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Basketball-WM in China:Die US-Riesen sind plötzlich bezwingbar

Basketball - FIBA World Cup - Quarter Finals - United States v France

Frustration bei Jaylen Brown (9) and Kemba Walker.

(Foto: Kim Kyung-Hoon/Reuters)
  • Die USA scheitern überraschend im Viertelfinale an Frankreich.
  • Für den Titelverteidiger, der erst zum vierten Mal das Halbfinale verpasst hat, geht es nun darum, das schlechteste Abschneiden seiner eigenen Geschichte zu verhindern.

USA gegen Serbien, so lautete das Finale bei den beiden letzten globalen Basketball-Veranstaltungen, bei der WM 2014 in Spanien und bei Olympia 2016 in Rio. USA gegen Serbien, dieses Duell wird es auch bei dieser Weltmeisterschaft in China geben - allerdings nicht wie allgemein erwartet im Endspiel am Sonntag in Peking, sondern bereits an diesem Donnerstag in der südchinesischen Stadt Dongguan. Dort treffen die beiden Turnierfavoriten in der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht aufeinander.

Einen Tag nachdem Serbien sein Viertelfinalspiel in der 8,2-Millionen-Einwohner-Stadt am Perlflussdelta gegen Argentinien verloren hatte (87:97), scheiterten dort auch die Amerikaner, 79:89 gegen die Franzosen. Die dürfen sich nun am Freitag in Peking mit Argentinien um den Einzug ins Endspiel streiten; das zweite Halbfinale bestreiten Spanien und Australien, das sich am Mittwoch gegen das Überraschungsteam aus Tschechien durchsetzte (82:70). Die von einigen Experten vor dem Turnier sogar als Titelfavorit eingeschätzten Serben haben jetzt zumindest noch die Gelegenheit, zu beweisen, dass sie tatsächlich in der Lage sind, die in diesem Jahrzehnt scheinbar unbezwingbaren USA zu bezwingen. Für den gestürzten Titelverteidiger, der bei seiner 18. WM-Teilnahme erst zum vierten Mal das Halbfinale verpasst hat, geht es nun darum, das schlechteste Abschneiden seiner Basketball-Geschichte zu verhindern: Das ist bislang der sechste Platz aus dem Jahr 2002, ausgerechnet bei der Heim-WM in Indianapolis.

Dass es zu Ende gehen könnte mit der jüngsten Herrlichkeit der Basketballer aus der NBA, der stärksten Liga der Welt, hatte sich angedeutet. Nach und nach hatten im Sommer die besten Spieler abgesagt, so dass zu Beginn der WM-Vorbereitung die prominentesten Akteure der US-Auswahl nicht auf, sondern neben dem Spielfeld standen: der Chefcoach Gregg Popovich, 70, und sein Assistent Steve Kerr, 53, zwei Meistertrainer der NBA, Popovich fünfmal mit den San Antonio Spurs, Kerr zuletzt zweimal mit den Golden State Warriors.

Die Franzosen verfügen über eine respekteinflößende Auswahl

Beim Einspielen für die WM verloren die Amerikaner schon zum ersten Mal seit 13 Jahren und nach 78 Siegen wieder ein Spiel, 94:98 in Australien. Das war noch nicht so dramatisch, Sorgen machte man sich im Mutterland des Basketballs aber, als das Team in der WM-Vorrunde viel Glück und eine Verlängerung brauchte, um sich 93:92 gegen die Türkei durchzusetzen. Dennoch erreichten die US-Profis mit fünf Siegen aus fünf Spielen die K.-o.-Runde, wo sie nun eben auf Frankreich trafen.

Das Duell USA gegen Frankreich hatte es zuletzt in der Olympia-Vorrunde 2016 in Rio gegeben, damals gewannen die Amerikaner knapp, 100:97. Von den Olympiasiegern ist aber bloß Harrison Barnes von den Sacramento Kings übrig geblieben, die Franzosen hingegen konnten ihr stärkstes Team aufbieten, mit fünf NBA-Profis: Rudy Gobert (Utah Jazz), Evan Fournier (Orlando Magic), Frank Ntilikina (New York Knicks), Nicolas Batum (Charlotte Hornets) und Vincent Poirier (Boston Celtics). Dazu kam Nando de Colo, der früher mal unter Popovich in San Antonio gespielt hat und zuletzt beim Euroleague-Champion ZSKA Moskau aktiv war. Es ist eine durchaus respekteinflößende Auswahl, über die Frankreich, der WM-Dritte 2014, verfügt. Aus der ragt Gobert noch heraus, der 2,16 Meter große Center ist gerade zum zweiten Mal nacheinander als bester Verteidiger der NBA geehrt worden. Am Mittwoch gelangen dem 27-Jährigen 21 Punkte und 16 Rebounds, ein sogenanntes Double-Double, zweistellige Werte in zwei statistischen Kategorien also. Gobert hatte auch in der entscheidenden Szene seine Finger im Spiel: Als gerade die letzte Spielminute anbrach, blockte er beim Stand von 82:78 den Angriffsversuch von Donovan Mitchell ab. Damit war das letzte Aufbäumen des Titelverteidigers abgewehrt. Es war der Showdown der beiden besten Akteure ihrer Teams gewesen, den Gobert da am Ende gewonnen hatte. Mitchell, sein Klubkollege in Utah, war mit 29 Punkten ja der erfolgreichste Werfer des Abends, noch vor dem Franzosen Fournier (22). Mitchell hatte auch maßgeblich dafür gesorgt, dass sein Team nach der Pause ein Zehn-Punkte-Minus (41:51/21. Minute) in ein Sieben-Zähler-Plus verwandelte (72:65/32.). Doch in der Schlussphase flatterten den Amerikanern die Nerven, da vergaben sie etliche Freiwürfe, während die Franzosen auf der Gegenseite ihre verwandelten. "Das ist ein riesiger Sieg für uns", fand Gobert: "Sie haben es uns schwer gemacht, aber wir haben uns an unseren Spielplan gehalten." Zu dem gehörte auch eine intensivere Arbeit bei den Rebounds: Bis zum Viertelfinale hatten die Franzosen die wenigsten Abpraller aller 32 WM-Teilnehmer eingesammelt, 31 im Durchschnitt pro Partie. Gegen die USA packten sie entschlossener und kräftiger zu, mit 44:28 entschieden Gobert und Co. das Reboundduell für sich - ein weiterer Faktor für den Erfolg Die Absage etlicher NBA-Profis wollte US-Coach Popovich jedenfalls nicht als Grund für die gescheiterte Titelverteidigung gelten lassen. "Es ist egal, wer bei uns im Team ist", sagte er: "Frankreich hat uns einfach geschlagen."

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