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Strafe gegen Manchester City:Dieses Urteil darf nicht revidiert werden!

Manchester City: Trainer Pep Guardiola 2019 gegen Wolverhampton

Zunächst aus der Königsklasse verbannt: Pep Guardiola und Manchester City.

(Foto: dpa)

Für den Fußball wäre es ein klarer Gewinn, wenn Manchester City auch vor dem Cas scheitert. Sonst wird bald der glühendste Fan feststellen, dass das Spiel verloren ist.

In den Achtzigern war "Kir Royal" sehr beliebt, eine TV-Satire zur Münchner Schickeria. Da versucht ein neureicher Provinzfabrikant, sich in die Bussi-Gesellschaft einzukaufen, er pappt Leuten Geldscheine an die Stirn und erklärt dem Klatschreporter, den er als Türöffner benötigt: "Isch scheiß dich sowat von zu mit meinem Geld, dass de keine ruhige Minute mehr hast! Dann biste mein Knecht!"

Der Fußball dominiert die Geldscheißer-Kultur der Gegenwart - aber nicht in Paderborn, Brescia oder Burnley. Das große Geschäft dreht sich nur um ein Dutzend Superklubs: Barcelona und Real Madrid, Bayern und Juventus Turin, Paris sowie die Big Six der Premier League: Liverpool, Tottenham, Chelsea, Arsenal und die Manchester-Klubs United und City. Sie dominieren seit einer Dekade einen Sport, der bis dahin, fast vergessen, von der Unvorhersehbarkeit lebte. Heute sind Double- und Triple-Gewinne in diesen Topligen die Norm, international schaffte Real von 2016 bis 2018 sogar das Champions-Triple. Meister in Spanien, England, Italien durchbrachen die 100-Punkte-Mauer.

Geld schießt keine Tore? Ist Geschichte. Endlos viel Geld erlegt jeden Klub, das ist die Realität. Den Fußball regiert ein Milliardärszirkel, für den es immer so weitergehen soll. Und nun passiert etwas, das in dieser neuen Ordnung nicht vorgesehen ist: dass die Regeln, die man halt so hat, wirklich angewendet werden! Dass also, wie im Fall Manchester City, ein Superklub für Verstöße sanktioniert und ihm der Champions-League-Zugang verwehrt wird.

Katar hat sich raffiniert vernetzt

In den Citizens trifft es den prolligen Provinzfabrikanten. Als Einzige verfügen die Nordengländer im Glitzerklüngel der Superklubs über keine engen, gewachsenen Verbindungen, umso brachialer werfen sie mit Geld um sich. Das ist der Unterschied zum ähnlich gelagerten Sündenfall Paris Saint-Germain, wo wie bei City ein Emirat Regie führt. Aber Katar hat sich raffiniert vernetzt. Es pflegt eine Langzeitstrategie, die in der WM 2022 gipfelt, das Emirat ist mit dem Sender BeIn Sports Großabnehmer von Uefa-TV-Rechten und mit vielen anderen Tentakeln im Wurzelwerk des Milliardengeschäfts verankert; PSG-Boss Nasser al-Khelaifi sitzt gar im Vorstand der Uefa. Als die Fahnder des Financial Fairplay anklopften, stritt PSG das Offenkundige nicht einfach ab, der Klub wich zurück und strickte smarte Storys dafür, warum Katars Tourismus-Staatsbehörde Riesenbeträge in den Etat pumpte.

ManCity fuhr die harte Tour. Der Klub der Herrscherfamilie in Abu Dhabi bestritt, dass nur ein Bruchteil der Geldflüsse tatsächlich vom Sponsor kam, der Fluglinie Etihad, der große Rest aber aus Investments des Scheichs Mansour. So wie es den Anschein hatte - und im klubinternen E-Mailverkehr beschrieben wird. Dessen Ruchbarwerden führte zu der Strafverschärfung, das Vergehen selbst war ja bekannt und per Geldstrafe sanktioniert worden. Aber nun sahen sich die Ermittler von City absichtlich irregeführt.

Die Mails verrieten auch, wie unantastbar sie sich bei City fühlten, dank der Geldspeicher am Golf: Es hieß, die arabischen Eigner würden die Millionenstrafe lieber in die weltbesten Anwälte stecken als in Strafzahlungen an die Uefa. Schießt viel Geld also nicht nur Tore, sondern auch klare Reglements zusammen? City zieht vor den Cas, es wird die Strafe als unverhältnismäßig und als Benachteiligung gegenüber PSG beklagen. Das wird eine Antwort auf die Kernfrage liefern: Welche Rolle spielt der schiere Mammon im sich selbst organisierenden Sport?

Für den Fußball wäre eine klare Verurteilung ein Gewinn

Der Gegner, die Uefa, macht bisher keine schlechte Figur. Dabei spielte in den ersten FFP-Verfahren gegen PSG und die Citizens der damalige Uefa-General eine sehr zwielichtige Rolle, er half den Klubs, allzu harte Sanktionen zu umgehen. 2016 wechselte der Funktionär mit dem ambiguen Verhältnis zu Finanzregeln an die Spitze des Weltverbandes Fifa, wo er nun weiter eine Finanzaffäre an die nächste reiht. Erst wollte Gianni Infantino klammheimlich fast alle Fifa-Rechte an arabische Investoren verhökern, jetzt versucht er, die Superklubs in eine Weltliga unterm Fifa-Dach zu locken. Und gerade flog auf, dass in Afrika, wo er seinen größten Rückhalt hatte, Dutzende Millionen an Fifa-Fördergeldern spurlos versickert sind.

Die Uefa führt heute Infantinos Erzwidersacher: Aleksander Ceferin. Der Slowene ist Quereinsteiger, kein Geschöpf alter Seilschaften. Wurde deshalb erstmals in der kumpelhaften Fußballwelt ein so hartes Verdikt unabhängiger Prüfer nicht torpediert? Die neue Uefa zeigt, dass sie nicht vor der Macht des Geldes einknickt oder mit dieser Macht gemeinsam immer absurdere Finanzquellen ausheckt. Aber jetzt muss sich weisen, welche Rolle sie wirklich innehat in der Manege der Superklubs: Zuchtmeister oder Zirkuspferd?

Für den Fußball wäre eine klare Verurteilung ein Gewinn. Sie zöge die rote Linie für alle, deren Eigner in sportfernen Rohstoffländern sitzen und Regeln für Dekor halten. Geht die Sache aber schief, wird bald der glühendste Fan feststellen, dass das Spiel verloren ist. Und es nur noch um die nächste goldene Ananas geht.

© SZ vom 17.02.2020/tbr
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