denn nach 2016 erneut bei einer Europameisterschaft unter ihrem Niveau bleiben wird?

Gegen Dänemark spielten die Österreicher 45 Minuten ganz ordentlich, dann in der zweiten Halbzeit katastrophal. Die Bundesliga- und teils Champions-League-erprobte Offensivreihe aus David Alaba, Marcel Sabitzer, Christoph Baumgartner und Sasa Kalajdzic blieb gänzlich ohne Torschuss und trug ihren Teil zu einem 15 Minuten langen defensiven Desaster bei, als sich die Offensiven aufmachten, um ins Pressing zu gehen, während die Viererkette hinten stehen blieb, um sich mit langen Pässen überspielen zu lassen. Prompt hagelte es zwischen der 58. und der 73. Minute vier Gegentore (zweimal Andreas Skov Olsen, Joakim Maehle und Pierre-Emil Höjbjerg) - und hinterher das schöne Wort "Schmach", das in Österreich stets für besondere Anlässe reserviert ist.

Auch Ilsanker, eigentlich einer, der immer gern im Interview zur Verfügung steht, weil er in der Regel Antworten findet, schien das alles zu schnell zu gehen: "Nach dem 0:1 war es okay, ich hab' nicht das Gefühl gehabt, dass wir das Spiel verlieren." Die Mannschaft hätte schon noch dran geglaubt, dass die Dänen schlagbar waren. Prohaskas Konter im ORF ist auch in diesem Fall eine herausragende Referenz: "Man konnte nicht lang dran glauben, weil wir haben die ersten drei Tore ja in acht Minuten bekommen."

Auch Foda könnte nach der EM den Löw-Weg gehen

Die Fragen rund um die österreichische Nationalmannschaft drehen sich nun vor allem um Trainer Franco Foda, der nach dem Spiel im Stile einer Bundeskanzlerin die Kritik auf sich nahm: "Ich bin verantwortlich für die Truppe." Manch einer sieht in Österreich genau darin die Problematik, denn Foda versucht es weiterhin mit einem beachtlich lahmen und unansehnlichen Verwaltungsfußball, der schon beim 2:2 gegen Schottland in der Vorwoche zu spielerischer Armut und an den Rand einer Niederlage führte.

Nichts ist zu sehen von der mutigen Spielweise, mit der die Österreicher vor einigen Jahren unter Marcel Koller aufgetreten sind und die damals kurzzeitig zu einer gewissen Fußball-Euphorie im Land geführt hatte. Aktuell tendiert die Begeisterung für Rot-Weiß-Rot jedoch ungefähr in die Untiefen der deutschen Begeisterung für Schwarz-Rot-Gold. Dass auch Foda bald den Löw-Weg gehen könnte, erscheint durchaus denkbar. Wenn einem Trainer, der Ergebnisfußball spielen lässt, die guten Ergebnisse fehlen, ist das ein schlechtes Zeichen.

Bis auf weiteres vertraut ihm der Verband aber. "Eine Teamchef-Diskussion ist komplett unangebracht zu diesem Zeitpunkt", sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner am Donnerstag der Nachrichtenagentur APA. "Der Teamchef hat die Qualifikation für die Euro geschafft, daher werden wir auch mit ihm in die EM gehen."

Das zweite große Diskussionsthema begleitet den österreichischen Fußball seit der Zeit, in der aus dem jungen philippinisch-nigerianischen Wiener David Olatukunbo Alaba ein Weltklasse-Linksverteidiger wurde. Seitdem nämlich wird zwischen Nationaltrainern, Fernsehexperten, Fans, Alaba selbst und manchmal sogar seinem Vater immer wieder darüber debattiert, in welcher Rolle er den Österreichern am meisten helfen könnte.

In den drei WM-Qualifikationsspielen gegen Schottland, die Färöer und nun gegen Dänemark spielte Alaba wieder einmal Links und meist offensiv. Und nicht etwa in der Rolle als Innenverteidiger, in der er beim FC Bayern so herausragend agiert, dass dem Hörensagen nach die halbe europäische Vereinselite ihn jagt. Die Ursache für die Positionsdebatte sind in einer häufig erzählten Version die Trainer, die Alaba nicht überreden können, nicht im Mittelfeld aufzulaufen. In einer anderen Version ist es der Spieler, der seit jeher darauf pocht, im Nationalteam weiter vorne zu spielen.

Alaba selbst sah immerhin in der dänischen Nationalmannschaft ein Vorbild, in der übrigens sämtliche vorhandene Weltklassespieler auf ihren angestammten Idealpositionen spielten: "Dänemark hat es so gemacht, wie wir es machen wollten", sagte Alaba. Um dann einen Satz folgen zu lassen, der das Verhältnis zwischen Mannschaft, Trainer und Nation so pointiert zusammenfasste, dass selbst Herbert Prohaska es nicht besser hingebracht hätte: "Wir wollten mutig Fußball spielen, aber es ist komplett das Gegenteil passiert."

© SZ/bek
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