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Luis Scola bei der Basketball-WM:Der Demichelis des Basketballs

Luis Scola gilt als Legende in seiner Heimat - und er wird immer besser. Mit 39.

(Foto: AFP)
  • Basketballer Luis Scola ist der Anführer einer überraschend starken argentinischen Mannschaft bei der WM in China.
  • Der große, alte Mann des Basketballs in Argentinien will mit seinem Land an diesem Freitag (gegen Frankreich) ins Finale und endlich Weltmeister werden.

Wer über argentinische Sportler spricht, muss über Haare sprechen. Unvergessen die Lockenpracht von Diego Maradona. Das Modell Heavymetal-Tapete des Ex-HSV-Profis Juan Pablo Sorin - oder jenes Glanzhaar von Martin Demichelis, der problemlos in jede Shampoowerbung gepasst hätte. Der frühere Bayern-Verteidiger spielte Fußball, bis er mit 36 leicht ergraute und wenn heute einer in München über ihn spricht, freuen sich alle. "Ja mei, der Mich", heißt es dann. Und damit zu Luis Scola, einem anderen, gut gealterten Argentinier. Wenn man so will ist der 39-jährige Center nämlich so etwas wie der Demichelis des Basketballs. Ein Arbeiter, ein Haarkünstler - und ein Evergreen.

Auch seinen Kopf zierte lange Zeit eine gewaltige Mähne, die er mit einem Zwirn im Zaum hielt. Heute sieht Scola etwas gezähmter und gesetzter aus, mehr Antonio Banderas als Heavymetal. Aber wie viele Argentinier (außer Maradona) bewegt er sich in aller Würde Richtung Sportler-Rente. Während der WM in China schimmern beim großen, alten Mann des südamerikanischen Basketballs deutlich sichtbar graue Stellen durch die neue Mecki-Frisur. Aber was ist schon 39 für einen Basketballer? Da hüpfte Dirk Nowitzki noch munter in der NBA herum. Scola hat es derweil mit dem Nationalteam Argentiniens bis ins Halbfinale der WM geschafft, wo an diesem Freitag die Franzosen warten.

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Manche mögen den 2,06-Meter-Mann für ein lebendes Fossil halten, doch er selbst will vor allem eines werden: endlich Weltmeister. In seiner Heimat gilt er als Idol, einer wie sein früherer Gefährte Manu Ginobili, mit dem er viele Basketball-Schlachten bestritten hat. Aber Ginobili verließ das Nationalteam 2016 aus Altersgründen. Er ging wie viele Argentinier unter Tränen. Luis Scola ist immer noch da. "Er ist ein Anführer, der immer auftaucht, wenn man ihn braucht", schreibt jetzt die Zeitung Clarin in einer hymnenartigen Würdigung. Scola sei "una leyenda" und wie es sich für Legenden gehört, hat er fast alles miterlebt.

Er war schließlich schon beim größten Erfolg der argentinischen Basketball-Geschichte neben dem WM-Titel 1950 dabei. 2004 bezwangen die Gauchos im Olympia-Halbfinale erst die USA und holten im Duell mit Italien Gold. Und zwei Jahre zuvor hatte der damals 22-Jährige - noch kurzrasiert - ebenfalls auf dem Parkett gestanden, als Argentinien die bislang größte WM-Chance der Deutschen um Nowitzki im Halbfinale zerstörte und anschließend im Finale Jugoslawien unterlag.

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Scola ist die ewige Konstante im Welt-Basketball, er rempelte immer irgendwo genüsslich jemanden aus dem Weg oder versenkte seine Würfe. Er war schon ein moderner, beweglicher "Big Man", als der einzige andere bewegliche Big Man noch Nowitzki hieß. In China ist er nun der drittälteste Spieler der gesamten WM und der mit Abstand älteste Akteur im argentinischen Team.