Löw über Hummels, Boateng, Müller "Sie haben ja auch nichts verbrochen"

  • Joachim Löw äußert sich in Frankfurt zu Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller.
  • Er plane auf dem Weg zur EM 2020 ohne sie, bestätigt Löw.
  • Der Bundestrainer sagt aber auch: "Wir haben sie nicht aus der Nationalmannschaft verbannt, sie haben ja auch nichts verbrochen."
Von Carsten Scheele

Am Mittwochabend saß Joachim Löw auf der Zuschauertribüne in München. Der Bundestrainer hat dabei nicht nur das verdiente Aus des FC Bayern in der Champions League gegen Liverpool beobachtet, sondern durfte sich auch für den Moment in seiner jüngsten Personalpolitik bestätigt fühlen. Drei prominente Bayern-Spieler hatte er zuvor unter großem Aufsehen handstreichmäßig aus der Nationalmannschaft entfernt: Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller.

Der Bundestrainer wäre gewiss in Erklärungsnöte geraten, hätten die drei gegen Liverpool nun Riesenspiele gemacht. Doch so musste Hummels als Abwehrchef drei Gegentreffer hinnehmen, Boateng saß nur auf der Bank. Müller konnte sich gar nicht erst bewähren - er war ja gesperrt.

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Der Bayern-Profi reagiert mit harter Kritik auf sein Ende in der Nationalmannschaft. Das Vorgehen des DFB habe mit Wertschätzung "nichts zu tun".

Am Freitagmittag saß Löw dann beim Medientermin in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main, um seinen Kader für die kommenden Länderspiele bekanntzugeben. Um sich aber auch zu den drei Personalien zu äußern, bei denen er zuvor per Verbandsmitteilung für scheinbare Klarheit gesorgt hatte. 2019 sei "das Jahr des Neubeginns", hatte Löw erklärt. An diesen Worten störten sich vor allem Hummels und Müller, die sich mit der Endgültigkeit des Entscheids nicht abfinden wollten. Hummels betonte, dass er ein Comeback im Nationalteam nicht ausschließe, auch Müller hat schon entsprechende Andeutungen gemacht ("Das Spiel ist noch nicht aus").

Die drei Weltmeister hätten "nichts verbrochen", sagt Löw

Und Löw? Redete viel am Freitagmittag, wich der entscheidenden Frage - ob ein Comeback von Hummels, Boateng und Müller grundsätzlich möglich ist oder nicht - aber konsequent aus. "Ich habe ihnen gesagt, dass ich die Qualifikation und die EM ohne sie plane", erklärte Löw. Drei solch verdiente Spieler hätten eine klare Ansage verdient, alles andere wäre ein "Eiertanz". Der Schritt sei ihm "wahnsinnig schwergefallen, weil wir diesen Spielern wahnsinnig viel verdanken".

Doch die Frage nach einem möglichen Comeback seiner Weltmeister veranlasste ihn zu einem Ausweichmanöver. "Was ist in einem Jahr? Das sind alles hypothetische Dinge", erklärte Löw leicht genervt: "Wir haben sie nicht aus der Nationalmannschaft verbannt, sie haben ja auch nichts verbrochen." Sonderlich wahrscheinlich scheint ein solches Szenario aber nicht (zumindest, so lange der Bundestrainer Löw heißt).

Er hätte mit den Spielern nochmals telefoniert, das Verhältnis zu ihnen sei in Ordnung, erklärte Löw. Hummels und Müller hätten ihm auch versichert, "dass sie grundsätzlich für die Nationalmannschaft zur Verfügung stehen". Dies habe er zur Kenntnis genommen. Vorerst setzt Löw aber auf jüngere Kräfte: Für die kommenden Länderspiele rücken Niklas Stark (Hertha BSC), Lukas Klostermann (RB Leipzig) und Maximilian Eggestein (Werder Bremen) in den Kader. Weitere Spieler würden in den kommenden Monaten folgen. "Jetzt braucht es Veränderungen", sagte Löw, "jetzt müssen andere in diese Rolle reinwachsen."

Hummels, Boateng und Müller haben auf absehbare Zeit also frei, wenn die DFB-Elf spielt - so zum Beispiel am Mittwoch in Wolfsburg gegen Serbien (20.45 Uhr, Liveticker auf SZ.de) und vier Tage später in Amsterdam in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande. Ob sie die Spiele im Fernsehen anschauen, darf als fraglich eingestuft werden.

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