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FC Barcelona:Messis Abschied wird zum Nervenkrieg

Lionel Messi im Trikot des FC Barcelona

Wird Barcelona am Ende allen Streits um die Ablöse wohl verlassen: Lionel Messi.

(Foto: AFP)

Der Klub-Präsident redet mit dem Vater, der neue Trainer will den Spieler umstimmen - doch Lionel Messi möchte weiterhin weg. Kann er mit einer Transfergenehmigung durch die Fifa rechnen?

Von Javier Cáceres

Wie und wann sich der Abschied des Lionel Messi vom FC Barcelona vollzieht, ist weiter unklar. Aber eine Gewissheit verdichtet sich: Er wird zu einem Nervenkrieg. Aus seinem Umfeld verlautete, dass Messi entgegen ursprünglicher Meldungen nun doch am Sonntag im Trainingszentrum Barças zum Corona-Test erscheint, um die Voraussetzung für seine Teilnahme am Mannschaftstraining am Montag zu erfüllen. Doch an der grundsätzlichen Entscheidung, Barcelona zu verlassen, ändert das offenkundig: nichts.

Der spanische Rundfunksender Cadena SER meldete, dass Vereinschef Josep Maria Bartomeu Kontakt zu den Messis gesucht hat. Ein direktes Gespräch mit dem Abtrünnigen sei nicht zustande gekommen; lediglich der Vater (und Berater) des Spielers habe den Hörer abgenommen. Bartomeu habe ihm versichert, dass der Klub Messi behalten wolle. Und Jorge Messi habe nochmals erklärt, dass der Filius entschlossen sei, zu gehen. Der Zyklus bei Barça werde als beendet angesehen.

Dass Messi dennoch zum Coronatest und dann sogar zum Training unter dem neuen Coach Ronald Koeman erscheinen könnte, würde der spektakulären Abschiedsentscheidung nicht entgegenstehen, sondern muss wohl als Teil einer komplexen, juristischen Gefechtslage interpretiert werden, in der es um aberwitzige Millionenbeträge geht. Und in der Messi nicht den Eindruck erwecken will, zu streiken.

Zur Erinnerung: Messi hatte zu Beginn der Woche schriftlich angekündigt, Barcelona verlassen zu wollen. Er hatte sich dabei auf eine Vertragsklausel berufen, die es ihm erlaubt, den Klub gratis zu verlassen - wenn er seinen Willen zum Abschied in einem bestimmten Zeitfenster kundtut. Andernfalls verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr - aktuell bis Juni 2021. Und das würde auch bedeuten, dass die festgeschriebene Ablösesumme wieder greift: 700 Millionen Euro.

Der FC Barcelona erachtet die entsprechende Frist als abgelaufen; das Messi-Lager meint, die Klausel greife erst jetzt. Unstrittig ist: Die Frist ist dem Wortsinn des Vertrages zufolge Anfang Juni abgelaufen. Aber das Argument der Partei Messi lautet: Der Geist des Vertrags besagt, dass Messi erst nach Ende der Saison erklären muss, ob er gehen wolle oder nicht. Durch die Coronapause habe sich das Ende der Spielzeit bis zum Champions-League-Finale vom 23. August verschoben. Daher habe er jetzt seinen Abschied also fristgerecht angekündigt - und könne daher auch ablösefrei gehen. Hätte er sich - dem Wortlaut des Vertrags entsprechend - Anfang Juni erklärt, hätte er die Vorbereitung Barças auf das Saisonfinish empfindlich gestört.

Laut El País kann Messi mit einer Transfergenehmigung rechnen

Wer mit seiner Interpretation Recht hat, ist für die Frage, ob Messi zur neuen Saison in einer anderen Mannschaft auflaufen kann, offenkundig nachrangig. Die Zeitung El País meldete am Donnerstag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen im Fußball-Weltverband Fifa, dass eine Transfergenehmigung erteilt würde. Die Präzedenzfälle besagten, dass sowohl die Fifa wie auch der internationale Sportgerichtshof Cas das Recht des Spielers im Zweifel als prioritär betrachtet. Und dass die Fifa ausgerechnet dem mehrmaligen Weltfußballer Messi verbietet, Fußball zu spielen, erscheint kaum vorstellbar.

Auch der europäische Verband Uefa würde sich nicht versperren - immer vorausgesetzt, der aufnehmende Klub hält die Financial-Fair-Play-Regeln (FFP) ein. Allerdings gelten vor allem Manchester City und Paris Saint-Germain als interessiert, Messi zu holen. Und beide Klubs sind in der jüngeren Vergangenheit mit den FFP-Regeln in Konflikt geraten.

Die Frage aber, ob sich Messi eines Vertragsbruchs schuldig gemacht hat und Barcelona entschädigen müsste, wenn er nun geht, wäre letztlich von einem Arbeitsgericht in Barcelona zu klären. Das könnte sich Jahre hinziehen. Der Sportrechtler Jacinto Vicente sagte dem Radiosender Cope, dass Barcelona beste Karten hätte, einen solchen Prozess zu gewinnen, wegen des Wortlauts des Kontrakts, und weil Barcelona argumentieren könnte, dass die Vorbereitung auf die neue Saison längst begonnen hat. Die Zugänge haben die Arbeit schon vor Tagen aufgenommen.

Klub-Präsident Bartomeu soll derweil sogar seinen Rücktritt angeboten haben, damit Messi bleibt. So berichtete der katalanische Fernsehsender TV3, Bartomeu sei bereit, sein Amt sofort zur Verfügung zu stellen, falls Messi öffentlich erkläre, dass der Klubboss das Hauptproblem bei Barça sei. Auch der spanische Radiosender Onda Cero berichtete über das vermeintliche Rücktrittsangebot.

Kolportiert wird zudem, Trainer Koeman wolle nochmals den Kontakt suchen. Aber dass Messi umdenkt, gilt als ausgeschlossen. Andererseits ist die Neigung von Messi und Barça, einen Prozess zu führen, so gering, dass Barcelona am Ende doch mit einem der interessierten Klubs verhandeln könnte. Offiziell erklärt hat sich noch kein Interessent, wohl aber der FC Bayern. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte der Zeitung Tuttosport, dass eine Messi-Verpflichtung der Philosophie und Hauspolitik der Münchner entgegenstünde. Man wolle und könne sich eine Operation dieser Größenordnung nicht leisten. Messi verdient jährlich 50 Millionen Euro. Netto.

© SZ vom 28.08.2020/chge
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