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E-Sport und NBA2K:Es geht zu wie in der echten NBA

Um kurz nach 17 Uhr betritt Liga-Chef Brandan Donuhue erstmals an diesem frühen Abend die Bühne und verkündet den Namen des "First Pick": Wie in der echten Basketballliga darf, vereinfacht gesagt, das schlechteste Team der Vorsaison zuerst wählen: die Utah Jazz. Der amtierende NBA2K-Meister, die New York Knicks, wählen als Letzte - ausgerechnet jene Knicks, die im wirklichen Basketball zur Lachnummer der Liga verkommen sind. Vielleicht sollte sich der Verein künftig einfach aufs Computerspielen verlegen.

Jazz Gaming hat sich für Spencer Wyman entschieden. Er schüttelt ein paar Hände, setzt sich die Baseballmütze auf und stakst im weinroten Anzug auf die Bühne. "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Den ganzen Tag fiebert man dem Abend entgegen - und dann das", sagt Wyman in das Mikrofon des Interviewers und setzt damit den Ton für den Abend: Manche der Auserwählten danken ihren Eltern, andere sind überwältigt, wieder andere sagen, der Star sei die Mannschaft. Die Nichtigkeit der Aussagen liegt bereits bereits auf Profi-Niveau.

Als zweiten Spieler ziehen die Warriors aus Oakland, im wirklichen Basketball zuletzt zwei Mal nacheinander Meister, Samuel Salyers, auf Platz drei folgt Michael Diaz, der künftig für die Kings aus Sacramento spielen wird. So geht das weiter im Zwei-Minuten-Abstand, jedes Mal nimmt Donuhue die paar Stufen hoch auf die Bühne wieder schwungvoll in Angriff, während sich unten im Saal langsam so ein bisschen Langeweile breit macht. Nach einer halben Stunde sind von den 75 freien Plätzen gerade einmal zehn vergeben, mit jedem weiteren Treppenlauf des Liga-Chefs wird die Veranstaltung ein bisschen zäher.

Der deutsche Computerspieler Jannis Neumann, der in der ersten Saison den Center der Dallas Mavericks steuerte und damals auch den echten Basketballer Dirk Nowitzki traf, wird diesmal nicht gewählt, und auch Jordan Sowers wird von der Profikarriere vorerst nur träumen können. Dafür wählen die Warriors an Platz 56 mit Chiquita Evans erstmals eine junge Frau. "Ich musste mich nach oben kämpfen. Ich habe in meiner Karriere manchmal den Ball nicht mehr bekommen, wenn die Jungs über das Headset festgestellt haben, dass ich eine Frau bin", sagte sie nach dem Draft: "Jetzt freue ich mich darauf, auf dem Trainingsgelände der Warriors-Anführer Steph Curry und Kevin Durant zu treffen - und dann zu beweisen, dass ich es tatsächlich verdient habe, in dieser Liga zu spielen."

© SZ.de/jbe
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