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Nachwuchs-Fußball:FC Bayern beglückt mit einem neuen Bau

Beispiel Hoffenheim: Mit der Einsetzung des früheren Jugendtrainers Julian Nagelsmann als Chefcoach kam Schwung in die Jugendlichkeit. Sieben Spieler stehen derzeit beim Tabellenfünften im Kader, die das örtliche Nachwuchszentrum besucht haben. Das kommt gut an, und es hilft nebenbei, den Klub unabhängiger von Mäzen Dietmar Hopp zu machen. Für Verteidiger Niklas Süle erhält Hoffenheim im Sommer kolportierte 20 Millionen Euro vom FC Bayern. Für Mittelfeldspieler Nadiem Amiri dürften irgendwann noch mehr Millionen fließen. Die Investitionen lohnen sich endlich, Hoffenheim leistet sich schon seit 2006 sein teures Nachwuchszentrum in Zuzenhausen.

Andere zogen nach. "Es ist ein enormes finanzielles Rad, das da heute gedreht wird", sagt Armin Kraaz, der Leiter des Jugendzentrums bei Eintracht Frankfurt. Der Deutschen Fußball-Liga DFL zufolge steckten die 18 Vereine der Bundesliga in der vergangenen Saison 110 Millionen Euro in ihre Jugendarbeit, fast 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Wer da nicht mitmacht, dem wird vorgeworfen, die Entwicklung zu verschlafen. Dem Hamburger SV zum Beispiel. Der hat 2014 den früheren Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters engagiert, um den Missstand zu beheben. Peters hatte zuvor das Konzept in Hoffenheim maßgeblich gestaltet und arbeitet nun daran, die HSV-Jugend nach vorne zu bringen. Und in München wird das Jugendfußballland bald mit einem neuen Bau der Superlative beglückt.

Bei den Beratern herrscht Goldgräberstimmung

Für 70 Millionen Euro baut der FC Bayern im Norden der Stadt ein neues Klubgelände, ein wichtiger Teil wird das neue Nachwuchszentrum sein. Da der Klub wie immer und überall die Nummer eins sein will, ist alles vom Feinsten. Restaurant, Räume für Vorträge wie für Behandlungen, eine Arztpraxis, ein Schwimmbecken, außerdem 35 Apartments für Jugendspieler, die von außerhalb kommen. Bislang verfügte der FC Bayern "nur" über 15 Plätze (zum Vergleich: Borussia Dortmund hat 22, RB Leipzig 50). Es stehen Partnerschulen bereit, Sozialpädagogen, Sportpsychologen, Athletiktrainer, Physiotherapeuten. Auch einen Chef haben die Münchner nun gefunden - Herrmann Gerland. Und auch wenn der selbst nicht mehr der Jüngste ist: Den Vereinen kann man nicht vorwerfen, dass sie sich nicht um ihre Jugendlichen kümmern würden. Im Gegenteil.

Dafür müssen die Kids das Leben führen, das man von ihnen erwartet: leistungsorientiert und diszipliniert. Und sie sollten gut Fußball spielen. Besser als die Konkurrenten. Sonst müssen sie den Klub sowie ihr Apartment wieder verlassen.

Durch dieses Aufrüsten ist im Jugendbereich ein regelrechter Transfermarkt entstanden - in dem die Preise wie bei den Erwachsenen ständig nach oben gehen. Im Sommer überwies der FC Bayern 500 000 Euro für den 16-jährigen Timothy Tillman an die SpVgg Greuther Fürth. Mit ihm kamen der jüngere Bruder und die Mutter nach München. Inzwischen baggern Real Madrid und der FC Barcelona an dem Spieler. Zuletzt wechselte der 17-jährige Antonio Tograncic von den Bayern zu Ajax Amsterdam. Offenbar kam er in der starken U 17 des Klubs nicht mehr zurecht und suchte eine neue Herausforderung, wie das im Amts-Fußballdeutsch heißt.

In der U-19-Bundesliga ist von Gehältern bis zu 10 000 Euro pro Monat die Rede, in der U 17 verdienen die Besten nicht viel weniger. Armin Kraaz erklärt, dass die Eintracht da finanziell weder mitspielen kann noch will: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gut ist, wenn ein 17- oder 18-Jähriger das Doppelte oder Dreifache seines Vaters verdient."

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